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"Der FC Liverpool ist wieder da" Klopp-Elf lernt endlich - und spektakelt

Jürgen Klopp und der FC Liverpool, das ist im Moment wieder eine Traumehe.

Jürgen Klopp und der FC Liverpool, das ist im Moment wieder eine Traumehe.

(Foto: REUTERS)

Atemberaubend stürmen Jürgen Klopp und der FC Liverpool in die K.o.-Runde der Champions League. Das 7:0 gegen Spartak Moskau beweist: Die Offensive gehört zu den Besten in Europa. Und: Klopps Elf lernt aus Fehlern. Endlich.

Vor dem Anpfiff war das Lied zu hören, und dann noch einmal nach gut einer Stunde, als der FC Liverpool uneinholbar in Führung lag im abschließenden Vorrundenspiel gegen Spartak Moskau. "We won it five times, we won it five tiiiiiiimes…", sangen die Zuschauer auf der berühmten Kop-Tribüne an der Anfield Road, etwas zurückhaltend, aber doch hörbar. Gemeint war damit der Europapokal der Landesmeister. Beziehungsweise: die Champions League.

Fünf Mal hat der Klub die Silbertrophäe mit den großen Henkeln schon erbeutet, zuletzt 2005, und ein bisschen fühlte sich das Publikum beim krachenden 7:0-Erfolg gegen das gnadenlos unterlegene Team aus Russlands Hauptstadt an die großen Nächte im Europapokal erinnert. Auch wenn den Menschen im Stadion natürlich klar war, dass es noch ein weiter Weg ist bis zum sechsten Mal, dass Zurückhaltung angebracht ist.

(Foto: imago/PA Images)

Die Partie war die Pflichterfüllung für den FC Liverpool, einerseits. Durch den Sieg machte die Mannschaft wie erwartet den letzten Schritt zum ersten Einzug ins Achtelfinale der Champions League seit der Saison 2008/2009, und das sogar als Gruppenerster. Anderseits war das Spiel auch eine Verheißung, dass sich der Klub wieder auf der europäischen Bühne einrichtet und den Zuschauern noch die eine oder andere rauschende Nacht unter Flutlicht schenkt.

Klopps Mission macht Fortschritte

"Nach langer Zeit ist der FC Liverpool wieder da", sagte Trainer Jürgen Klopp. Als er nach der Partie zur Pressekonferenz erschien, lehnte er sich zurück auf seinem Stuhl auf der Bühne im Mediensaal, spitzte die Lippen und schaute in den Raum. Er machte einen entspannten, einen zufriedenen Eindruck. Seine Mission in Liverpool geht voran.

England feiert "Fantastic Five"

Europacup-Rausch in England: Das Mutterland des Fußballs feiert nach einem historischen Erfolg seine "Fantastic Five". Nachdem der FC Liverpool als letzter Vertreter von der Insel das Achtelfinale der Champions League erreicht hatte, verewigte sich die Premier League in den Geschichtsbüchern der Königsklasse. Erstmals überstanden fünf Vereine aus derselben Liga die Gruppenphase. Vor Liverpool hatten bereits Manchester City, Manchester United, FC Chelsea und Tottenham Hotspur das Ticket für die nächste Runde gelöst. Deutschland ist nur mit Rekordchampion FC Bayern im Achtelfinale vertreten.

Die beste Nachricht für den Klub ist nicht das Vorrücken ins Achtelfinale an sich, sondern der Umstand, dass die Sieben-Tore-Veranstaltung gegen Spartak einen Trend bestätigte. Klopps Mannschaft ist dabei, sich eine gewisse Zuverlässigkeit anzueignen. In der Premier League hat sie ihre chronische Anfälligkeit in der Abwehr im Moment gut im Griff, fuhr souveräne Siege unter anderem gegen Huddersfield Town, West Ham United und Stoke City ein, rang Meister Chelsea ein 1:1 ab und schob sich auf den vierten Tabellenplatz vor. Gegen Moskau machte sie, was von ihr erwartet wurde: Sie gewann, und das sogar überdeutlich.

Das Spiel zeigte auch, das Klopps Männer die richtigen Schlüsse gezogen haben. Vor gut zwei Wochen hatten sie eine 3:0-Führung beim FC Sevilla verspielt und die Entscheidung über den Einzug ins Achtelfinale damit auf das abschließende Vorrundenspiel vertagt. Gegen Moskau hörte das Team nicht auf zu spielen, ging mit einem Drei-Tore-Vorsprung in die Pause und legte gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit nach. "Wir haben aus unseren Fehlern in Sevilla gelernt", stellte der Trainer zufrieden fest.

"Sind natürlich eine Bedrohung"

Seine Mannschaft sieht den kommenden Aufgaben, beginnend mit dem Stadtduell mit dem FC Everton am Sonntag, mit frischem Selbstvertrauen entgegen - und in dem Wissen, über eine Offensive zu verfügen, die zu großen Taten im Stande ist. An den Verkaufsständen an der Anfield Road werden neuerdings Schals vertrieben, die die Angreifer Philippe Coutinho, Sadio Mané, Roberto Firmino und Mohamed Salah als "Fab Four" preisen, als eine Art Beatles in kurzen Hosen, und sie bewiesen gegen Spartak, dass dieser Vergleich angemessen ist. Coutinho traf dreifach, Mané doppelt, Firmino und Salah jeweils einmal. "Wenn wir so spielen und so präzise sind, sind sie natürlich eine Bedrohung", sagte Klopp über seine Stürmer.

Insgesamt 23 Tore hat Liverpool in der Vorrunde geschossen, so viele wie kein englischer Vertreter zuvor, nur Paris Saint-Germain ist mit 25 Treffern besser. Das ist eine Statement, eine Kampfansage. Eigentlich müsste ein Klub mit dieser Offensive zu den Favoriten in der Champions League gehören. Doch dafür muss sich Liverpools Verteidigung noch bewähren, gegen stärkere Teams als Moskau. Schon im Achtelfinale könnte eine solche Bewährungsprobe anstehen. Zu den möglichen Gegnern gehören Juventus Turin, Real Madrid und der FC Bayern.

Quelle: n-tv.de

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