Fußball-WM 2018

"Ihr habt doch alle Alzheimer" Fachsimpeln mit Calli zum WM-Finale

Reiner "Calli" Calmund gibt seine Sicht auf die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland sehr unterhaltsam zum Besten.

Reiner "Calli" Calmund gibt seine Sicht auf die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland sehr unterhaltsam zum Besten.

(Foto: Andreas_Lindlahr)

Ja, auch Autoredakteure sind bisweilen Fußballfans und so war die Überraschung auf einer Mercedes-Fahrveranstaltung in der Nähe von Trier groß, als am Abend plötzlich Reiner Calmund die Bühne betrat. Und weil der Mann nicht nur ein Unikat ist, sondern auch noch Ahnung vom Fach hat, konnte man die Gelegenheit nicht verstreichen lassen und musste über die Chancen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM ebenso philosophieren wie über den von Joachim Löw gewählten Kader und über den spektakulären Rücktritt von Sandro Wagner.

Natürlich kann man sich mit einem Reiner Calmund, genannt Calli, nicht nur über Fußball unterhalten. Aber wenn der Mann in seinem Metier angepikst wird, dann sprudelt er in seinem rheinländischen Dialekt los und ist nicht mehr zu stoppen. Und wenn man den Verlauf für die deutsche Nationalmannschaft bis zum jetzigen Zeitpunkt Revue passieren lässt, dann kommt man nicht umhin, die Frage zu stellen, ob denn der DFB nach dem Auftritt von Mesut Özil und Ilkay Gündogan beim türkischen Staatspräsident Rcep Tayyip Erdogan alles richtig gemacht hat. "Wenn sie Tore schießen, dann schon", sagt Calli grinsend. "Aber nee, jetzt mal ernst: Natürlich war das ganze Drumherum nicht glücklich, aber man muss es dann auch mal gut sein lassen", fügt er an. "Weißt du, das ist auch gar nicht so einfach. Manchmal machst du Sachen und merkst erst, wenn das Feuer auf dich eröffnet wird, wie blöd das war. Ich spreche hier aus eigener Erfahrung."

Apropos blöd: Einen zweiten Aufreger gab es mit dem Rücktritt aus der Nationalmannschaft von Sandro Wagner, nachdem er von Bundestrainer Joachim Löw nicht nominiert wurde. Ein Umstand, der auch bei Calli nur Kopfschütteln auslöst. "Ich kann ja verstehen, dass der Sandro Wagner enttäuscht ist. Klar, der hat bei Hoffenheim und München richtig Gas gegeben und diese Saison elf oder zwölf Tore gemacht. Da denkst du natürlich, dass du ganz nah dran bist. Und da kannst du auch mal ein Bäuerchen machen, wenn du nicht nominiert wirst, aber nach einem Jahr in der Nationalmannschaft von der 'Laufbahn' zurückzutreten, ist schon etwas überzogen."

Der Autor im Gespräch mit Reiner "Calli" Calmund (r).

Der Autor im Gespräch mit Reiner "Calli" Calmund (r).

(Foto: Andreas_Lindlahr)

"Ich bin Stratege"

Dennoch mutet diese Entscheidung etwas merkwürdig an. Denn wir sind im Turnier ganz bestimmt nicht die Mannschaft mit dem stärksten Sturm. Wenn der Bundestrainer also einen Wagner und einen Sané nicht zur WM mitnimmt, fragt man sich doch, warum. "Also, wirklich glänzen konnten die beide nicht. Und es ist auch immer eine Entscheidung für oder gegen eine Stimmung in der Mannschaft. Und mit Gomez hat der Jogi ja auch noch eine echten Stoßstürmer nominiert." Na gut, hier gehen unsere Meinungen auseinander. Gomez ein Stoßstürmer? Na, wenn die Frisur sitzt. Aber wer zählt denn nun zu den Favoriten in Russland?

