Olympia

Bronzegewinner Doll im Interview "Biathlon bei der Kälte ist kein Wellness"

Handschuhe ausziehen? Pure Überwindung - nicht nur für Benedikt Doll.

Handschuhe ausziehen? Pure Überwindung - nicht nur für Benedikt Doll.

(Foto: REUTERS)

Wenn es so kalt ist, dass die Hände einfrieren, haben die Biathleten bei Olympia ein ziemlich großes Problem. Gut, dass Benedikt Doll vorgesorgt hat - mit einem Heizpad im rechten Handschuh verhilft sich der Deutsche zu Olympia-Bronze. Ein Kindheitstraum, wie er sagt.

Ein letztes Mal am Schießstand: Fünf Schuss, fünf Treffer, ab auf die zähe Schlussrunde. Nur wenige hundert Meter trennen Benedikt Doll noch von Olympia-Silber im Verfolgungsrennen der Biathleten, aber er ist plötzlich nicht mehr allein. Hinter ihm lauert der einigermaßen unbekannte Schwede Sebastian Samuelsson. Und der schiebt sich tatsächlich noch an ihm vorbei, wird hinter dem Franzosen Martin Fourcade Zweiter. Für Doll reicht es so "nur" zu Bronze - egal, Hauptsache eine olympische Medaille. Kurios wird es hinterher bei der Pressekonferenz: Wie hieß dieser Schwede, der Silber gewonnen hat, doch gleich mit Vornamen? Doll ist überfragt, behilft sich dann aber, indem er einen Schritt zur Seite macht und einfach vom Namenskärtchen auf dem Podest abliest. Doll ist platt, aber glücklich.

Herr Doll, nachdem die Namensfrage geklärt ist: War Ihr Akku beim Zweikampf um Silber mit dem Schweden Samuelson am Ende einfach leer?

Benedikt Doll: Ja, der Sebastian (Samuelson, d.Red.) ist ja immer schon ein sehr guter Läufer gewesen und hatte am Ende einfach ein paar Körner mehr. Wenn man dann wie er im Windschatten hinterher läuft, kann man sich besser heranziehen. Und auf dem Weg runter ins Stadion hatte er wohl auch den um einen Tick besseren Ski. Er hat die Silbermedaille auf jeden Fall verdient - und ich bin umso glücklicher über Bronze. Mich ärgert es nicht, dass ich die Silberne verloren habe.

Auf den letzten Metern zieht der Schwede Samuelsson noch vorbei, Olympia-Gold geht an den Franzosen Fourcade in der Mitte. Und rechts, klar: Benedilkt Doll.

Auf den letzten Metern zieht der Schwede Samuelsson noch vorbei, Olympia-Gold geht an den Franzosen Fourcade in der Mitte. Und rechts, klar: Benedilkt Doll.

(Foto: imago/GEPA pictures)

Ihre Saison verlief nicht optimal: Was haben Sie in den Wochen vor Olympia anders gemacht?

Naja, wenn man die Saison betrachtet - in Antholz hatte ich ein sehr gutes Rennen und habe das Treppchen nur knapp verpasst, und es wurde dann immer besser, vor allem im Schießen. Da war ich zum Ende hin richtig stabil. Sonst habe ich öfter mal vor allem beim letzten Anschlag gepatzt, heute habe ich endlich mal die Nerven bewahrt. Ich habe mich auch einfach gut gefühlt, vor allem als die letzte Null stand. Als ich dann aus dem Schießstand raus bin, habe ich irgendwie nur gesehen, dass fast alle in die Strafrunde abgebogen sind. Da wusste ich schon: Das ist jetzt eine sichere Medaille.

Was haben Sie nun beim Schießen anders gemacht?

Geändert habe ich nichts. Ich habe einfach trainiert und vielleicht hatte ich ein bisschen mehr Selbstvertrauen. Das ist das wichtigste, das kriegst du nur über gute Ergebnisse im Wettkampf. Davon zehrt man bei so wichtigen Rennen enorm. Ich wusste: Ich kann schießen und konnte das zum Glück umsetzen.

