Wirtschaft

Dürre setzt Landwirten zu "Regen hilft jetzt auch nichts mehr"

Bauern bei der Getreide- und Rapsernte verzeichnen schon Einbußen zwischen 20 und 50 Prozent.

Bauern bei der Getreide- und Rapsernte verzeichnen schon Einbußen zwischen 20 und 50 Prozent.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die lange Trockenheit führt für viele Bauern zu Ernteeinbußen. Im Interview mit n-tv.de erklärt Bernhard Krüsken vom Deutschen Bauernverband, was Landwirte extremen Temperaturen entgegensetzen können und warum der Regen zu spät kommt.

n-tv.de: Hitze und Trockenheit setzen derzeit deutschen Landwirten zu. Sie rechnen bereits mit erheblichen Ernteeinbußen. Wie ernst ist die Lage?

Bernhard Krüsken: In den betroffenen Gebieten kommt es bereits zu gravierenden Ernteausfällen. Vor allem im Norden, in Ost-Niedersachsen, in den neuen Bundesländern und Nordbayern verzeichnen die Bauern bei der Getreide- und Rapsernte schon Einbußen zwischen 20 und 50 Prozent. An einzelnen Standorten mit leichten Böden gibt es sogar Totalausfälle. Betroffen sind natürlich nicht nur die Ackerflächen, sondern auch Futterflächen.

Welche Konsequenzen hat das?

Damit entgeht den Bauern ein Großteil ihres Ertrages, viele Betriebe verzeichnen einen weitgehenden Umsatzausfall. Rinderhaltende Betriebe bekommen jetzt Probleme mit der Futterversorgung. Rund um Berlin bis an die Ostseeküste hinauf haben schon vor zwei bis drei Wochen die ersten Betriebe ihre vorzeitig gehäckselten Getreidebestände an ihr Vieh verfüttert.

Ist die aktuelle Hitzewelle eine Ausnahme oder müssen sich Bauern auf immer extremere Bedingungen einstellen?

Bernhard Krüsken ist Generalsekretär beim Deutschen Bauernverband.

Bernhard Krüsken ist Generalsekretär beim Deutschen Bauernverband.

(Foto: Gero Breloer für DBV.)

Ja. Das ist definitiv die Lehre aus den zurückliegenden Jahren. Das, was wir hier sehen, ist Klimawandel live. Frühjahrs- und Frühsommertrockenheit hat es in den Regionen auch früher schon gegeben, aber nicht in diesem Ausmaß. Und die Trockenheit ist nicht das einzige Extremwetterereignis, das immer häufiger auftritt. Starkregen, Hagelschäden oder später Frosteinbruch nehmen auch zu.

Für die kommenden Tage ist Regen angesagt. Bringt der Wetterumschwung die erhoffte Erlösung?

Das kommt drauf an. Wenn es in zwei Stunden wieder so viel regnet, wie sonst nur in einem ganzen Quartal, dann schadet Regen natürlich mehr als er nützt. Für Getreide und Raps ist es bereits zu spät. Da hilft der Regen jetzt auch nichts mehr. Die Ernte läuft und der Schaden ist eingetreten. Bei Mais und Zuckerrüben besteht noch die Möglichkeit, dass ein Teil der entstandenen Verluste wieder aufgeholt wird. Dann müssen die Bestände aber auch gut in den Herbst kommen. Allerdings wird das nicht für eine normale Ernte reichen.

Wie können sich Bauern besser vorbereiten?

Landwirtschaft kann einiges gegen den Klimawandel unternehmen. Wir betrachten uns als Teil der Lösung. Nachwachsende Rohstoffe, Energie aus Biomasse und CO2-Festlegung sind hier die Stichworte. Mit der Sortenwahl und Fruchtfolge können Bauern sich in geringem Umfang auf das veränderte Klima einstellen. Wir wollen den Betrieben aber auch ökonomische Instrumente an die Hand geben, um mit diesen Risiken umgehen zu können. Auf der einen Seiten sind das Versicherungslösungen und auf der anderen steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten. Auch jetzt schon kann ein Betrieb in guten Jahren für schlechte Zeiten Rücklagen bilden. Die müssen aber bisher versteuert werden. Das muss sich ändern.

Was bedeutet die Hitzewelle für die Verbraucher?

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Diese Hitzewelle wird nicht das letzte Extremwetterereignis gewesen sein. Es wird immer wieder vorkommen, dass die eine oder andere Ackerkultur stark betroffen ist. Ob es Getreide, Erdbeeren oder Äpfel sind, wird der Verbraucher spüren. Zu einer Versorgungsknappheit wird es aber dank internationalisierter und globalisierter Märkte nicht kommen. Knappheiten erzeugen sicherlich hohe Preise, in der Regel kommen diese aber nur in sehr abgeschwächter Form beim Verbraucher an.

Was kann der Staat tun, um den Landwirten zu helfen?

Landwirten würde es kurzfristig helfen, wenn die sogenannten "Greening-Flächen", die eigentlich nicht dafür vorgesehen sind, ihr Vieh darauf weiden zu lassen, zur Futternutzung herangezogen werden könnten. Und zwar ohne dafür auf die Prämie verzichten zu müssen.

Und das würde ausreichen?

Nein. Natürlich sind das nur Tropfen auf den heißen Stein. Wir sind mit den Bundesbehörden über Dürrehilfen für diejenigen Betriebe im Gespräch, die jetzt wirklich in ihrer Existenz gefährdet sind.

Aber die Bundesregierung sieht vorerst keinen Grund, den Bauern finanziell unter die Arme zu greifen.

Vorerst - das ist keine Absage. Dürrehilfen werden erst dann gezahlt, wenn der Schaden ermittelt ist. Das können die meisten Landwirte jetzt noch nicht nachweisen. Deswegen ist die Entscheidung der Bundesregierung nachvollziehbar. Ist der Schaden allerdings festgestellt, muss dann auch die Hilfe kommen.

Mit Bernhard Krüsken sprach Juliane Kipper

Quelle: n-tv.de


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