Wirtschaft

Einstieg ins TV-Geschäft Apple will Netflix nicht übernehmen

Apple will etwas vom Kuchen der Videostreamingdienste abhaben und plant, eine Milliarde Dollar in Eigenproduktionen zu investieren.

Apple will etwas vom Kuchen der Videostreamingdienste abhaben und plant, eine Milliarde Dollar in Eigenproduktionen zu investieren.

(Foto: picture alliance / dpa)

Apple sitzt auf 285 Milliarden Dollar Bargeld - mehr als genug, um einen Streaming-Dienst wie Netflix zu schlucken. Doch von einer Übernahme will der iPhone-Riese nichts wissen.

iPhone, iPad oder iMac - Apple ist vor allem für seine Hardware bekannt. Gleichzeitig werden eigene Inhalte und Dienstleistungen für den Konzern immer wichtiger. Apples Vize-Chef Eddy Cue hat auf einer Konferenz in Texas angekündigt, im TV-Geschäft "voll dabei" sein zu wollen. Branchenkenner spekulieren bereits seit längerem, dass der Konzern bald Netflix übernehmen könnte. Doch dem erteilt Cue nun eine klare Absage.

"Es geht nicht ums Geld. Es geht darum, die richtige Investition zu finden", sagt Cue. Statt wahllos Großunternehmen zu schlucken, wolle der Konzern in Startups investieren, die sich darauf spezialisieren, wie Menschen in Zukunft Medien konsumieren. "Wir denken, es gibt immer Wege und Technologien, um die Seherfahrung der Zuschauer weiter zu verbessern."

Zu dieser Strategie passt auch die aktuelle Übernahme von "Texture". "Texture" ist ein Abo-Dienstleister für Digitalmagazine und wird deshalb gern als "Netflix für Zeitschriften" bezeichnet . Die Texture-App gewährt den Nutzern für knapp 10 Dollar im Monat Zugang zu über 200 Magazinen wie "People", "Newsweek" und "Sports Illustrated".

Apple könnte Netflix-Übernahme finanziell stemmen

Mit dem Zukauf bleibt Apple seiner Strategie treu, kleinere Startups wie Beats oder Siri aufzukaufen. Mit Google liefert sich der iPhone-Hersteller einen regelrechten Wettlauf um die zukunftsträchtigsten Startups.

Schließlich schwimmt Apple im Geld. 285 Milliarden Dollar hat der Technikriese auf der hohen Kante und ist mit 900 Milliarden Dollar der wertvollste Konzern der Welt. Netflix ist 140 Milliarden Dollar wert. Eine Übernahme könnte Apple also locker stemmen. Damit wäre der Konzern auf einen Schlag die Nummer 1 im Videostreaming-Markt.

Zudem sind eigene Inhalte wie von Netflix eine gute Möglichkeit, Kunden exklusiv an sich zu binden. Und ganz nebenbei lassen sich mit Videostreamingdiensten auch noch Milliarden verdienen. Doch der Deal passt laut Apple-Vizechef Cue angeblich nicht in Apples Unternehmensstrategie.

Apple plant Angriff auf Netflix und Amazon

Trotzdem will Cue den Zukunftsmarkt nicht der Konkurrenz überlassen. Erst vor wenigen Monaten hatte Apple angekündigt, ins Geschäft mit eigenproduzierten Fernsehserien einzusteigen. Der Technologie-Riese will eine Milliarde Dollar investieren und bläst damit zum Angriff auf Netflix und Amazon Prime. Dass es Apple sogar gelang, mit Zack Van Amburg und Jamie Erlicht Sony-Manager mit Hollywood-Erfahrung anzuwerben, zeigt, wie wichtig dem Konzern seine TV-Ambitionen sind. Im Gegensatz zu Netflix gehe es Apple jedoch nicht um Quantität, sondern um Qualität. "Wir versuchen nicht, die meisten Smartphones der Welt zu verkaufen, sondern die besten. Wichtig ist das Erzählen von guten Geschichten", sagt Eddy Cue.

Im Musikgeschäft ist Apple zwar erfolgreich: Apple Music hat 38 Millionen zahlende Abonnenten. Aber im Videosegment spielt Apple de facto keine Rolle. Sein Filmportal hat in den vergangenen Jahr Marktanteile verloren, weil Nutzer sich nicht mehr einzelne Filme kaufen, sondern immer mehr Streaming-Angebote wie Netflix nutzen.

Mit der Milliardeninvestition will Apple wieder aufholen. "Wir hoffen, dass wir ein paar schöne, hochqualitative Sachen herausbringen. Wir haben ein paar Überraschungen", kündigt Apple-Vize Cue an: Eine Sitcom mit Reese Witherspoon und Jennifer Aniston sowie eine von Steven Spielberg produzierte Serie sind in der Pipeline. Gerüchten zufolge soll Apple auch an der von Barack Obama produzierten Serie Interesse haben - ebenso wie Netflix.

Quelle: n-tv.de , tje

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