Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 446 Entstehen Krampfadern durch Krämpfe?

Krämpfe in den Waden überraschen die meisten Menschen in der Nacht.

Krämpfe in den Waden überraschen die meisten Menschen in der Nacht.

(Foto: imago/Westend61)

Ich habe schon seit einigen Jahren Krampfadern, die allerdings keine Schmerzen machen. Dennoch frage ich mich, wie diese unschönen Schlangen an meinen Beinen entstehen. Sind meine nächtlichen Krämpfe daran schuld? (fragt Anneliese D. aus Düsseldorf)

Tatsächlich könnte man glauben, dass Krampfadern durch Krämpfe entstehen, denn die ungewollte Anspannung der Muskulatur hat ja bestimmt auch einen Einfluss auf die Adern und Gefäße im Körper und außerdem gibt der Name schon einen Hinweis darauf. Doch der Experte weiß es besser: "Krampfadern entstehen nicht durch Krämpfe", sagt Dr. Christian Moser, Leiter der Abteilung für Operative Phlebologie der Laserklinik Karlsruhe. Aber Menschen mit Krampfadern leiden oftmals unter ihnen. "Krämpfe können also durch Krampfadern entstehen, aber nicht umgekehrt", so der Gefäßspezialist.

Und auch wenn das Wort Krampf in Krampfadern steckt, ist dieser nicht mit der Ursache gleichzusetzen. "Es ist so, dass das Wort vom althochdeutschen krampen abgeleitet worden ist", erklärt Moser. Damals bedeutete krampen aber nicht krampfen, auch wenn es sehr ähnlich ist, sondern schlängeln. Und tatsächlich schlängeln sich Krampfadern, meistens als hässlich empfunden, an Beinen entlang. Es gibt aber auch Krampfadern im Bereich des Beckens, der Gebärmutter, den Eierstöcken, dem Hoden und an der Speiseröhre. Auf die Frage bezogen, soll es hier aber nur um Krampfadern an den Beinen gehen.

Auch Blut folgt der Schwerkraft

Um zu verstehen, wie sich Krampfadern bilden, ist es wichtig, etwas über die Aufgaben von Venen zu erfahren. Diese führen das sauerstoffarme Blut zurück zum Herzen. Alle Venen, die sich unterhalb des Herzens befinden, müssen das Blut gegen die Schwerkraft zurück zum Herzen befördern. Unterstützt werden sie durch die Muskulatur und durch die Venenklappen, die verhindern sollen, dass Blut nach unten fließt.

Die Zirkulation des Blutes im menschlichen Körper.

Die Zirkulation des Blutes im menschlichen Körper.

(Foto: imago/StockTrek Images)

Die Venen sind wegen ihrer besonderen Aufgaben dünner und dehnbarer als die sauerstoffreiches Blut führenden Arterien. Auch der Blutdruck in den Venen ist wesentlich geringer als in den Arterien. Venen sind also besonders aufnahmefähig. Kein Wunder, müssen beispielsweise die tiefen Leitvenen in den Beinen doch rund 90 Prozent der gesamten Blutmenge aus den Gliedmaßen zum Herzen zurückbefördern.

Blaue Schlangen an den Beinen

"Eine Erweiterung der oberflächlichen Venen, die vor allem an den Beinen auftritt, wird bei den meisten Betroffen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren erstmals als Krampfader sichtbar", erklärt Moser. Eine Bindegewebsschwäche lässt mit der Zeit die Venenwände erschlaffen. Das führt dazu, dass die Venenklappen nicht mehr richtig schließen. Das Blut versackt und es kommt zu einer Art Überfüllung in den Venen, die dicht unter der Haut liegen. Das führt zu einer Erweiterung und Verformung dieser Gefäße, die dann durch die Haut nicht nur sichtbar sind, sondern auch hervorquellen.

Die Ursachen für die Entstehung von Krampfadern sind vielfältig. Sie reichen vom Alter über Gene und Hormone bis hin zu mangelnder Bewegung. Jede zweite Frau und jeder vierte Mann in Deutschland hat Krampfadern, die in der medizinischen Fachsprache auch als Varizen oder Varikosis bezeichnet werden. Die meisten Betroffenen empfinden sie als unschön, aber harmlos. Dabei können Krampfadern im fortgeschrittenen Stadium nicht nur zu Schmerzen, sondern auch zu Wassereinlagerungen, Hautgeschwüren und im schlimmsten Fall sogar zu einer Thrombose mit einer lebensgefährlichen Lungenembolie führen.

"Krampfadern, vor allem, wenn sie zu körperlichen Einschränkungen führen, sollten unbedingt behandelt werden, denn der Krankheitsverlauf ist chronisch. Das bedeutet, dass sich im Laufe der Zeit keine Besserung mehr einstellt", so Moser. Welche Behandlungsmethode die individuell passende ist, könne nur ein Spezialist einschätzen, betont der Experte.

Übrigens: Krampfadern, die in der Schwangerschaft entstanden sind, bilden sich nach der Entbindung oftmals wieder zurück. Allerdings müssen junge Mütter geduldig sein, denn dieser Prozess kann bis zu einem Jahr dauern.

Quelle: n-tv.de

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