Technik

Smartphone-Markt im Umbruch Samsung und Apple sind Verlierer

In West-Europa gehen die Verkaufszahlen stark zurück, in Ost-Europa ist die Nachfrage nach Smartphones immer noch hoch.

In West-Europa gehen die Verkaufszahlen stark zurück, in Ost-Europa ist die Nachfrage nach Smartphones immer noch hoch.

(Foto: Canalys)

Die Smartphone-Verkäufe brechen in Westeuropa drastisch ein. Die großen Verlierer sind die Marktführer Samsung und Apple. Aber es gibt auch Gewinner, die enorm zulegen können, und ein erstaunliches Comeback.

Die Zeiten, in denen in der Smartphone-Branche jährlich Verkaufsrekorde gebrochen wurden, sind vorbei. So zeigen die jüngsten Zahlen von "Canalys", dass der Markt in Westeuropa gesättigt ist. Im ersten Quartal dieses Jahres wurden hier rund 30 Millionen Geräte weniger verkauft als im Vorjahres-Zeitraum. Das entspricht einem Rückgang um fast 14 Prozent. In Deutschland brach der Absatz um knapp 17 Prozent ein, in Frankreich um rund 23 Prozent. Die steilste Talfahrt gab es in Großbritannien, wo die Hersteller fast 30 Prozent weniger Smartphones loswurden.

Russen immer noch im Kaufrausch

Aufgefangen wurde der Absturz durch Osteuropa, wo die Kauflust noch ungebremst scheint und mit rund 16 Millionen Geräten 12,3 Prozent mehr Handys verkauft wurden als im ersten Quartal 2017. Die größte Nachfrage kommt dabei aus Russland, das eine Steigerung um 25,4 Prozent verzeichnete.

Leidtragende sind vor allem die beiden marktbeherrschenden Unternehmen. Samsung bleibt zwar mit über 15 Millionen verkauften Handys klar die Nummer eins, musste allerdings einen Einbruch um 15 Prozent hinnehmen. Das hochpreisige Galaxy S9 bescherte den Südkoreanern aber trotz geringerer Stückzahl einen um 20 Prozent höheren Umsatz als im Vorjahres-Quartal.

Samsung und Apple können die Einbußen bei den Verkaufszahlen verkraften, weil ihre Umsätze hoch bleiben.

Samsung und Apple können die Einbußen bei den Verkaufszahlen verkraften, weil ihre Umsätze hoch bleiben.

(Foto: Canalys)

iPhone X ist die Nummer 1

Apple kam mit einem Rückgang von 5,4 Prozent glimpflicher davon. Insgesamt setzten die Kalifornier mehr als 10 Millionen Smartphones ab und liegen nach wie vor unangefochten auf dem zweiten Platz. Ein Viertel davon geht auf das Konto des sündhaft teuren iPhone X, das trotz eines leichten Rückgangs mit weitem Abstand das beliebteste Smartphone in Europa bleibt. Weil aber ebenfalls rund 25 Prozent der verkauften Apple-Geräte ältere und günstigere iPhone SE oder 6s waren, konnte Apple insgesamt seinen Umsatz nicht wie Samsung steigern.

Die großen Gewinner kommen aus China. Huawei sitzt Apple im Nacken und holt immer weiter auf. Trotz des gegenläufigen Markttrends konnte der Hersteller erneut um fast 39 Prozent auf 7,5 Millionen verkaufte Handys zulegen. Allerdings steigerte Huawei den Gewinn nur um 1,7 Prozent, weil die neuen Flaggschiffe P20 und P20 Pro erst spät auf den Markt kamen. Canalys erwartet hier aber im zweiten Quartal einen kräftigen Zuwachs.

Kleine haben es schwer

Samsung, Apple und Huawei haben jetzt zusammen einen Gesamtanteil von mehr als 71 Prozent - 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Kleinere, aber bekannte Hersteller wie Sony, HTC oder LG sind fast schon in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Aber es gibt zwei bemerkenswerte Ausnahmen.

Nicht unbedingt erstaunlich ist der rasante Aufstieg von Xiaomi auf den vierten Platz, obwohl es erst Ende vergangenen Jahres begonnen hat, den westeuropäischen Markt zu erobern. Schließlich sind die Chinesen in ihrem Heimatland und anderen asiatischen Ländern Marktführer. Weltweit haben sie im ersten Quartal mehr als 28 Millionen Smartphones verkauft, was einem Zuwachs von 116 Prozent entspricht. In Europa haben sie 2,4 Millionen Geräte abgesetzt und so rechnerisch sogar um 1000 Prozent zugelegt.

Nokia auf dem Weg nach oben

Eine größere Überraschung ist da schon der Erfolg des finnischen HMD Global, dem mit Nokia-Smartphones im vergangenen Jahr ein glänzendes Comeback gelang. Mit 1,6 Millionen verkauften Handys liegen sie in Europa mit einem Marktanteil von 3,5 Prozent bereits auf dem fünften Platz. Im Vorjahr waren sie im ersten Quartal noch nicht auf dem Markt, daher gibt es keine Steigerungsrate. Aber die Tendenz zeigt klar nach oben, die Ende Februar beim MWC vorgestellten Geräte sind vielversprechend.

Auch technisch gesehen gibt es in Europa klare Trends: Die Smartphones haben zunehmend Displays im 18:9-Format, Doppel-Kameras, viel Speicher und Dual-SIM-Einschübe. Top-Geräte muss man dafür nicht mehr kaufen, diese Eigenschaften bietet inzwischen schon die Mittelklasse um 400 Euro.

Quelle: n-tv.de , kwe

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