Wirtschaft

Zeit der Animositäten vorbei? Cryan trifft Chef des Hauptaktionärs

John Cryan hatte HNA zuvor kritisiert.

John Cryan hatte HNA zuvor kritisiert.

(Foto: imago/Hannelore Förster)

Lange Zeit hat Deutsche-Bank-Chef Cryan den HNA-Boss Tan nicht sprechen wollen. Doch nun scheint das Eis zwischen ihm und dem Chinesen gebrochen. Tan sichert Cryan in einem Gespräch auch gleich seine Unterstützung zu.

Zwischen der Deutschen Bank und ihrem größten Aktionär, dem chinesischen Mischkonzern HNA, ist Tauwetter angesagt. Deutsche-Bank-Chef John Cryan hat sich in der vergangenen Woche laut Kreisen mit HNA-CEO Adam Tan getroffen. Das Treffen war das erste zwischen den beiden Managern, wie Insider sagten. Einen Monat zuvor hatte das Wall Street Journal darüber berichtet, Cryan wolle mit HNA nichts zu tun haben und zeige dem Großaktionär die kalte Schulter.

"Wir sprechen mit unseren Aktionären, nicht über unsere Aktionäre", sagte eine Sprecherin der Deutschen Bank. Ein Sprecher der HNA Group wollte sich nicht dazu äußern, auch ein Sprecher des Vertreters von HNA im Aufsichtsrat der Bank, Alexander Schütz, lehnte eine Stellungnahme ab.

Zuvor hatte Cryans Kritik an HNA zu Spannungen mit dem Aufsichtsratschef der Bank, Paul Achleitner, geführt, der bei HNA in diesem Jahr für eine Beteiligung an der 8,5 Milliarden US-Dollar schweren Kapitalerhöhung der Deutschen Bank geworben hatte, wie Informanten dem Wall Street Journal sagten.

HNA hatte seine Beteiligung im Zuge der Kapitalerhöhung aufgestockt und im Mai einen Anteil von fast 10 Prozent bekannt gegeben. Manager und Investoren der Deutschen Bank sahen die Kapitalerhöhung nach einer Reihe von hohe Rechtskosten und Kundenzweifeln an der Finanzstabilität der Bank als wichtigen Schritt.

Deutsche Bank als attraktive Investition

Hinter den Kulissen kritisierte Cryan HNA laut den Informanten auch deshalb, weil der chinesische Konzern Milliarden von US-Dollar geliehen hatte, um seine Beteiligung zu finanzieren und sich selbst durch die Nutzung von Derivaten gegen Verlust abgesichert hatte. Cryan betrachte diese Struktur als spekulativ.

In der vorvergangenen Woche hatten Achleitner und andere erfolglos versucht, Cryan und Tan zusammenzubringen. Ein Sprecher der Deutschen Bank hatte im Oktober zwar bestätigt, dass Cryan Tan bislang noch nicht getroffen habe. Cryan werde das Gespräch mit Tan aber natürlich noch führen, beteuerte er. Ein HNA-Sprecher hatte erklärt, der chinesische Mischkonzern sehe die Bank als attraktive Investition und sei deren langfristigem Erfolg verpflichtet.

Bei dem Treffen mit Cryan habe Tan seine Unterstützung für den Deutsche-Bank-Chef und die grundsätzliche Strategie der Bank zum Ausdruck gebracht, sagte eine der informierten Personen. Gleichzeitig habe Tan eingeräumt, dass die Bank vor ernsthaften Herausforderungen stehe.

Tan habe angedeutet, dass sein Unternehmen der Deutschen Bank in China mit Kontakten und Kenntnissen helfen könne. Das Treffen habe eine Diskussion über die Möglichkeit angeregt, dass die Bank im kommenden Jahr eine Aufsichtsratssitzung in China abhalten könne. Die könne dazu beitragen, zu zeigen, dass die Manager und AR-Mitglieder der Deutschen Bank HNA als Aktionär schätzten, sagte eine mit den Gesprächen vertraute Person.

Quelle: n-tv.de , wne/DJ

Mehr zum Thema