Wirtschaft

Wirtschaft unter Volldampf Deutschland erhöht Wachstumstempo

Neuwagen warten am VW-Werk Emden auf ihre Auslieferung.

Neuwagen warten am VW-Werk Emden auf ihre Auslieferung.

(Foto: picture alliance / Ingo Wagner/d)

Die deutsche Wirtschaft brummt: Im dritten Quartal steigt das Bruttoinlandsprodukt um 0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Impulse kommen vor allem vom internationalen Handel. Die Verbraucher bleiben in Kauflaune.

Beflügelt vom Außenhandel und von steigenden Investitionen vieler Unternehmen hat die deutsche Wirtschaft ihr Wachstumstempo im dritten Quartal erhöht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei um 0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt mit. Im zweiten Vierteljahr war die deutsche Wirtschaft noch um 0,6 Prozent gewachsen. Zum Jahresbeginn legte das BIP nach korrigierten Zahlen um 0,9 Prozent zu.

Impulse kamen in den Sommermonaten Juli bis September nach Angaben der Statistiker unter anderem vom internationalen Handel, der von der Erholung der Weltwirtschaft profitierte. Die Exporte legten im dritten Quartal stärker zu als die Importe. Auch die Investitionen der Firmen in Ausrüstungen wie Maschinen schoben die Konjunktur an. Die Unternehmen waren laut dem Ifo-Institut zuletzt so zuversichtlich wie nie zuvor. "Die Stimmung in den deutschen Chefetagen hat ein neues Allzeithoch erreicht", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest jüngst. "Die deutsche Wirtschaft steht unter Volldampf."

Die staatlichen und privaten Konsumausgaben lagen den Angaben zufolge dagegen in etwa auf dem Niveau des Vorquartals. Die Verbraucher sind angesichts der historisch günstigen Lage auf dem Arbeitsmarkt und der Zinsflaute zwar weiter in Kauflaune. Zuletzt hatte allerdings nach Angaben der GfK-Konsumforscher der Anstieg der Inflation die Stimmung etwas gedämpft.

Nach Einschätzung von Ökonomen wird sich der ungewöhnlich lange Aufschwung in Europas größter Volkswirtschaft in der nächsten Zeit fortsetzen. So trauen beispielsweise die Wirtschaftsweisen Deutschland 2017 ein Wachstum von 2,0 Prozent und im kommenden Jahr von 2,2 Prozent zu.

"Höchste Wachstumsrate seit 2011"

Auch zahlreiche Banken blicken positiv auf die Zukunft.  "Der XXL-Aufschwung geht ohne Zucken weiter", meint Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe. "Allerdings dürften sich in den nächsten Monaten Kapazitätsengpässe zeigen. Ich glaube nicht, dass wir den Schwung so halten können." Bei den BIP-Prognosen für das Gesamtjahr dürfte es jetzt zu einer "Anhebungswelle" kommen, für das gesamte Jahr zeichne sich eine Wachstumsrate von 2,2 Prozent ab. Derzeit prognostizieren die meisten Institute noch Zuwachsraten von höchstens 2 Prozent, viele auch darunter.

"Die deutsche Wirtschaft setzt ihren goldenen Zyklus fort", urteilt ING-Bank-Chefökonom Carsten Brzeski. "Selbst wenn die Wirtschaft im vierten Quartal stagnieren würde, ergäbe sich für das Gesamtjahr ein Wachstum von 2,4 Prozent, die höchste Wachstumsrate seit dem Jahr 2011." Es gebe kaum Anzeichen, dass der Aufschwung plötzlich einbrechen könnte. Die niedrigen Zinsen dürften weiter den Bausektor, den Privatkonsum und die Investitionen stützen. Fehlentwicklungen unter der Oberfläche

Etwas skeptischer blickt Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank, auf die fulminanten Daten: "Die Stärke des Aufschwungs zeigt sich auch daran, dass sich bei den Ausrüstungsinvestitionen ein zweiter Frühling abzeichnet, obwohl die Gewinnmargen zuletzt gefallen sind. Die deutsche Wirtschaft dürfte noch zwei, drei Jahre stark wachsen, auch wenn es unter der Oberfläche zunehmend zu Fehlentwicklungen kommt."

Quelle: n-tv.de , chr/dpa/DJ

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