Wirtschaft

Online-Wechselstube für Devisen So machen Urlauber ihr Restgeld flüssig

Gründer Noisternigg hatte in einem Kästchen in der Küche Währungen aus 20 verschiedenen Ländern. Er machte daraus 300 Euro.

Gründer Noisternigg hatte in einem Kästchen in der Küche Währungen aus 20 verschiedenen Ländern. Er machte daraus 300 Euro.

(Foto: REUTERS)

Zurück aus Vietnam, Kenia oder Chile und noch Bares in der Tasche? Dank einer Internet-Tauschbörse muss das restliche Urlaubsgeld nicht mehr in der Schublade versauern. Exotische Währungen gibt es dort womöglich billiger als in Banken und Wechselstuben.

Die Idee hatte Werner Noisternigg schon vor fünf Jahren. Der Programmierer arbeitete damals als digitaler Nomade von unterwegs, reiste in die USA, nach Südostasien und Australien. In den vergangenen 15 Jahren war er in rund 90 Ländern unterwegs. Jedes Mal, wenn er in sein Haus in Salzburg zurückkehrte, brachte er Restgeld mit - Pesos von den Philippinen, Kyat aus Myanmar, Kip aus Laos, Indische Rupien oder Schekel aus Israel. Zu viel, um es in die Spendenboxen des Flughafen zu stecken. Zu wenig, um es bei Banken einzutauschen.

Als Noisternigg 2013 von einer Vietnam-Reise zurückkommt und seine restlichen Dong-Scheine mal wieder in das kleine Kästchen stopft, in dem er über die Jahre sein Urlaubsrestgeld aufbewahrt, kommt ihm der entscheidende Einfall: Für seine Bank sind die exotischen Scheine und Münzen nur Kinkerlitzchen, die sie erst gar nicht annehmen. Für ihn sind sie ein schlummernder Schatz, den er endlich heben will. Also gründet er seine eigene digitale Wechselstube: JoJMoney. Auf seiner Online-Plattform können Reisende ihre Devisenrestbestände mit anderen Nutzern tauschen.

Glaubt man dem 46-Jährigen, hat sie großes Potenzial. Noisternigg schätzt, dass jährlich rund eine Viertelmilliarde Euro in fremden Währungen neu hinzukommt, die ungenutzt in deutschen Haushalten schlummert. Er glaubt, dass sich das auch in Zukunft nicht ändern wird. "Der Reisetrend wird nicht abnehmen", sagt der Gründer zu n-tv.de. Denn dem Tourismus geht es so gut wie schon lange nicht mehr. 2017 verzeichnete die Branche laut Internationaler Tourismus-Börse die höchste Wachstumsrate der vergangenen 20 Jahre.

Ersparnisse locken

Noisternigg geht daher für das kommende Jahr von mehr als 100.000 Nutzern auf seiner Online-Tauschbörse aus. Derzeit sind allerdings gerade mal 900 angemeldet. Der Anreiz mitzumachen ist für Verkäufer größer als für Käufer: Wer von seiner Reise zurückkommt, kann Kleinstbeträge und Münzen von seinem Urlaub einstellen, die Banken nicht eintauschen werden. Die, die vor einer Reise stehen, müssen dagegen viel Geduld mitbringen: Denn sie müssen sich ihre Urlaubsdevisen in vielen Mini-Tranchen zusammenkaufen. Bei einer Bank könnten sie ihr Geld in einem Schwung wechseln.

Dafür locken aber günstige Kurse: Die meisten Verkäufer bieten ihre Restbestände mit einem Abschlag auf den Wechselkurs bei der Bank an. Noisternigg empfiehlt einen Preisvorteil von rund drei Euro je Gebot.

Gebühren fallen in Noisterniggs digitaler Wechselstube kaum an: Die ersten drei Transaktionen kosten gar nichts. Danach zahlt allein der Käufer eine Gebühr von 75 Cent je Tausch. Jeder Verkäufer darf pro Angebot Devisen im Wert von höchstens 100 Dollar (rund 90 Euro) einstellen. So will Noisternigg verhindern, dass seine Plattform zu einem Tauschplatz für zwielichtige Schattengeschäfte oder Geldwäsche wird. Gezahlt wird per Paypal oder Überweisung, der Käufer geht in Vorkasse. Nachdem er die Bezahlung bestätigt hat, gibt JoJMoney seine Adresse frei. Der Verkäufer prüft den Zahlungseingang und schickt dann sein Restgeld per Post an den neuen Besitzer. In welche Länder er verschickt, kann er vorher festlegen.

Dafür, dass der Brief auch wirklich ankommt, haftet Noisternigg nicht - mit dem Versand hat JoJMoney nichts zu tun. Bei Problemen können sich Bieter an die Tauschbörse wenden, sie gibt dann auch die Adresse des Verkäufers zur Kontaktaufnahme frei. "Einen Betrugsfall gab es bisher noch nicht", versichert Noisternigg. Bislang wurden laut seinen Angaben rund 2600 Transaktionen abgewickelt.

Kuna, Franken und US-Dollar lassen sich gut tauschen

Noisternigg hat sein Projekt gemeinsam mit einem befreundeten Programmierer in kürzester Zeit aus dem Boden gestampft. Im Sommer 2017 trafen sich die Gründer zum ersten Mal in Wien. Mit einer niedrigen vierstelligen Summe an Eigenkapital startete das Projekt bereits wenige Monate später. Im Januar ging die Wechselplattform online.

Gängige Währungen wie kroatische Kuna, Schweizer Franken und US-Dollar würden mittlerweile innerhalb weniger Stunden verkauft, sagt Noisternigg. Er habe den Großteil seiner Restbestände in 20 verschiedenen Währungen über die Plattform wieder flüssig gemacht - umgerechnet 300 Euro, die längst nicht alle aus klassischen Urlaubsländern stammten. "Je nachdem, welche Saison und welches Urlaubsland gerade im Trend liegt, gehen einige Währungen besser als andere", sagt Noisternigg.

Für sein Portal hat Noisternigg, der Anfang der 2000er in Österreich bereits ein Startup zur Suchmaschinenoptimierung gründete, große Pläne. In seinem Haus in Salzburg hat er sich ein 60 Quadratmeter großes Büro eingerichtet. Ein Investor aus Kärnten sei kürzlich mit einer sechsstelligen Summe in das Zwei-Mann-Unternehmen eingestiegen. "Das Ganze lässt sich nun auch in größerem Maßstab andenken." Noch ist seine Wechselstube im Internet nur auf Englisch, Deutsch und Italienisch abrufbar. An der Übersetzung auf Spanisch und Französisch wird gerade gewerkelt. Weitere Sprachen sind geplant.

Von seinen weiten Reisen in die Ferne schaut sich Noisternigg heute nur noch Fotos an. Wenn er sieht, wie er damals mit Strohhut und Laptop am Strand saß, erinnert er sich gerne an seine "wilden Zeiten" zurück. Bald will er nochmal nach Griechenland oder mit dem Wohnmobil durch Schottland tingeln. In seinem Kästchen in der Küche liegen inzwischen nur noch einige Kyat aus Myanmar, die er bislang als einzige Währung nicht auf seiner Plattform losbekommen hat. Wenn seine digitale Wechselstube Erfolg haben sollte, sind sie womöglich auch bald weg.

Quelle: n-tv.de


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