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"Mir ist nicht alles egal" Sané trägt die Hoffnung und wehrt sich

Julian Draxler nimmt Leroy Sané (r.) bei der DFB-Pressekonferenz in Schutz: Er ist "weder charakterschwach noch sonst irgendwas".

Julian Draxler nimmt Leroy Sané (r.) bei der DFB-Pressekonferenz in Schutz: Er ist "weder charakterschwach noch sonst irgendwas".

(Foto: dpa)

Mit dem Tore schießen tut sich das DFB-Team derzeit schwer. Nun geht es gegen die Niederlande und Frankreich. Mit dabei: Leroy Sané. Zur WM durfte er nicht mit, jetzt trägt er einen Teil der Hoffnung. Doch er hält sich wohlweislich zurück.

Kurz löste sich seine Anspannung. Eine Journalistin der Deutschen Welle hatte darum gebeten, eine Frage auf Englisch stellen zu dürfen. Sie durfte, nur war sich Leroy Sané nicht sicher, in welcher Sprache er antworten solle. "Du kannst doch Englisch besser als Deutsch", sagte Julian Draxler, der neben ihm saß und umarmte seinen Kollegen. Beide giggelten. Und Sané antwortete auf Englisch. Vorher hatte er an diesem Mittwochnachmittag in einem Autohaus in Berlin all die Fragen, die sich darum drehten, ob das jetzt für ihn ein Neuanfang bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft sei, kurz, knapp und betont emotionslos beantwortet.

"Ich will jedes Mal, wenn ich spiele, mich verbessern und etwas dazulernen."

"Ich will jedes Mal, wenn ich spiele, mich verbessern und etwas dazulernen."

(Foto: imago/Andreas Gora)

"Ich hoffe, in den nächsten Spielen kriege ich wieder meine Einsatzzeiten." Am Samstag geht es (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) in Amsterdam gegen die Niederlande, am Dienstag darauf dann in Paris gegen Frankreich. Beide Partien finden in dem neuen Wettbewerb statt, der Nations League heißt. Wie es das Reglement so will, sollte die DFB-Elf in beiden Spielen punkten, sonst steigt sie aus der Liga A in die Liga B ab. Das wäre nach der verkorksten Weltmeisterschaft für keinen der Beteiligten gut. Um erfolgreich zu sein, sollte das Team von Bundestrainer Joachim Löw Tore schießen. Doch das hat zuletzt nicht so gut geklappt. In diesem Jahr hat die deutsche Mannschaft in bisher neun Spielen ganze acht Treffer erzielt. Im Jahr 2017 waren es noch 43 Tore in 15 Partien. Und damit sind wir wieder bei Leroy Sané.

Er ist ein Spieler, den der Bundestrainer braucht, wenn nicht als Torjäger, so doch als Vorbereiter. Nach der WM war viel von Individualisten die Rede, also von Spielern, die mit dem Ball am Fuß und viel Tempo einen Gegenspieler umdribbeln und so des Gegners Abwehrriegel knacken können. Bei Manchester City hatte Sané in der vergangenen Saison gezeigt, dass er das kann. Sie wählten ihn zum besten Nachwuchsspieler der englischen Premier League. Löw hat ihn dennoch nicht mit nach Russland genommen.

"Ich mache das nicht extra"

Warum genau, ist unklar. Sportlich gab es keinen Grund. Toni Kroos hatte vor den Länderspielen Anfang September gegen Frankreich und Peru einen Hinweis gegeben, als er betonte, Sané habe mit seinen 22 Jahren durchaus das Zeug, ein Weltklassespieler zu werden. Er sagte auch: "Man hat aber das Gefühl, dass er gesagt bekommen muss, was zu tun ist, um das zu werden." Sané sei einer, "der mit seiner Körpersprache einem das Gefühl gibt: Ob ich gewinne oder verliere, ist nicht so schlimm". Dem widersprach er nun: "Ich mache das nicht extra. Es ist nicht so, dass ich sage, mir ist alles egal. Wenn das für den einen oder anderen so aussieht, ist das für mich kein Problem."

