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Scharfe GoPro-Alternative Die Yi 4K+ macht jede Action mit

Mit dem passenden Gimbal läuft die Yi 4K+ zu Hochform auf.

Mit dem passenden Gimbal läuft die Yi 4K+ zu Hochform auf.

(Foto: jwa)

Die 4K+ ist das Topmodell unter den Action Cams von Yi. Die kleine Schwarze ist eine echte Alternative zur GoPro, Schwächen hat sie kaum.

Lange Zeit war die Marke GoPro das Synonym für sogenannte Action Cams. Die kleinen, leichten und robusten Kameras mit Weitwinkelobjektiv begleiten ihre Besitzer überall dort, wo es zur Sache geht. Ob Surfen, Paragliding, Parcours oder Motocross-Touren - es gibt heute eigentlich keine Extremsportart, die nicht per Action Cam gefilmt wird. Klar, dass da auch andere Hersteller auf den Markt drängen und GoPro Konkurrenz machen - so wie der chinesische Hersteller Yi. Dessen neue Action Cams versprechen gute Bilder zum kleinen Preis. Ob das auch stimmt, hat n-tv.de mit der Yi 4K+ ausprobiert.

Auf Augenhöhe mit GoPro

Das mit dem kleinen Preis ist natürlich relativ: Die Yi 4K+ kostet rund 280 Euro, und wer ein wasserdichtes Gehäuse dazu haben möchte, zahlt 20 Euro Aufpreis. Das ist zwar kein Schnäppchen, geht für den Funktionsumfang aber in Ordnung, und in ihrer Klasse zählt die 4K+ tatsächlich zu den günstigeren Modellen. Sie filmt 4K-HD-Videos mit einer Auflösung von 4000 x 3008 Pixeln und 25 Bildern pro Sekunde (fps). Die etwas kleinere normale 4K-Auflösung (3840 x 2160) unterstützt bis zu 50 Bilder pro Sekunde und garantiert so eine flüssigere Wiedergabe. Im Full-HD-Modus sind bis zu 100 Bilder pro Sekunde drin.

Fotos knipst sie mit maximal 12 Megapixeln und speichert dabei neben dem JPG auf Wunsch auch gleich die Rohdaten (RAW). Damit ordnet sich die YI 4K+ technisch zwischen den GoPro-Modellen Hero 6 Black (399 Euro) und Hero 5 Black (329 Euro) ein. Größter Vorteil im Vergleich zu vielen Action-Cam-Modellen der älteren Generation ist der Touchscreen, den haben aber auch die aktuellen GoPros. Die Akkulaufzeit liegt laut Hersteller bei rund 70 Minuten Dauerfilmen in der höchsten Auflösung, im Test ergab sich eine Zeit von etwas über 60 Minuten. Wer nur kurze Clips mit geringerer Auflösung filmt, hat entsprechend länger was vom Akku.

Für etwas ruhigere Videoaufnahmen hat die 4K+ einen elektronischen Bildstabilisator an Bord, allerdings nicht bis zur höchsten Auflösung, stabilisiertes Material gibt‘s nur bis maximal 4K/25fps. Wer die Kamera beim Filmen nicht sehr ruhig halten kann, zum Beispiel weil sie an einem sich bewegenden Gefährt festgemacht ist, sollte das bedenken - die elektronische Stabilisierung (EIS) leistet nämlich gute Arbeit und trägt dazu bei, dass das Bild etwas ruhiger ist. Wirklich elegant wird‘s aber erst mit einem Gimbal, der die Kamera ausbalanciert und auch wildere Schwenks zulässt. Yi bietet ein zur Kamera passendes Modell für 199 Euro an.

Nützliches Zubehör für die Yi 4K+: Gimbal und wasserdichtes Case.

Nützliches Zubehör für die Yi 4K+: Gimbal und wasserdichtes Case.

(Foto: jwa)

Gute Bilder

Ansprechende Videos gelingen mit ruhiger Hand aber auch ohne das Profizubehör. Die automatische Belichtungsmessung funktioniert gut und liefert ein ausgewogenes Bild, das weder zu hell noch zu dunkel ist. Auf starke Helligkeitsunterschiede, zum Beispiel wenn man von einem Innenraum nach draußen ins Tageslicht kommt, reagiert die 4K+ schnell und flüssig ohne ruckartige Übergänge. Sound nimmt sie in Stereo auf. Das Ergebnis klingt prima - für richtig guten Klang lässt sich über den USB-C-Eingang, der auch zum Laden des Akkus dient, ein externes Mikro anschließen. Ein Adapter von USB-C auf Klinkenstecker liegt bei.

