Fußball

WM-Countdown (59) Das Rätsel des russischen WM-Marketings

Sherlock Scheib hat's gefunden: WM-Poster auf dem Manegenplatz in Moskau.

Sherlock Scheib hat's gefunden: WM-Poster auf dem Manegenplatz in Moskau.

(Foto: Katrin Scheib)

Das offizielle Plakat zur Fußball-WM ist sehr retro, sehr cool - und seit seiner Vorstellung im vergangenen November praktisch nirgendwo zu sehen. Warum ein Poster entwerfen und es dann nicht nutzen? Und was sagt Juri Gagarin dazu?

"Die Freude, Juri Gagarin durchs All fliegen zu sehen, wird nur durch die Freude über einen gut gehaltenen Elfmeter übertroffen." Dieses Zitat stammt von einem der besten russischen Fußballer aller Zeiten, einer Legende bis heute: Lew Jaschin, bester Torhüter des 20. Jahrhunderts. "Der Panther" oder "Die Spinne", je nachdem, wen man fragt. Jaschin, das ist ein Name, der noch heute dazu führt, dass jeder russische Fußballfan ein bisschen aufrechter steht.

Kein Wunder also, dass Jaschin, die Ikone, auf dem offiziellen Werbeplakat für die Fußball-WM in Russland verewigt wurde. Auf dem Poster springt er nach einem Ball, der an den sowjetischen Satelliten "Sputnik" erinnert, im Video zur Plakatvorstellung taucht auch wieder Gagarin auf.

Das Motiv, das im November 2017 vorgestellt wurde, ist sehr retro, sehr lässig - und sehr selten zu sehen. Eigentlich fast gar nicht. Das restliche WM-Design, mit seinen zwei Leitfarben Rot und Blau, den geschwungenen Linien und dem erdnussartigen Pokal, begegnet einem dieser Tage in Russland ständig. An Flughäfen und in der U-Bahn, auf T-Shirts und Rucksäcken, ja selbst auf Federmäppchen und Teekannen.

Und das Jaschin-Poster? Ich weiß genau einen Ort in Moskau, wo es hängt. Einen. In einer Stadt, die der Fläche nach dreimal so groß ist wie Berlin. Auch im Laden, der offizielles WM-Merchandising verkauft, gibt es das Poster nicht. Vom Organisationkomitee kommt auf eine Mail-Anfrage zum nahezu unsichtbaren Plakat keine Antwort. Lange Facebook-Diskussionen im Freundeskreis drehen sich um die Frage, ob und wo man das Poster wohl kaufen kann. Sie enden im Nichts. Einfach ausdrucken lassen im Copyshop? Dazu ist, natürlich, die Auflösung des von der Fifa veröffentlichten Bildes nicht hoch genug.

Unsere Kolumnistin

Katrin Scheib ist Journalistin, Schalke-Fan und kommt aus dem Rheinland. Als die deutsche Mannschaft 2014 in Brasilien Fußball-Weltmeister wurde, war sie gerade nach Moskau gezogen. Seitdem bloggt sie unter kscheib.de über ihren Alltag und informiert mit ihrem "Russball"-Newsletter jede Woche über den Fußball und die WM-Vorbereitungen in Russland. Und nun schreibt sie für n-tv.de den Countdown, bis das Turnier am 14. Juni beginnt.

Vielleicht liegt es daran, dass das Poster eben diesen ganz eigenen Stil hat, der nicht zur Corporate Identity der WM passt - kein Rot, kein Blau, keine geschwungenen Linien, wo kommen wir denn da hin? Aber warum dann einen Künstler beauftragen, warum dann ein Poster mit viel Tamtam vorstellen? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur: Die Freude, ein solches Poster in der Hand zu halten, würde nur von der Freude, Juri Gagarin durchs All fliegen zu sehen, übertroffen.

Alle Folgen des WM-Countdowns finden Sie hier

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema