Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 536 Wieso entdecken wir keine Außerirdischen?

Radioantenne des "Very Large Array" im US-Bundesstaat New Mexico. Sie hilft bei der Suche nach außerirdischen Signalen.

Radioantenne des "Very Large Array" im US-Bundesstaat New Mexico. Sie hilft bei der Suche nach außerirdischen Signalen.

(Foto: imago/Mint Images)

Das Weltall ist erfüllt von Trilliarden von Sternen. Viele gleichen der Sonne und haben erdähnliche Planeten. Da müsste es doch nur so vor Alien-Zivilisationen wimmeln. Aber bisher gibt es keine Spur von ihnen. Wie kommt das?

Jedes Jahr bekommt die Erde Besuch von Außerirdischen – allerdings nur auf der Kinoleinwand. Die Menschheit scheint von dem Thema fasziniert. Aber in Wirklichkeit ist von Aliens leider (oder Gott sei Dank?) weit und breit nichts zu sehen. Dabei mangelt es nicht an Versuchen, sie ausfindig zu machen. Unter dem Stichwort Seti (Search for Extraterrestrial Intelligence) versuchen Forscher seit Jahrzehnten, Radiosignale von Außerirdischen zu empfangen. Bisher allerdings ohne Erfolg.

Ist dies verwunderlich? Ja, sagen einige der größten Denker unserer Epoche. Dazu zählt der berühmte Physiker und Nobelpreisträger Enrico Fermi. Er wunderte sich beim Anblick eines Zeitungs-Cartoons über Außerirdische in fliegenden Untertassen schon vor fast 70 Jahren: "Wo sind die alle?"

Video

Fermis Frage nahmen andere Forscher zum Anlass, um auszurechnen, wie wahrscheinlich intelligentes Leben außerhalb unserer Erde ist. Das berühmteste Beispiel ist die "Drake-Gleichung", benannt nach ihrem Erfinder, dem US-Astrophysiker Frank Drake. Anhand einer Reihe von Faktoren lässt sich mit ihr errechnen, wie viele durch Radiosignale aufspürbare Zivilisationen es in unserer Galaxie geben müsste. Die Ergebnisse liegen bei optimistischer Annahme bei einigen Tausend.

Kolonisierte Galaxie

Andere Forscher, wie der US-Astronom Michael Hart, brachten sogar die Überlegung ins Spiel, dass aufgrund der hohen Wahrscheinlichkeit für weiteres intelligentes Leben in unserer Milchstraße die gesamte Galaxie bereits kolonisiert sein müsste. Der Physiker Frank Tipler stellte zudem die Überlegung an, dass dies mit sich selbst replizierenden Raumsonden über einen Zeitraum von "nur" einigen Millionen Jahren möglich sei. Angesichts des hohen Alters der Milchstraße von mehr als 13 Milliarden Jahren ein überschaubarer Zeitraum.

Aber entgegen aller Statistik: keine Außerirdischen in Sicht. Dieser Widerspruch wurde schließlich nach seinem Initiator "Fermi-Paradoxon" genannt und als solches weltberühmt.

Aber was ist nun die Lösung des Rätsels? Warum entdecken wir keine Außerirdischen? Die eine richtige Antwort ist derzeit nicht bekannt. Viele Forscher haben sich dennoch ihre Köpfe zerbrochen. Wenn man etwa dem oben erwähnten Astronomen Hart folgt, ist die Lösung ganz simpel: Wir entdecken keine außerirdischen Zivilisationen, weil es keine gibt. Denn wenn es sie gäbe, so der Umkehrschluss, hätten sie die Galaxie längst besiedelt - und wären auch in unserem Sonnensystem anzutreffen.

Sind wir doch alleine?

Sind wir am Ende also ganz alleine in der Milchstraße, womöglich im ganzen Universum? Vielleicht, glauben andere, sind wir auch die erste hochentwickelte Zivilisation. Etwa, weil die Bedingungen im Universum früher viel lebensfeindlicher waren als heute. So könnten gewaltige Strahlenausbrüche - sogenannte Gammablitze - in der Vergangenheit wesentlich häufiger aufgetreten sein als heute. Diese sind echte Zivilisations-Killer: Treffen sie auf einen belebten Planeten, stirbt auf dessen Oberfläche alles ab.

Eine beliebte Erklärung für die Abwesenheit außerirdischer Intelligenz ist auch die Annahme, dass jede Zivilisation bei ihrer Entwicklung mehrere Hürden überwinden muss, sogenannte Filter, an denen viele scheitern. Man denke nur an die "Kubakrise" im Jahr 1962: Um ein Haar hätte sich die Menschheit mit einem Atomkrieg selbst vernichtet. Auch der Klimawandel könnte so ein Filter sein, der uns noch bevorsteht. Aber selbst wenn wir auch diese Herausforderung meistern, könnte in Zukunft ein heute noch unbekannter Filter auf uns warten. Einer, an dem die Menschheit mit Sicherheit zugrunde gehen wird – wie womöglich alle intelligenten Zivilisationen vor ihr.

Aber vielleicht, so glauben manche, wimmelt es um uns herum nur so von Alien-Hochkulturen. Allein, wir bekommen davon nichts mit. Der Grund könnte unsere noch geringe technische Entwicklungsstufe sein. Etwa halten wir bei der Suche vor allem nach außerirdischen Radiosignalen Ausschau. Die Kommunikation mit Radiowellen könnte jedoch vergleichsweise altbacken sein und hochentwickelte Zivilisationen nutzen andere Wege, die uns noch unbekannt sind.

Wie Tiere im Zoo

Eine der originelleren unter den vielen möglichen Erklärungen für das "Fermi-Paradoxon" ist die Zoo-Hypothese: Sie besagt, dass hochentwickelte Aliens sehr wohl von uns wissen, uns aber durch ihre Präsenz nicht in unserer Entwicklung stören wollen. Sie behandeln uns also wie Tiere in freier Wildbahn. Eine noch exotischere Variante: Die Außerirdischen haben eine gewaltige Schale um unser Sonnensystem errichtet, auf deren Innenseite das für uns sichtbare, scheinbar leblose Universum projiziert wird. So werden wir von einer Kontaktaufnahme mit anderen Lebewesen im All bisher abgeschirmt.

Die Liste weiterer Erklärungsansätze ist lang, aber das "Fermi-Paradoxon" bleibt ungeklärt. Eine Sache ist jedoch gewiss: Auch wenn wir nichts von ihnen gehört haben, können wir die Existenz von außerirdischen Zivilisationen nie ganz ausschließen.

Übrigens: Der Blick der Forscher ins All wird in Zukunft noch schärfer: Im Jahr 2020 soll das James-Webb-Weltraumteleskop seine Arbeit aufnehmen. Mit einem großen Spiegel soll es im Infrarotbereich Planetensysteme auf ihre Eignung für Leben untersuchen. Und am Ende wird es vielleicht doch noch eine Antwort auf die Frage geben: "Wo sind die alle?"

Quelle: n-tv.de


Mehr zum Thema