"Ich bin ja Stratege, überlege immer und versuche wenig aus dem Bauch zu entscheiden, obgleich da jede Menge rauskommen müsste", so Calli grinsend. "Die ersten acht Gruppen werden von den größten Favoriten besetzt, womit schon eine gewisse Trennung gegeben ist. Deutschland spielt in der zweiten Abteilung und wenn du da guckst, dann sind die großen Mannschaften, die sich im Halbfinale noch gegenüberstehen können, Brasilien und Deutschland. Es ist also jetzt schon absehbar, dass es kein Traumfinale Brasilien gegen Deutschland geben wird", denkt Calli weiter laut nach und fährt fort: "Das ist die eine Abteilung. In der anderen sehe ich Argentinien ganz vorne mit den ganzen Assen, die die in der Mannschaft haben: Messi, Di Maria, Dybala und so weiter. Die zweiten sind Frankreich, die allerdings mit dem Ausfall von Coman einen herben Rückschlag erlitten haben. Der Junge ist pfeilschnell. Ein Tempo, das die anderen Stars nicht haben. Na, und dann sind da noch Spanien und Portugal. Also, in der Gruppe geht es richtig rund. Was sich also sagen lässt: Es wird auch kein Endspiel Frankreich - Argentinien geben."

Bei der Entscheidung, wer im Finale steht, ist "Calli" Fan und Stratege.

Bei der Entscheidung, wer im Finale steht, ist "Calli" Fan und Stratege.

(Foto: Andreas_Lindlahr)

Deutschland gegen Frankreich im Finale

Und wer steht sich nun im Finale gegenüber? Wieder grinst Calli: "Na, Deutschland gegen Frankreich. Das soll jetzt nicht überheblich rüberkommen, aber ich bin ja irgendwo auch deutscher Fan und wenn ich das jetzt sage, dann ist da natürlich auch immer ein guter Teil Hoffnung dabei." Aber wenn hier Frankreich als Favorit ins Feld geführt wird, dann sind wir natürlich wieder bei den Stürmern. Die Équipe Tricolore hat nämlich ein ganzes Geschwader davon in seinen Reihen. Ein Umstand, dem selbst Calli zustimmen muss: "Das stimmt. Bei den Franzosen kann der Trainer sagen, den Griezmann setze ich. Ja, und wer kommt da noch? Nehme ich Dembélé, Mbappé oder Giroud? Das heißt, von den reinen Spitzen sind die etwas besser besetzt als wir. Dafür haben wir viel Routine, viel Offensivkraft aus dem Mittelfeld und eine andere Spielanlage. Wir haben in den vergangenen Jahren bewiesen, dass wir solche Unterschiede durchaus kompensieren können."

Wenn man aber die letzten Testspiele gesehen hat, war von der Routine und Offensivkraft aus dem Mittelfeld nur wenig zu sehen. Da kommt man auch gleich zu dem Thema, ob der Trainer denn mit Manuel Neuer die richtige Wahl als Schlussmann getroffen hat. "Ja, wenn ich das Spiel in Österreich gesehen habe, dann war der Neuer doch als Einziger da. Der hat wirklich die Note gut verdient und wenn der von den Ärzten gecheckt ist, dann ist der auch fit. Und in dem schon erwähnten Gurkenspiel mit einer beschissenen Defensive war der Manuel nun wirklich der Einzige, der sich gestreckt hat. Was soll man da also noch irgendwelchen Hokuspokus machen. Der Neuer steht im Tor und fertig!"

"Um die Weltmeisterschaft zu gewinnen, brauchst du auch immer etwas Glück."

"Um die Weltmeisterschaft zu gewinnen, brauchst du auch immer etwas Glück."

(Foto: Andreas_Lindlahr)

"Glück auf!"

Aber gewonnen haben wir die WM noch lange nicht. Und wie gesagt, die letzten beiden Testspiele waren alles andere als ein rauschendes Fest für die deutsche Nationalmannschaft und für Jogi Löw. "Ach", winkt Calli ab, "seitdem der Jogi das Kommando führt, sind die in allen Jahren ins Halbfinale der großen Turniere eingerückt. Und ich sage mal, Italien und Holland lassen grüßen. Wir waren immer dabei, immer qualifiziert. Aber wir Deutschen sind ja die größten im Meckern, Nörgeln oder Rumstänkern. Ich sage das auch zu mir! Leute, ihr habt alle ein bisschen Alzheimer. Die vielen Erfolge werden sehr schnell vergessen. Kannst du dich noch erinnern, wie wir gegen Algerien gespielt haben? War glaube ich eine Verlängerung, 2:1 und das war - wenn ich mich richtig erinnere - das Achtelfinale. Und im Viertelfinale gegen Frankreich? Das Spiel haben wir 1:0 gewonnen. Aber auch da haben wir niemanden in Grund und Boden gespielt. Also, wenn du den Titel haben willst brauchst du auch Glück."

Na dann, halten wir es wie die Bergleute und der Calli und rufen unserer Fußballnationalmannschaft ein fröhliches "Glück auf!" zu.

Quelle: n-tv.de