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Überraschung in Premier League Burnley-Trainer coacht sich ins Rampenlicht

Trainer Sean Dyche qualifiziert sich beim FC Burnley derzeit für größere Aufgaben.

Trainer Sean Dyche qualifiziert sich beim FC Burnley derzeit für größere Aufgaben.

(Foto: imago/PA Images)

Der FC Burnley pirscht sich in seiner zweiten Premier-League-Saison in Folge an die übermächtigen Sechs heran. Der Klub hat allerdings keine Chance, in den illustren Zirkel einzudringen. Schade, findet unser Kolumnist.

Das Stadion des FC Burnley, das Turf Moor, ist im besten Sinne englisch. Es liegt am Rand der Innenstadt, zwischen Wohnhäusern, Kneipen und Gebrauchtwagenhändlern. Die vier freistehenden Tribünen sind unterschiedlich hoch, man sieht, dass das Wachstum in mehreren Etappen kam und keine Rücksicht nehmen konnte auf architektonische Korrektheit. Von der aus zwei Rängen bestehenden Haupttribüne hat man einen herrlichen Blick über die deutlich flachere Gegentribüne hinweg auf die grauen Backsteinbauten und die grünen Hügel von East Lancashire. Doch so blendend die Aussicht für Besucher des Stadions ist, so eingeschränkt ist die Perspektive für den FC Burnley selbst. Das liegt vor allem an der Beschaffenheit der Premier League.

Die Clarets, auf Deutsch: die Weinroten, überraschen in der nicht mehr ganz jungen Saison. Sie stehen nach elf Spieltagen auf dem siebten Platz - und haben damit Anschluss an die Europapokal-Ränge. Sie sind sozusagen das Beste vom Rest, erster Verfolger der etablierten Spitzenteams aus Manchester (City und United), London (Tottenham, Chelsea und Arsenal) und Liverpool (FC Liverpool - der FC Everton kämpft trotz hoher Ambitionen und der Rückkehr Wayne Rooneys gegen den Abstieg). Das ist eine erstaunliche Leistung angesichts der Tatsache, dass der Klub in der zweiten Saison nach der Rückkehr in Englands Eliteliga eigentlich als Abstiegskandidat gilt. Burnley hat keine Lust, sich den Vorhersagen der Fachleute zu fügen.

Hendrik Buchheister, Jahrgang 1986, ist freier Journalist, schreibt nicht nur über Fußball und berichtet seit dieser Saison aus Manchester über das sportliche Geschehen in England. Just ist sein Buch "Choreo - Kunstwerke aus deutschen Fußball-Fankurven" erschienen.

Hendrik Buchheister, Jahrgang 1986, ist freier Journalist, schreibt nicht nur über Fußball und berichtet seit dieser Saison aus Manchester über das sportliche Geschehen in England. Just ist sein Buch "Choreo - Kunstwerke aus deutschen Fußball-Fankurven" erschienen.

(Foto: Verena Knemeyer)

Trainer Dyche ärgert Großklubs

Der entscheidende Mann dafür, dass sich der Verein zu einem stabilen Mitglied der Spielklasse entwickelt, ist Trainer Sean Dyche. Er ist schon seit fünf Jahren im Amt und damit dritt-dienstältester Coach der Premier League nach Arsène Wenger beim FC Arsenal und Eddie Howe beim AFC Bournemouth. Dyche hat breite Schultern, Glatze und Bart, trägt am Spielfeldrand Anzug und Krawatte und sieht eher aus wie ein Trainer beim Eishockey oder beim American Football. Der 46-Jährige ist kein Magier, er hat einer mäßig begabten Mannschaft eine gute Organisation und Zusammenhalt verpasst und damit in dieser Saison schon den einen oder anderen Großklub geärgert. Das Team schlug Meister FC Chelsea (3:2) und kam zu Punkten gegen Tottenham und Liverpool (beide 1:1). Die beiden jüngsten Siege gegen Newcastle und Southampton (jeweils 1:0) illustrieren ganz gut, dass es sich bei Burnley um eine hart arbeitende und unspektakuläre Elf handelt.

Wenn man die Anzahl der mehr oder weniger gleichwertigen Topteams als Maßstab für die Stärke einer Liga nimmt, dann ist die Premier League tatsächlich die beste Liga der Welt. Doch hinter den großen Sechs herrscht viel Mittelmaß. Das ist an dem Umstand zu erkennen, dass die Aufsteiger Brighton, Huddersfield und Newcastle allesamt gut dastehen in dieser Saison - oder eben daran, dass es der FC Burnley mit bescheidenen spielerischen Mitteln schafft, nach Europa zu schielen.

Spitzengruppe wie einbetoniert

Mehr als der im Moment gehaltene siebte Platz wird allerdings nicht drin sein für den Klub, nicht am Ende der aktuellen Saison und schon gar nicht auf lange Sicht. Zu betoniert ist die Spitzengruppe in der Premier League. Zwar gelingt es immer wieder einzelnen Klubs, den illustren Kreis der großen sechs Klubs aufzubrechen. In der jüngeren Geschichte hießen die Eindringlinge West Ham, Southampton, Everton oder Leicester, das im vergangenen Jahr sogar Meister wurde. Doch keiner dieser Vereine etablierte sich auf Dauer im Hochland der Tabelle. Auch Burnley wird nur mit Applaus und anerkennendem Nicken belohnt werden am Ende der Spielzeit. Das ist schade, denn der Klub macht seit Jahren gute Arbeit - und ein bisschen Abwechslung in der Spitzengruppe täte der Premier League gut.

Doch die branchenüblichen Mechanismen greifen schon jetzt. Trainer Dyche hat sich ins Blickfeld anderer Klubs gecoacht und gilt als Kandidat für den - nach dem Aus von Ronald Koeman - vakanten Posten bei Everton. Möglicherweise muss sich Burnley bald einen neuen Übungsleiter suchen. Die Aussicht für den Verein ist schlechter als für Besucher des Stadions Turf Moor.

Quelle: n-tv.de

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