Fußball

DFB-Elf unter Beobachtung Warum Löw nicht viel Zeit bleibt

Sorgenfalten? Joachim Löw hat nun einen eng getakteten Zeitplan.

Sorgenfalten? Joachim Löw hat nun einen eng getakteten Zeitplan.

(Foto: imago/Schüler)

Ein glücklicher Sieg gegen Peru, ein paar Alibi-Einwechslungen und eine Nullnummer gegen Frankreich: Nach WM-Debakel und sogenanntem Neustart ist beim deutschen Fußball-Nationalteam im Grunde alles wie immer. Oder?

Im Grunde sagt dieser Satz viel darüber aus, wie es um die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bestellt ist. "Natürlich sind wir froh, dass wir das Spiel gewinnen konnten." Nun ist es nicht verboten, sich über einen Sieg zu freuen. Auch nicht, wenn er so glücklich zustande kommt wie das 2:1 im Testspiel gegen Peru am Sonntagabend in Sinsheim. Das sei Joachim Löw gegönnt, der, wie er selbst immer wieder sagt, nach der katastrophalen Weltmeisterschaft mehr denn je unter Beobachtung steht. Und doch klang dieser Satz des Bundestrainers sehr nach: Hauptsache gewonnen, jetzt ist erst einmal Ruhe im Karton. So wie das Fazit nach der Nullnummer am Donnerstag in München gegen Weltmeister Frankreich lautete: Hauptsache nicht verloren, war doch in der Defensive prima.

Die Frage ist nun, ob die ersten beiden Spiele nach der WM als Neuanfang durchgehen oder ob im Grunde, wenn nicht alles, so doch vieles ist wie immer. Löw ist sich sicher, zumindest sagt er das, dass das Team auf einem guten Weg ist, sich den verspielten Kredit bei den Fans langsam, aber sicher zurückzuholen. "Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie den Weg nach vorne wieder antreten will." Hat sie das? Und wenn ja: Wo ist vorne? In der Weltspitze? Ist das nicht ein bisschen vermessen? Gegen Peru offenbarte die DFB-Elf nicht nur die aus Russland bestens bekannte Anfälligkeit bei schnellen Kontern des Gegners, sie vergab auch mindestens ein halbes Dutzend sehr guter Torchancen.

Viele Chancen, wenig Ertrag: Marco Reus.

Viele Chancen, wenig Ertrag: Marco Reus.

(Foto: imago/Revierfoto)

Reus: "Man muss sie auch verwerten"

Der Dortmunder Marco Reus, der bis zu seiner Auswechselung zur Pause als einzige Spitze spielte, umriss das so: "Wir haben uns viele Chancen herausgespielt, das lief besser als gegen Frankreich. Am Ende muss man sie natürlich auch verwerten." Auch dieses Problem ist nicht neu: In diesem Jahr hat die deutsche Mannschaft in neun Spielen acht Tore erzielt. Sieben dieser Tore wurden von verschiedenen Spielern erzielt, hinzu kam ein Eigentor. In Sinsheim gegen Peru gab es immerhin zwei Treffer: Erst hatte der Leverkusener Julian Brandt in der 25. Minute getroffen, nachdem Luis Advíncula die Gäste in Führung gebracht hatte. Und fünf Minuten vor Schluss sorgte dann der Hoffenheimer Debütant Niko Schulz für das 2:1. "Schön ist vor allem, dass wir gewonnen haben", sagte er.

Zum Vergleich: Im Jahr 2017 hatte Deutschlands immer noch wichtigste Fußballmannschaft in 15 Partien 43 Treffer erzielt. Aber auch da war es schon so, dass der Löw'schen Auswahl ein wirklich guter, treffsicherer Angreifer fehlte. So wie jetzt. Reus schießt ab und zu ein Tor, ist aber kein Torjäger und hat jüngst noch gesagt, er könne sich gut vorstellen, die Position des zurückgetretenen Mesut Özil in der Mittelfeldzentrale zu übernehmen. Der Leipziger Timo Werner ist mit seinen 22 Jahren noch keiner, der verlässlich trifft und spielt zudem auch gerne auf dem linken Flügel. Mario Gomez und Sandro Wagner sind nach und vor der WM zurückgetreten und bei aller Wertschätzung auch schon jenseits der 30 Jahre. Und ohne dem 29 Jahre alten Freiburger Nils Petersen zu nahe zu treten: Wenn er der einzige Angreifer ist, den der Trainer wie in Sinsheim beim Stand von 1:1 bringen kann, um das Siegtor zu erzwingen, dann genügt das eher nicht internationalen Standards.

Kimmich-Experiment ist geglückt - einerseits

Dem gegenüber standen gegen Peru ein engagierter Aufritt und ein bis auf den Abschluss gutes Offensivspiel. Es ist also nicht so, dass die deutsche Mannschaft alles falsch gemacht hätte. Aber letztlich überzeugend wirkte das nicht. Bisher war es die beste Idee des Bundestrainers, den Münchner Joshua Kimmich seiner Aufgaben als Rechtsverteidiger zu entbinden und auf die Sechserposition ins defensive Mittelfeldfeld zu stellen. Einerseits. Andererseits fehlt ihm jetzt ein durchschlagskräftiger Mann auf der rechten Seite, auch wenn der Mönchengladbacher Matthias Ginter seine Sache in beiden Spielen wirklich sehr ordentlich gemacht hat. Aber er ist halt eigentlich ein Innenverteidiger. Der Bundestrainer aber hat sich auf Kimmich als Sechser vor der Abwehrkette festgelegt. Wohl auch, weil er weiß, dass ihm keine Zeit zum Experimentieren bleibt.

Es geht weiter, immer weiter, die neue Nations League ist eng getaktet: In Amsterdam geht es am Samstag, 13. Oktober, gegen die Niederlande; am Dienstag drauf, 16. Oktober, dann nach St. Denis zum Rückspiel gegen Frankreich. Verliert die DFB-Elf diese beiden Spiele, droht der Abstieg in die B-Liga. Und dann könnte niemand mehr von einem Neuanfang sprechen. Oder etwa gerade dann? Das hat der Bundestrainer nach der Partie gegen Peru auch noch gesagt: "Die Mannschaft weiß, dass sie weiterhin sehr gute Leistungen braucht, weil wir unter Beobachtung stehen."

Quelle: n-tv.de

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