Was bedeutet diese olympische Medaille für Sie?

Sehr, sehr viel - das ist ein Kindheitstraum. Biathlon mache ich seit 20 Jahren und hier bei Olympia überhaupt eine Medaille zu holen, darauf bin ich stolz.

Und was ist wertvoller? Bronze bei Olympia oder die Goldmedaille im Sprint bei der letzten WM?

(lacht) Die Frage wurde mir heute schon mal gestellt. Da hab' ich mir ehrlich gesagt noch keine Gedanken drüber gemacht. Wenn Sie mich so direkt fragen, würde ich vielleicht sagen: Die Bronzene bei Olympia. Zumindest aktuell ist die für mich wertvoller.

Wie schwierig war das Rennen?

Vor allem im Liegendschießen war es schwer, der Wind war brutal wechselhaft. Da hat es schon geholfen, dass man sich in den letzten Tagen zumindest ein bisschen eingrooven und mit dem Schießstand vertraut machen konnte. Wir haben vorher geschaut, wo die Tücken sind - und in der Hinsicht hat vor allem das deutsche Team einen super Job gemacht, das hat man gestern im Sprint schon gesehen. Stehend war es eher windstill, das war sehr angenehm. Zum Glück, denn beim Anschießen hab' ich noch gedacht: Wenn das so ein Wettkampf wird, na dann viel Spaß.

Und steigt heute Abend die große Party im Deutschen Haus?

Naja, ich muss schon, sagen, dass mein Hals ziemlich gereizt ist wegen der kalten Luft. Ich kann Ihnen sagen: Das ist nicht gerade Wellness. Da werde ich heute Abend eher schauen, dass ich mich schone. Heute wird eher nicht so viel gefeiert, dafür bestimmt morgen mit dem Team. Am Mittwoch ist schließlich Ruhetag.

Vielleicht noch einen Satz zum neuen Olympiasieger Martin Fourcade, der wieder eine Wahnsinnsleistung gezeigt hat. Wie haben Sie das erlebt?

So richtig erlebt habe ich ihn nicht. Also klar - beim Start, als er dann an mir vorbei ist. Er ist läuferisch topfit und hat dazu perfekt geschossen, dann ist der einfach weg. Allerdings muss man sagen, dass er und auch Johannes Thingnes Bø hier in Pyeongchang nicht so dominant sind, wie sie es im Weltcup normalerweise sind. Das beruhigt einen auch ein bisschen, denn bei der Konkurrenz wird man schon nervös. Es tut gut zu sehen, dass wir Deutschen hier bei Olympia wirklich vorne mitmischen. Die letzten Weltcupwochenenden waren dagegen schon ein wenig deprimierend.

Arnd Peiffer hatte ja gestern ein wenig überraschend die Goldmedaille im Sprint geholt, hat das die Stimmung im Team beeinflusst?

Auf jeden Fall. Wenn man bei den Olympischen Spielen so früh im Wettkampf eine Medaille holt, nimmt das den Druck vom Team, du gehst lockerer an den Start. Am Ende bist du natürlich hier, um Medaillen zu holen und nicht Top-Sechs-Platzierungen, das ist klar. Aber davon abgesehen, ist für uns Athleten auch ein gutes Mannschaftsergebnis wichtig.

Laura Dahlmeier hat nach ihrem zweiten Gold-Triumph erzählt, sie sei mit eingefrorenen Händen ins Ziel gekommen. Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht?

Sicher, das ging mir ähnlich. Bei mir war's zum Glück die linke Hand, die eingefroren war, das ist immer noch verschmerzbar, weil man die nicht so sehr braucht. Kritisch wird’s erst, wenn die rechte auch betroffen ist. Wenn die Hand nicht mehr so will wie du das gerne hättest, hast du als Biathlet ein Problem. Aber ich hatte ein Heizpad im Handschuh, das hat geholfen.

Das Gespräch wurde von Tobias Nordmann aufgezeichnet.

Quelle: n-tv.de

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