Wirtschaft

"Tod durch China" Trumps Handelsberater Navarro triumphiert

Hält Importe aus China für keine gute Idee: Peter Navarro.

Hält Importe aus China für keine gute Idee: Peter Navarro.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Peter Navarro gilt als ökonomischer Außenseiter. Doch das dürfte ihm herzlich egal sein. Denn US-Präsident Donald Trump hält seinen Berater in Handelsdingen für einen Visionär.

Peter Navarro dürfte derzeit gute Laune haben: Der ökonomische Außenseiter ist zu einem der einflussreichsten Männer weltweit geworden. Der US-Präsident Donald Trump hört auf ihn und steht kurz davor, Schutzzölle zu verhängen.

Navarro berät Trump in Handelsfragen und vertritt dabei eine radikal merkantilistische Position. Der Ökonom ist bekennender Gegner des Freihandels und davon überzeugt, dass die USA etwa durch China und Deutschland ausgenutzt werden. Handel ist für ihn ein Wettstreit, Außenhandelsüberschüsse sind gleichbedeutend mit nationalem Wohlstand. Wie Trump hat er deshalb Sympathie für Protektionismus.

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Zur Einordnung: Im vergangenen Jahr lag das Handelsdefizit der USA mit China bei rund 375 Milliarden Dollar. Insgesamt betrug es 566 Milliarden Dollar. Navarro und Trump führen das Defizit vor allem auf "unfaire Handelspraktiken" zurück, mit denen andere Länder die USA "ausnutzen".

Navarro gilt in der Ökonomenzunft als Außenseiter. Der 68-Jährige hat an der Elite-Universität Harvard promoviert und lehrte seit 1989 an der University of California in Irvine. Zwischen 1991 und 2001 kandidierte er für die Demokraten vergeblich für drei politische Ämter, unter anderem wollte er Bürgermeister von San Diego werden.

Nicht nur die Ansichten Navarros sind ungewöhnlich. Sein Weg ins Weiße Haus ist es ebenfalls. Einem Bericht von "Vanity Fair" zufolge erläuterte Trump im Wahlkampf seinem Schwiegersohn Jared Kushner, wie er zu China stehe und beauftragte ihn, sich in dieser Richtung umzusehen. Als sich Kushner bei Amazon umschaute, stieß er auf Navarros Buch "Tod durch China". Daraufhin rief Kushner den Ökonomen an und fragte ihn, ob er nicht zu Trumps Team stoßen wolle. Navarro sagte zu.

Gegner wirft das Handtuch

Inwieweit er damals die protektionistische Agenda Trumps mitprägte, lässt sich nicht sagen. In jedem Fall gab sich Trump von Navarro beeindruckt. Dieser habe die "von der Globalisierung verursachten Schäden" für die US-Arbeiterschaft früh vorhergesehen, lobte er den Ökonomen bei dessen Berufung ins Weiße Haus als Handelsberater. Später nannte er ihn einen "Visionär".

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Von Stabschef John Kelly wurde er später Cohn unterstellt, was einer Degradierung gleichkam. Doch vor drei Wochen machte Trump dies laut "Washington Post" rückgängig, indem er Navarro aus dem Cohn-Stab herausholte und in seiner Rolle aufwertete.

Im Weißen Haus scheint Navarro nun freie Hand zu haben, nachdem sein Widersacher Garry Cohn gekündigt hat. Der bisherige Leiter des Wirtschaftsgremiums im Weißen Haus hatte vergeblich versucht, Trump von Schutzzöllen abzubringen

Derzeit preist Navarro in TV-Auftritten Trumps "mutige, harte Entscheidung" zum Schutz der heimischen Produzenten. Vergeltungsmaßnahmen anderer Länder schließt er aus - "aus dem einfachen Grund, dass wir der lukrativste und größte Markt der Welt sind". 

Schon seit längerem macht er mit Kritik an anderen Ländern auf sich aufmerksam, darunter auch Deutschland. Kurz nach Trumps Amtsantritt warf er der Bundesrepublik vor, die USA sowie andere EU-Staaten mittels eines drastisch unterbewerteten Euro "auszubeuten".

"Effizentester Meuchelmörder"

Vor allem zielt Navarro aber in Richtung China. Er ist der Meinung, dass die Volksrepublik die größte Gefahr für die bestehende Weltordnung ist und die alleinige Supermacht werden will. Um die USA zurückzudrängen, würden die Chinesen auch auf ökonomische Mittel zurückgreifen. Navarro bezeichnete die Volksrepublik als den "effizientesten Meuchelmörder des Planeten" und warf Peking vor, "Job-Vernichtungswaffen" gegen die USA einzusetzen - beispielsweise Subventionen und eine künstlich niedrige Währung. "Skrupellose chinesische Unternehmer überfluten die Weltmärkte mit knochenbrechenden, krebserregenden, entflammbaren, giftigen und auf andere Weise tödlichen Produkten, Nahrungsmitteln und Medikamenten", schreibt er in seinem Buch "Tod durch China"

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Navarro sieht in China etwas Hinterhältiges, das den USA Böses will. Exemplarisch zeigt sich das an seinem Dokumentarfilm zum Buch. Dort ist in einer Animation zu sehen, wie sich ein chinesisches Messer in die USA bohrt und dafür sorgt, dass Blut in Strömen fließt. "Helfen Sie, Amerika zu verteidigen und beschützen Sie Ihre Familie - kaufen Sie nicht 'Made in China'", sagt Navarro dort.

Das passt zu dem Narrativ Trumps, dass böswillige Ausländer und inkompetente Vorgängerregierungen für das US-Handelsdefizit gesorgt haben. Der Präsident und sein Berater wollen das Defizit verringern, indem das Land weniger importiert. Ein Mittel dafür sind Zölle, die Einfuhren teurer machen.

Ob diese Maßnahmen allerdings für ein geringeres Handelsdefizit sorgen, wird von den meisten Ökonomen bezweifelt. Unabhängig davon, dass eine Handelsbilanz nichts darüber aussagt, wie es um ein Land bestellt ist: Werden Zölle verhängt, um eine Industrie zu schützen, schadet das in der Regel anderen Branchen. Höhere Preise für Aluminium und Stahl in den USA bedeuten, dass es dort teurer wird, etwa Autos, Hochhäuser, Konservendosen oder Kühlschränke zu produzieren.

2002 hatten die USA Stahl-Zölle erhoben - und sie nach knapp zwei Jahren wieder zurückgenommen. Einer Studie zufolge hatten die von George W. Bush verhängten Maßnahmen in den USA rund 200.000 Jobs gekostet - und damit mehr Arbeitsplätze vernichtet, als damals Menschen in der gesamten US-Stahlindustrie beschäftigt waren.

Doch Trump und Navarro halten an ihren Plänen unbeirrt fest. Am Freitag twitterte der US-Präsident: Handelskriege seien nicht nur gut, sondern auch leicht zu gewinnen.

Quelle: n-tv.de

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