Wirtschaft

2018 vier statt drei Erhöhungen Notenbank Fed hebt Leitzins an

Die Fed hebt zum zweiten Mal inm Jahr 2018 die Zinsen an.

Die Fed hebt zum zweiten Mal inm Jahr 2018 die Zinsen an.

(Foto: REUTERS)

Die US-Notenbank hebt die Zinsen erneut an. Der Leitzins steigt auf die neue Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent. Die Fed reagiert damit auf den anhaltenden Wirtschaftsaufschwung in den USA, der durch die Steuerreform von Präsident Trump noch befeuert werden könnte.

Die US-Notenbank Fed strafft erneut die Zügel. Sie hob den Leitzins zum zweiten Mal in diesem Jahr an - auf die neue Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent. Zuletzt hatte es vor zehn Jahren und damit noch vor dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise eine Zwei vor dem Komma gegeben. An den Finanzmärkten war die Anhebung nach entsprechenden Signalen von Fed-Führungsmitgliedern erwartet worden.

Mit der Leitzinserhöhung steigen zunächst die Kosten für Geld, das Banken sich über Nacht untereinander leihen. Doch dadurch werden tendenziell auch Kredite für Unternehmen und Verbraucher teurer. So kann die Notenbank die brummende Konjunktur bremsen und einer möglicherweise drohenden Überhitzung der Wirtschaft entgegenwirken.

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Die Notenbank hatte bereits im März den ersten Schritt nach oben in diesem Jahr gewagt. In ihrem Ausblick signalisierten die Währungshüter nun, 2018 noch zwei Mal nachlegen zu wollen. Sie reagieren damit auf den anhaltenden Wirtschaftsaufschwung in den USA, der durch die radikale Steuerreform von Präsident Donald Trump zusätzlich befeuert werden könnte.

Vier statt drei Zinserhöhungen

Der bisherige Fahrplan der Notenbank sah nur drei Zinssteigerungen im Jahresverlauf vor - eine Aussage der Fed dazu, dass sich daran etwas ändern könnte, war von den Experten zum jetzigen Zeitpunkt nicht unbedingt erwartet worden. In der Vorausschau, welche die Zentralbank zusammen mit ihrem Zinsbeschluss veröffentlichte, ist von einem Durchschnittszins von 2,4 Prozent zum Jahresende die Rede, statt den bislang vorhergesagten 2,1 Prozent. Dies deutet auf zwei weitere Zinssteigerungen bis Dezember hin.

Bis Ende 2019 wiederum sieht die Fed die Durchschnittsrate laut dieser provisorischen Vorausplanung bei 3,1 Prozent, statt den bisherigen 2,9 Prozent. Dies wiederum zeigt an, dass es im kommenden Jahr ebenfalls vier - statt der bislang geplanten drei - Zinsanhebungen geben könnte.

Das anvisierte höhere Tempo der Zinssteigerungen deutet möglicherweise darauf hin, dass die Fed eine Beschleunigung der US-Inflation fürchtet. Zinssteigerungen sind das Instrument der Notenbanken, um die Preissteigerung im Zaum zu halten. Derzeit liegt die US-Inflation bei zwei Prozent - und damit dem Wert, den die Notenbank am günstigsten für die Preisstabilität und den Arbeitsmarkt hält.

Doch beschrieb die Fed das Zwei-Prozent-Inflationsziel als "symmetrisch" - die Formel deutet darauf hin, dass die Notenbank es für akzeptabel hält, wenn die Preissteigerung leicht über die Zwei-Prozent-Marke hinausgeht. Konkret sagte die Fed voraus, dass die US-Inflationsrate am Jahresende bei 2,1 Prozent liegen und bis 2020 auf diesem Niveau verharren wird.

Zugleich verbesserte die Notenbank ihre Bewertung der US-Konjunktur. Sie beschrieb das Wachstum nun als "stark", statt wie bisher als "moderat". Sie machte damit deutlich, dass die US-Wirtschaft aus ihrer Sicht robust genug wächst, um die weiteren anvisierten Zinserhöhungsschritte wegstecken zu können.

Arbeitslosigkeit sehr niedrig, Inflation bei zwei Prozent

Die Fed erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA in diesem Jahr um 2,8 Prozent wachsen wird. Dies ist eine leichte Anhebung der bisherigen Prognose, die bei 2,7 Prozent lag. Die Prognosen für die beiden kommenden Jahr ließ die Notenbank unverändert bei 2,4 beziehungsweise 2,0 Prozent.

Der Beschluss für die Zinserhöhung fiel einstimmig. Steuersenkungen und höhere Staatsausgaben sorgen in den USA für eine steigende Nachfrage, sodass die Arbeitslosigkeit im Mai auf ein 18-Jahrestief von 3,8 Prozent gefallen ist. Die Inflation, die nach der Rezession 2008 lange Zeit schleppend verlief, hat sich in den vergangenen Monaten belebt und jetzt endlich das Fed-Ziel von 2 Prozent erreicht.

Nach der Finanzkrise des Jahres 2008 hatte die Fed den Leitzins jahrelang fast auf Nullniveau gehalten. Diesen Kurs beendete sie erst im Dezember 2015. In ihrer Zinspolitik blieb sie aber auch seither überaus vorsichtig, da zu starke Erhöhungen einen konjunkturbremsenden Effekt haben können.

Ökonom Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank wies daraufhin, dass die Fed nicht mehr weit von einem neutralen Zinsniveau entfernt ist: "Das heißt: Geht der Leitzins darüber hinaus, wirkt die Geldpolitik restriktiv und dämpft das Wachstum." Um die Investoren auf den zunehmend strafferen Kurs vorzubereiten, strich die Fed eine Passage aus ihrem Text. Darin hatte sie für "geraume Zeit" ein konjunkturförderndes Zinsniveau signalisiert. Die Zinsen der US-Staatsanleihen stiegen unmittelbar nach der Bekanntgabe der Entscheidung.

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Quelle: n-tv.de , vpe/sgu/dpa/dj/rts

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