Wirtschaft

Steuertricks von Facebook & Co. Deutschland ist großer Steuerverlierer

Auf den Bermuda-Inseln verbuchte beispielsweise eine Briefkastengesellschaft von Google ohne nennenswerte Geschäftsaktivitäten einen Gewinn von 16 Milliarden Dollar. Steuerersparnis: geschätzt 3 Milliarden Dollar.

Auf den Bermuda-Inseln verbuchte beispielsweise eine Briefkastengesellschaft von Google ohne nennenswerte Geschäftsaktivitäten einen Gewinn von 16 Milliarden Dollar. Steuerersparnis: geschätzt 3 Milliarden Dollar.

(Foto: imago/robertharding)

Wie internationale Konzerne Gewinne in Steueroasen verlagern, ist bekannt. Ökonomen beziffern nun das Ausmaß dieser Praxis genauer, als es bisher möglich war. Kein Land verliert demnach einen so großen Teil seiner Unternehmenssteuern wie Deutschland.

Internationale Konzerne haben im Jahr 2015 weltweit mehr als 600 Milliarden Dollar Gewinne in Steueroasen verschoben. Das sind rund 40 Prozent ihres gesamten Profits. Eines der Länder, dem durch diese Praxis am meisten Steuereinnahmen entgehen, ist Deutschland. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Ökonomen Gabriel Zucman von der US-Universität Berkley.

Zucman und seine Kollegen griffen für die Studie "Die fehlenden Gewinne der Nationen" erstmals auf Datenbanken des Internationalen Währungsfonds und der Industrieländerorganisation OECD zurück, die Unternehmens- und Steuerdaten auch aus vielen Steueroasen enthalten. Daher können sie das Ausmaß der lange bekannten Praxis der Verlagerung von Gewinnen genauer beziffern, als das bisher möglich war.

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Die Forscher zeigen, dass Unternehmen - einheimische wie ausländische - in Industrieländern wie Deutschland oder Frankreich Gewinne von 20 bis 40 Prozent ihrer Lohnsumme verbuchen. In Irland beträgt diese Quote für ausländische Konzerne 800 Prozent, in Puerto Rico fast 1700 Prozent. Die Erklärung dafür ist, dass die internationalen Unternehmen in diesen Steueroasen kaum oder gar keine wirtschaftliche Aktivitäten - und entsprechend wenige Angestellte - haben, aber aus steuerlichen Gründen möglichst viel ihrer Gewinne dort verbuchen. Zu den Buchungstricks gehört etwa, Patente an Konzerntöchter in Steueroasen zu übertragen und andere Unternehmensteile hohe Gebühren für deren Nutzung zahlen zu lassen. Damit kann ein Teil des Gewinns von der Produktion oder dem Vertrieb in die teils nur auf dem Papier existierenden Einheiten im Niedrigsteuerland verlagert werden.

55 Milliarden Dollar der 2015 in Deutschland erwirtschafteten Gewinne wurden den Berechnungen zufolge in Steueroasen verschoben. Dadurch verlor der Fiskus 28 Prozent der ohne solche Rechentricks anfallenden Unternehmenssteuereinnahmen. Größter Verlierer in absoluten Zahlen sind die USA: 142 Milliarden Dollar dort erwirtschafteter Profite wurden in Steueroasen verbucht.

Steuern senken bringt nichts

Profiteure sind Zucman zufolge keineswegs nur Orte wie die Bermudas, karibische Inselstaaten oder Hongkong. Den größten Zufluss durch die Buchungstricks von Apple, Facebook & Co. verzeichnet das EU-Mitglied Irland. Aber auch in Malta, den Niederlanden, Luxemburg und Belgien verbuchen ausländische Unternehmen weit größere Gewinne, als durch ihre wirtschaftliche Tätigkeit vor Ort zu erklären ist.

Das gesamte Ausmaß der Gewinnverlagerungen ist den Autoren zufolge so groß, dass es die offiziellen Statistiken zur Wirtschaftsleistung und zum Außenhandel vieler Staaten verzerrt. Unter anderem wäre der Handelsüberschuss Deutschlands ohne diese Praxis deutlich größer, das Außenhandelsdefizit der USA kleiner.

Die Wissenschaftler betonen in ihrer Studie, dass es sich um eine vorsichtige Schätzung handele. Das Ausmaß der Gewinnverlagerungen dürfte in Wirklichkeit sogar noch etwas größer sein, da trotz der neuen Datenbanken zu einigen Steueroasen immer noch keine vollständigen Angaben vorliegen. Die Autoren kritisieren nicht nur die Regierungen der Steueroasen. Ein Fehler der von der Steuerflucht betroffenen Staaten sei, das Phänomen durch drastische Senkung der eigenen Unternehmenssteuern eindämmen zu wollen. Das habe allerdings in der Vergangenheit nicht die gewünschte Wirkung gezeigt, sondern im Gegenteil den internationalen Steuerwettbewerb immer weiter angeheizt.  

Quelle: n-tv.de

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