Beim 0:0 gegen den Weltmeister am 6. September in München war er nach 83 Minuten für den Dortmunder Marco Reus eingewechselt worden, der dieses Mal angeschlagen fehlt. Und beim 2:1 gegen Peru drei Tage später war er nicht dabei, weil er just Vater einer Tochter geworden war. Wie es denn so als Papa sei, wurde er in Berlin gefragt. "Ist gut", sagte er und schwieg ein Weilchen. "Ich bin froh, dass sie jetzt da ist. Immer wenn ich nach Hause komme, freue ich mich, sie zu sehen." Aber verändert habe er sich als Vater nicht, auch wenn er jetzt außerhalb des Fußballplatzes mehr Verantwortung trage. Mit der Kritik an ihm und seiner Einstellung zu seinem Beruf habe er kein Problem. "Im Gegenteil, ich finde das gut. Das spornt mich immer wieder an." Natürlich sei er enttäuscht gewesen, dass er die WM verpasst habe. "Am Anfang hat's halt noch nicht so richtig gepasst mit mir hier." Ko-Trainer Marcus Sorg umschrieb es so: "Manchmal war das nicht so, wie wir das wollten. Eines muss man aber auch sagen: Er ist ein sehr, sehr junger Mensch."

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"Weder charakterschwach noch sonst irgendwas"

Er habe sich das zu Herzen genommen, beteuerte Sané. "Ich habe darüber nachgedacht, wo ich mich verbessern könnte, sodass der Jogi beim nächsten Mal nicht die Möglichkeit hat, mich nicht zu nominieren." Löw hatte, bevor er wusste, dass seine Mannschaft als Gruppenletzter in der Vorrunde ausscheidet, bereits angekündigt, nach dem Turnier wieder auf Sané zu setzen. Bei Manchester City, dem Meister und Tabellenführer, stand Sané in dieser Saison drei Mal in der Startelf, vier Mal wurde er eingewechselt. Dabei brachte er es auf ein Tor und zwei Vorlagen. Sein Trainer hält viel von ihm. Nachdem Sané Ende September beim 2:0 im Ligaspiel gegen Brighton & Hove Albion den Führungstreffer vorbereitet hatte, sagte Josep Guardiola: "Leroy war wichtig für uns, ist wichtig und wird wichtig für uns sein."

Wie die "Sun" berichtete, will der Klub den Vertrag mit Sané vorzeitig über das Jahr 2021 hinaus verlängern. Aber auch Guardiola sah sich veranlasst, grundsätzlich etwas klarzustellen: "Unser Beruf ist so fordernd und wir müssen jeden einzelnen Tag unser Bestes geben. Er war in den letzten zwei, drei Spielen richtig gut. Ich will, dass alle meine Spieler fokussiert sind. Das ist das Wichtigste, abgesehen von ihren Familien: Jeden Tag zu tun, was man tun muss. Wenn sie das machen, gibt es überhaupt kein Problem. Wenn sie das aber nicht machen, dann wissen sie, was passiert."

Die Botschaft dürfte angekommen sein. Jedenfalls betonte Sané mehrmals: "Ich will jedes Mal, wenn ich spiele, mich verbessern und etwas dazulernen." Und am Dienstag, als die DFB-Elf in ihrem Hotel im Berliner Tiergarten zusammenkam, war er der erste, der eintraf. Am Ende stand Draxler, im offensiven Mittelfeld nicht nur Kollege, sondern auch Konkurrent, Sané, mit dem er gemeinsam beim FC Schalke 04 spielte, noch einmal zur Seite. "Ich will mal eine Lanze für ihn brechen, wie man so schön sagt. Ich kann nur sagen, dass Leroy weder charakterschwach noch sonst irgendwas ist."

Quelle: n-tv.de

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