Wirtschaft

"Checken den gesamten Konzern" Deutsche Bank bestätigt EZB-Prüfung

Sonderprüfung bei der Deutschen Bank: "Das steht in keinem Zusammenhang mit irgendeiner Staatshilfe."

Sonderprüfung bei der Deutschen Bank: "Das steht in keinem Zusammenhang mit irgendeiner Staatshilfe."

(Foto: dpa)

Im Innern des größten deutschen Geldhauses müssen Bilanzexperten Überstunden schieben: Auf Anweisung der Aufseher lässt der Finanzvorstand der Deutschen Bank "Produkt um Produkt" einzeln analysieren. Durchgerechnet werden hypothetische Einschnitte.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Deutsche Bank aufgefordert, in einer Modellrechnung die Abwicklung ihres Handelsgeschäfts zu simulieren. Deutsche-Bank-Finanzchef James von Moltke bestätigte die Sonderprüfung. "So wie wir das verstehen, sind wir die erste Bank, die das für die EZB tun soll", sagte er. Es gehe um ein hypothetisches Szenario, wie es öfter von den Aufsichtsbehörden abgefragt würde. "Wir haben darin bereits Erfahrungen mit den Aufsehern in Großbritannien."

Als Finanzkonzern mit der größten Investmentsparte unter EZB-Aufsicht sei es nachvollziehbar, dass die Notenbank mit der Überprüfung bei den Frankfurtern begonnen habe, erklärte von Moltke. Mit dem intern vor ein paar Wochen begonnenen Projekt "Colombo", bei dem die Frankfurter selbst prüfen, von welchen Aktivitäten und regionalen Einheiten ihrer Investmentbank sie sich womöglich trennen könnte, habe die Simulation nichts zu tun, sagte er.

"Darum geht es hier nicht"

"Wir machen das für den gesamten Konzern und checken alle Handelsaktivitäten rund um die Welt", betonte er. "Konkret analysieren wir Produkt um Produkt." Von der EZB gab es keine Erläuterungen zum Vorgehen bei der Deutschen Bank. Eine Sprecherin erklärte lediglich, die Notenbank äußere sich nicht zu einzelnen Banken. Die Aufforderung der EZB an die Deutsche Bank sei Ende Januar erfolgt, sagte von Moltke. Bis zum Abschluss des Checks werde "noch einige Zeit" vergehen. Ergebnisse seien noch nicht absehbar.

Über die EZB-Prüfung bei der Deutschen Bank hatte zuerst die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Von Moltke widersprach allerdings der Darstellung der SZ, wonach der Check auch Aufschluss darüber geben dürfte, ob die Bank aus dem Investmentbanking aussteigen könnte, ohne Staatsgarantien oder Steuergeld in Anspruch zu nehmen: "Das steht in keinem Zusammenhang mit irgendeiner Staatshilfe. Darum geht es hier nicht." Dem SZ-Bericht zufolge sollen demnächst weitere Euro-Großbanken eine Teil-Abwicklung wichtiger Geschäftsbereiche simulieren.

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Systemrelevante Großbank

Die Deutsche Bank hatte vor gut einer Woche überraschend ihren Chef ausgetauscht: Auf John Cryan folgt Christian Sewing, der bislang das Privatkundengeschäft führte. Das Institut steht seit geraumer Zeit unter Druck, vor allem die Geschäfte im Investmentbanking laufen schleppend. Zuletzt war immer wieder spekuliert worden, die Deutsche Bank könne sich von einem Teil dieser kapitalintensiven Geschäfte trennen, weil sie im Vergleich zu den großen Wall-Street-Banken abgeschlagen hinten liegt. Das Frankfurter Institut gilt als traditionell stark im Anleihen- und Devisenhandel, hat in den zurückliegenden Jahren aber kräftig Federn lassen müssen.

Als Großbank von Weltrang wird die Deutsche Bank direkt von der EZB beaufsichtigt. Als global wichtiger Spieler muss Deutschlands einflussreichstes privates Kreditinstitut deutlich höhere Anforderungen erfüllen, etwa in puncto Kapitalausstattung, als kleinere und weniger stark im Weltfinanzsystem vernetzte Institute.

Bedeutende Banken müssen den Aufsehern zudem Pläne vorlegen, aus denen hervorgeht, wie sie im Krisenfall abgewickelt werden können - möglichst ohne, dass der Staat dafür einspringt. Derzeit arbeiten die weltweiten Aufseher daran, einheitliche Regeln für solche Checks zu erarbeiten, wie sie die EZB gerade bei der Deutschen Bank durchführt. Im Blickfeld stehen vor allem große global aktive Banken, die im Investmentbanking und vor allem im Wertpapier- und Derivatehandel stark sind.

Diese Bereiche gelten als besonders riskant, weil Geschäfte mit Derivaten und verbrieften Papieren als einer der Auslöser der Finanzkrise ab 2007/08 gelten. Die Deutsche Bank passt als erste Kandidatin in dieser Prüfung besonders gut, weil sie viele als riskant geltende Derivate in ihren Büchern hält.

Quelle: n-tv.de , mmo/rts

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