Wirtschaft

Ölkonzern PDVSA vorerst gerettet Venezuelas Staatspleite ist "unvermeidlich"

Die Staatspleite könnte früher kommen als gedacht: Venezuelas Schicksal hängt am staatlichen Ölkonzern PDVSA.

Die Staatspleite könnte früher kommen als gedacht: Venezuelas Schicksal hängt am staatlichen Ölkonzern PDVSA.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Krise in Caracas ist inzwischen so dramatisch, dass der Papst vermittelt. Doch nicht der politische Machtkampf, sondern die Staatspleite wird wohl bald zum totalen Zusammenbruch Venezuelas führen. Allzu lange kann es nicht mehr dauern.

Das war knapp. Venezuelas staatlicher Ölkonzern PDVSA ist am Montag nur haarscharf am Zusammenbruch vorbeigeschrammt. Nach wochenlangem Gezerre hat die Firma ihre Gläubiger überzeugt, Schulden von mehr als fünf Milliarden Dollar, die eigentlich schon 2017 ausgelaufen wären, in neue Papiere umzutauschen, die nun erst 2020 bezahlt werden müssen.

PDVSA hat sich damit Zeit gekauft - mehr aber auch nicht. Der Schuldentausch ist faktisch ein verdeckter Zahlungsausfall. Ohne ihn wäre PDVSA pleite gewesen, hatte die Firma selbst gewarnt. Der Beinahe-Bankrott ist ein düsteres Omen für ganz Venezuela. Denn PDVSA ist nicht irgendeine Firma. Sie ist das Herz des sozialistischen Systems Venezuelas, der Motor, der die Regierung von Präsident Nicolas Maduro überhaupt noch am Laufen hält.

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Der ringt nicht nur mit einer dramatischen Wirtschaftskrise, sondern steckt in einem Machtkampf mit der Opposition, die ihn abberufen will. So verfahren ist die Lage, dass sich mittlerweile sogar Papst Franziskus eingeschaltet hat. Doch dabei gerät in Vergessenheit, dass es nicht der politische Streit ist, an dem das Land zugrunde gehen wird. Die Staatspleite wird Venezuela wohl bald den Rest geben. Das Schicksal des Landes hängt am Öl - an PDVSA.

Nur Öl hält Venezuela noch am Leben

Ein Crash des Ölförderers könnte Venezuelas Bankrott bedeuten, hatte die Ratingagentur Moody's vor dem Schuldentausch gewarnt. Denn das Land finanziert seine Ausgaben größtenteils mit den Petrodollars des Konzerns. Sie halten es am Leben.

Einige Experten sehen in der Rettung von PDVSA daher nun den Anfang vom Ende Venezuelas. Denn die neuen Papiere kann der Ölförderer nur bezahlen, wenn die Einnahmen steigen: PDVSA hat seinen Investoren Zinsen von über acht Prozent versprochen, damit sie bei dem hochriskanten Schuldentausch überhaupt mitziehen. Maduro wettet darauf, dass sich die Ölpreise erholen. Doch danach sieht es bislang nicht aus.

"Eine Staatspleite scheint unvermeidlich", schlugen die Analysten der Ratingagentur Standard & Poor's daher schon im September Alarm. Bis Ende 2017 muss Venezuela etwa 15 Milliarden Dollar zurückzahlen. Die Devisenreserven sind inzwischen auf rund 12 Milliarden Dollar zusammengeschrumpft.

Die Zahlen sprechen gegen Maduro

Doch obwohl die Inflation galoppiert, Hungeraufstände das Land erschüttern und die Malaria zurückgekehrt ist, hat Venezuela bislang trotzdem alle seine Schulden im Ausland pünktlich gezahlt. "Es ist uns ein Rätsel, wie und warum sie ihre Auslandsschulden bedienen", zitiert das "Wall Street Journal" (WSJ) einen Fondsmanager.

Bislang ging das, weil Präsident Maduro lieber jeden letzten Dollar für die Gläubiger zusammenkratzte, als Lebensmittel und Medikamente zu importieren. Doch viel weiter kann er das Spiel nicht treiben. Ein Kilo Reis koste mittlerweile ein Viertel des Wochenlohns einer Krankenschwester oder eines Lehrers, hat das WSJ ausgerechnet. Mehr als die Hälfte der Venezolaner müsse daher täglich auf Mahlzeiten verzichten, schreibt das Blatt.

Wahrscheinlich kommt die Staatspleite früher als gedacht. Rund 65 Milliarden Dollar schuldet Venezuela insgesamt. Etwa die Hälfte der Verbindlichkeiten geht laut WSJ auf das Konto von PDVSA. Doch die Firma hat kaum noch die Kraft, ihre eigenen Verbindlichkeiten zu decken, geschweige denn Venezuelas Schulden zu bedienen.

Öl wird nur noch abgefackelt

Vielerorts fördert PDVSA kaum noch Öl und Gas oder fackelt es einfach nur ab, weil den Arbeitern das nötige Equipment fehlt, es zu verarbeiten. Das WSJ berichtet, dass in Punta de Mata im Nordosten des Landes so viele Quellen brennen, dass die Bewohner nachts das Licht nicht mehr einschalten.

Ausländische Ölkonzerne haben Venezuela längst verlassen. Überall fehlt Ausrüstung und frisches Geld für Investitionen. Die Fördermenge sinkt deshalb unaufhaltsam: Laut OPEC ist sie seit Anfang 2015 um rund 15 Prozent auf noch etwa 2,3 Millionen Barrel täglich geschrumpft - bei fallenden Ölpreisen.

Falls PDVSA die Luft ausgehen sollte, wird es bis zur Pleite Venezuelas nicht lange dauern. Die einzige Hoffnung besteht im politischen Wandel. Sobald Maduros Regime aufgibt, ist der Weg frei für einen Neuanfang bei PDVSA. Mit neuem Vertrauen von Investoren werden auch Investitionen nach Venezuela zurückkehren. Schließlich müsste es dem Land eigentlich an nichts mangeln. Es hat die größten Ölreserven der Welt.

Quelle: n-tv.de


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