Wirtschaft

Wandel des Bezahlverhaltens Geldautomaten verschwinden langsam

Seit 2015 sinkt die Zahl der Geldautomaten in Deutschland.

Seit 2015 sinkt die Zahl der Geldautomaten in Deutschland.

(Foto: dpa)

Noch ist der Geldautomat ein unverzichtbarer Begleiter im Alltag. Doch hohe Betriebskosten, die Digitalisierung und Kriminelle sorgen dafür, dass die Zahl der Geräte unaufhaltsam sinkt. Wie die Zukunft aussieht, zeigt ein Blick nach China.

Der Geldautomat verliert im deutschen Alltagsleben langsam, aber unaufhaltsam an Bedeutung. Nachdem die Banken über Jahrzehnte mehrere tausend neue Geräte pro Jahr installiert haben, sind die Zahlen zuletzt geschrumpft. Nach Angaben der Deutschen Kreditwirtschaft - des Dachverbands der deutschen Banken - gab es Ende 2017 noch knapp 58.400 Geldautomaten in Deutschland. Der Höhepunkt sei 2015 mit 61.100 Maschinen überschritten worden.

Ursachen sind Digitalisierung und Kostendruck. "Wir haben die Daumenregel, dass das Betreiben eines Geldautomaten in etwa zwischen 20.000 und 25.000 Euro im Jahr kostet", sagt Jürgen Gros, Chef des Bayerischen Genossenschaftsverbands, zu dem die Volks- und Raiffeisenbanken gehören. "Das muss auch verdient werden. Dauerhaft ist Zuschießen kein Geschäftsmodell." Damit ist der jahrzehntelange Siegeszug einer Maschine beendet, die aus dem Alltag noch nicht wegzudenken ist.

Wendepunkt 2015

Der erste deutsche Geldautomat ging 1968 in Tübingen in Betrieb, 1994 waren es dann bundesweit 29.400. Bis 2015 verdoppelte sich die Zahl, doch allein von 2016 auf 2017 wurden 1600 Automaten wieder abgebaut. Das heißt jedoch keineswegs, dass es inzwischen weniger Gelegenheiten zum Geldabheben geben würde. Die Automaten verlieren an Bedeutung, weil einerseits der Onlinehandel blüht und andererseits immer mehr Angebote gibt, Geld an der Ladenkasse abzuheben.

Zuletzt haben Kriminelle Anfang April im rheinland-pfälzischen Ludwigshafen einen Geldautomaten im Vorraum einer Bank gesprengt.

Zuletzt haben Kriminelle Anfang April im rheinland-pfälzischen Ludwigshafen einen Geldautomaten im Vorraum einer Bank gesprengt.

(Foto: dpa)

Auch das dürfte aber nur eine vorübergehende Erscheinung sein. Der Münchner Bezahldienstleister Wirecard glaubt, dass in absehbarer Zukunft die komplette Infrastruktur des Bezahlens über das Handy organisiert wird. Für Einzelhändler sei Barzahlung mit Kosten verbunden - allein deswegen, weil die Einnahmen zur Bank befördert werden müssen.

Anders als in Deutschland ist Zahlen per App in China bereits Alltag - eine Entwicklung, die sich nach Einschätzung vieler Fachleute auch hierzulande verbreiten wird. "Einzelhändler rechnen durch den Service mit einem Mehreinkauf an Waren und reduzieren nebenher den Bargeldbestand in den Kassen, der mit erheblichen Kosten verbunden ist", sagt Markus Eichinger von Wirecard. "Zwar finden heutzutage weltweit immer noch rund 85 Prozent aller Transaktionen unter Verwendung von Bargeld statt, doch das Potenzial für hiesige, rein digitale Payment-Lösungen wie boon, Orange Cash oder Allianz Prime ist sehr groß."

Nicht nur hohe Betriebskosten und der technische Fortschritt haben ihren Anteil daran, dass Banken allmählich die Lust am Automaten vergeht, sondern auch Kriminelle. "Die Anschläge auf Geldautomaten treiben die Kosten für die Versicherungen beziehungsweise für die Wiederinstandsetzung der Geräte und der gegebenenfalls zerstörten Umgebung tendenziell in die Höhe", sagt ein Sprecher der Deutschen Kreditwirtschaft in Berlin. Ganz verschwinden würden die Automaten nach Einschätzung der Banken in absehbarer Zeit nicht, doch erwarte die Branche einen weiteren Rückgang: "Die deutsche Kreditwirtschaft geht davon aus, dass die Zahl der Geldautomaten in den kommenden Jahren weiterhin leicht rückläufig sein wird."

Quelle: n-tv.de , chr/dpa

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