Fußball-WM 2018

Watutinkis WM-Charme DFB grätscht Trump ab, Löw sucht den Flow

Grindel und Löw im deutschen WM-Quartier.

Grindel und Löw im deutschen WM-Quartier.

(Foto: dpa)

Es geht um Politik, die Fifa - und auch um Fußball. DFB-Präsident Reinhard Grindel sieht sich gut vorbereitet, Bundestrainer Joachim Löw will vor dem Auftakt gegen Mexiko nicht mehr über die Causa Özil/Gündogan sprechen. Und tut es dann doch.

Der Rasen zu lang, das Mannschaftsquartier auf ganz spezielle Weise charmant, die Politik dank der Özil-/Gündogan-Debatte, aber auch dank Putin und Trump omnipräsent - und dann ließ auch noch der DFB-Präsident auf sich warten. Reinhard Grindel musste vor der WM-Eröffnungspressekonferenz mit Bundestrainer Joachim Löw im Teamquartier in Watutinki noch beim Kongress des Weltverbandes Fifa darüber abstimmen, wo die übernächste Fußball-Weltmeisterschaft stattfinden soll. Das klare Wahlergebnis nach einem "durch und durch demokratischen Prozess" und einem "offenen Votum" goutierte er. Schließlich hatte der DFB die Bewerbung der USA, Kanadas und Mexikos unterstützt. Das Trio veranstaltet nun 2026 mit einer satten Zweidrittel-Mehrheit im Rücken die erste Mammut-WM mit 48 Teilnehmern. Marokko, der einzige Konkurrent, hatte keine Chance.

Grindel gratulierte und sprach von einer Entscheidung, die wegen des transparenten Verfahrens "dann auch Akzeptanz findet", anders als noch die WM-Vergaben nach Russland und Katar: "Wenn man, insbesondere was Katar angeht, zu Recht Kritik am Auswahlverfahren geübt hat, darf man an dieser Stelle auch erwähnen, dass es gut gelaufen ist." Als völlig inakzeptabel kanzelte Grindel indes erneut die "falsche politische Einflussnahme" von US-Präsident Donald Trump ab.

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Wer vor dem WM-Eröffnungsspiel am Donnerstag zwischen Gastgeber Russland und Saudi-Arabien (ab 17 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) im Moskauer Luschniki-Stadion auf ein klares und kritisches Statement zu den politischen Zuständen im Gastgeberland unter Präsident Wladimir Putin gehofft hatte, den enttäuschte Grindel. Die Standing Ovations für Putin beim Fifa-Kongress bezeichnete er als "Höflichkeit". Er betonte lieber, dass sich der DFB auch abseits des Sportlichen so gewissenhaft wie nie auf eine WM vorbereitet habe. So sei zum Beispiel die miserable Lage der Menschenrechte in Russland ein Thema. "Wir werden als Delegation über die vier Eckfahnen des Fußballplatzes hinausschauen. Wir wollen dieses Turnier nutzen, um Brücken zu bauen." Das sagte Grindel nicht zum ersten Mal, es ist ein durchaus hehres Ansinnen. Der DFB wird sich dran messen lassen müssen.

Özil und Gündogan stehen weiterhin im Mittelpunkt.

Özil und Gündogan stehen weiterhin im Mittelpunkt.

(Foto: picture alliance/dpa)
"Mannschaft nicht auf dem Zenit"

Bundestrainer Joachim Löw konnte derweil vermelden: Vor dem deutschen Auftaktspiel am Sonntag (ab 17 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) im Luschniki sind alle Akteure fit, die Stimmung ist gut. Nach der gestrigen Anreise und kurzer Eingewöhnung soll der Fokus ab Mittwoch komplett auf das Auftaktspiel gerichtet werden: "Wir wissen, dass Mexiko ein Gegner ist, der sehr, sehr aggressiv verteidigt, aggressiv nach vorne spielt und technisch gute Spieler hat. Sie werden uns alles abverlangen. Aber wir sind guter Dinge. Die Mannschaft wird sich mit Sicherheit noch einmal steigern." Dass "die Mannschaft nicht auf dem Zenit ist nach dem Trainingslager", sei klar. Die freien Tage nach dem vermurksten Testspiel gegen Saudi-Arabien seien aber wichtig gewesen.

Zur schwelenden Causa Mesut Özil und Ilkay Gündogan wollte Löw nichts sagen, "für mich ist das Thema erledigt". Seine Aufgabe sei es, die Spieler so in Form zu bringen, "dass sie in den Flow kommen, dass sie unserer Mannschaft helfen". Da war sie wieder, die Sehnsucht nach dem Schlussstrich. "Die Spieler haben gelitten", betonte Löw nach der Aufregung um ein Foto der beiden mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. "Möglicherweise werden sie weiterhin mit Pfiffen begleitet. Ich würde es mir anders wünschen, aber das können wir nicht beeinflussen."

Die Länge des Rasens schon. Man habe "zu Beginn des Trainings festgestellt, dass der Rasen noch einige Millimeter zu hoch ist", teilte Löw mit. Aber: "Das werden wir morgen korrigieren." Ansonsten gab es auch für Özil und Gündogan positive Resonanz zu vermelden. Denn das DFB-Team hatte am späten Vormittag gut Wetter gemacht und mit allen 23 Spielern bei sonnigen 20 Grad auf der Anlage von ZSKA Moskau in aller Öffentlichkeit trainiert. Mehr als 500 Zuschauer, unter ihnen 100 Kinder und Jugendliche der deutschen Schule in Russlands Hauptstadt, schauten eine Stunde lang zu. Normalerweise lässt der Bundestrainer ja hinter verschlossenen Zäunen üben, aber der Weltverband Fifa schreibt nun einmal vor, dass das einmal während des Turniers vor aller Augen geschehen muss. Was gibt's zu berichten? "Heute waren die Kinder sehr angenehm", sagte Löw. Und Özil, der schweigsame Mittelfeldspieler mit Hang zur Knieprellung, war voll dabei. Als Gündogan im Spielchen Acht gegen Acht ein Tor erzielte, da bekam er tatsächlich Applaus von den Rängen.

Die bislang größte WM-Überraschung nach anderthalb Tagen in Russland bescherte Löw nicht das Quartier, dem er zwar "den Charme einer schönen Sportschule" attestierte, über das er aber sagte: "Wir haben alles, was wir brauchen: Ruhe, gute Trainingsmöglichkeiten, gutes Essen. Unser Koch ist sehr kreativ." Überraschend fand Löw vielmehr den Trainerrauswurf bei Mitfavorit Spanien. "Dass so eine Entscheidung zwei Tage vor dem ersten WM-Spiel kommt, ist natürlich schon ein Hammer", kommentierte Löw das spanische Personalbeben - und überraschte dann selbst. Er denke, dass die Spanier auch unter dem eilig zum Chef beförderten Fernando Hierro "höchstwahrscheinlich nichts von ihrer spielerischen Klasse verlieren". Das klang dann schon sehr charmant.

Quelle: n-tv.de

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