Neben Video- und Fotoaufnahme hat die 4K+ weitere nützliche Funktionen wie Selbstauslöser, Zeitlupe, Zeitraffer für Videos und Fotos oder einen Live-Streaming-Modus. Dafür verbindet man die Kamera via WLAN (2,4 oder 5 GHz) mit der Yi-App auf dem Smartphone. In der Anwendung findet man auch Videos und Bilder andere Nutzer oder kaann das Sucherbild der Kamera aufs Display übertragen und so auf Wunsch die Aufnahme auch per Fernauslöser starten. Das wollte im Test mit einem Android-Smartphone (Google Pixel) aber nicht so recht funktionieren. Bei Google Play berichten einige Nutzer über Probleme mit der App, hier gibt‘s also Nachbesserungsbedarf.

Ohne App geht's auch

Zum Glück ist die App aber auch nicht nötig, um die Kamera zu bedienen. Denn über den kleinen Touchscreen kann man alle Funktionen einstellen und zum Beispiel bequem per Wischgesten zwischen Video und Foto wechseln, wichtige Einstellungen vornehmen oder alle Aufnahmemodi aufrufen. Praktisch gegen versehentliche Berührungen: Nach einer Weile schaltet sich eine Bildschirmsperre ein, die man per Seitwärtswisch aufheben muss. Dazu gibt‘s weitere nützliche Details wie zum Beispiel die Anpassung des bei Weitwinkel-Objektiven üblichen Fischauge-Effekts, bei dem gerade Linien durch den großen Aufnahmewinkel an den Rändern gekrümmt sind. Die Kamera korrigiert das automatisch und zuverlässig. Dadurch wird der Blickwinkel zwar etwas kleiner, weil das Bild an den Rändern ein Stück gestreckt wird, aber alle Linien im Bild erscheinen gerade. 

Das ist alles kein Hexenwerk und nicht wirklich neu, aber entscheidend ist: Die 4K+ lässt keine nützlichen oder wichtigen Funktion vermissen. Damit hat Yi ein Rundum-Sorglos-Paket im Angebot, das jeden Action-Cam-Filmer zufrieden stellen dürfte. Einziger Minuspunkt: Das Speichern von RAW-Fotos dauerte im Test trotz schneller High-Speed-SD-Karte zu lange - mehrere Sekunden brauchte die 4K+ für jedes Foto. Das nervt und sorgt dafür, dass man den RAW+JPG-Modus kaum benutzen möchte. Aber der Fokus liegt bei der kleinen Action Cam auch mehr auf Videoaufnahmen. Außerdem lassen sich die Klappen für den Akku und den Ladeanschluss nur sehr schwer öffnen.

Übrigens: Wer sich die 4K+ (oder eine andere Action Cam) anschaffen möchte, sollte gleich beim Kauf eine passende microSD-Karte wählen, die den Anforderungen der Kamera gewachsen ist. Die 4K+ unterstützt leider nur Karten zwischen 16 und 64 Gigabyte, etwas mehr wäre gut. Für flüssige 4K-Aufnahmen sollte es eine besonders schnelle Karte sein, da sonst im Videomaterial Aussetzer auftreten können, weil die Karte mit dem Speichern der Daten nicht hinterher kommt. 4K-Filmer setzen am besten auf Karten der UHS-Speed-Klasse 3, zu erkennen an der Ziffer 3 in einem U-Symbol. Der Standard garantiert eine kontinuierliche Datenübertragung von mindestens 30 Megabyte pro Sekunde.

Außerdem sollte man nicht beim Speicherplatz sparen - 64 Gigabyte sind eine gute Wahl. Denn 4K-Videos brauchen Platz: Auf eine leere 64-GB-Karte passen in der höchsten Auflösung (4K HD/25fps) nur rund 70 Minuten Videomaterial, im 4K/50fps-Modus sind es 62 Minuten, bei Full-HD-Videos mit 50fps sind‘s immerhin 139 Minuten. Kleinere Karten lohnen sich zudem kaum noch, denn microSD-Karten sind inzwischen günstig. Eine 64-Gigabyte-Karte mit Speed-Klasse U3 gibt‘s im Elektronikmarkt oder im Internet schon für 20 Euro.

Quelle: n-tv.de

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