Fußball

WM-Countdown (1) Berufe in Russland: Du bist ein -ist

Sehen wir hier einen Nachwuchs-Tankisten?

Sehen wir hier einen Nachwuchs-Tankisten?

(Foto: picture alliance / Sergei Ilnits)

So eine WM ist ja auch eine Chance, neue Leute kennenzulernen. Da lohnt es sich, herauszufinden, was der Gesprächspartner denn noch so ist außer Fußballfan. Das nimmt dann, sprachlich gesehen, oft dasselbe Ende.

Wenn es gut läuft ab morgen bei der WM und das mit der Völkerverständigung klappt, kommt man vielleicht irgendwann in die Situation, im Gespräch mit einem russischen Fußballfan mehr austauschen zu wollen als nur den eigenen Namen. Vielleicht möchte man erzählen, was man so von Beruf macht. Und da kommt etwas ins Spiel, woran ich hier in Russland immer wieder Spaß habe: Die pragmatische, schlichte Art, nach der hier viele Tätigkeiten beschrieben werden. Es geht um die Endung -ist, die wir im Deutschen ja auch haben. Sie ermöglicht uns den kürzesten Schüttelreim der Welt: "Du bist/Buddhist."

Trotz der Parallelen zum Deutschen gibt es im Russischen viele neue Wörter auf -ist zu entdecken, die man so noch nicht kannte. Wer beruflich Traktor fährt, ist Traktorist - soweit ganz einleuchtend. Wer Dinge programmiert, ist Programmist. Im Panzer sitzt der Tankist, durch die Stadt fährt einen der Taxist und von oben kommt der Paraschutist. Währenddessen sitzt am Rande der Protokollist und schreibt mit. Plötzlich biegt ein Motoziklist um die Ecke, der Welosipedist kann gerade noch bremsen. Der Metallist kommt von der Schicht nach Hause und wird dort zum Schachmatist: Konzentriert setzt er seinen Springer auf b4. Der Statist steht daneben und schaut zu. Es ist was es ist.

Unsere Kolumnistin

Katrin Scheib ist Journalistin, Schalke-Fan und kommt aus dem Rheinland. Als die deutsche Mannschaft 2014 in Brasilien Fußball-Weltmeister wurde, war sie gerade nach Moskau gezogen. Seitdem bloggt sie unter kscheib.de über ihren Alltag und informiert mit ihrem "Russball"-Newsletter jede Woche über den Fußball und die WM-Vorbereitungen in Russland. Und nun schreibt sie für n-tv.de den Countdown, bis das Turnier am 14. Juni beginnt.

Wer Dinge versteigert, ist ein Auktionist, und wenn er genug Geld damit verdient hat wird er vielleicht einmal zum Finanzist. Apropos: Der Wirtschaftsexperte ist, natürlich, ein Ekonomist, der Zahnarzt ein Dantist, der Masseur ein Massagist und der Rechtsexperte ein Jurist. Es sei denn, er beglaubigt allerlei Dokumente. Dann ist er ein Notarius und passt zwar nicht in diese Liste, liefert aber einen guten Anlass, um schnell klarzustellen: Natürlich funktionieren nach diesem Prinzip nicht alle Berufsbezeichnungen in der russischen Sprache. Es gibt die Jobs auf -or wie Architektor und Kompositor, die auf -eft wie Therapeft und Pharmazeft und viele weitere Grüppchen, die nichts mit dem -ist-Zustand zu tun haben. Wie auch der Arzt, der Wratsch heißt - abgeleitet vom proto-indoeuropäischen Wort für das Geräusch, das ein Heftpflaster macht, wenn man es mit ordentlich Schwung abreißt. Oder so.

Was alles nichts daran ändert, dass man, gerade bei einem Sportturnier, die -ist-Wörter gut brauchen kann. Denn so, wie es den Basketbolist, den Volleybolist, den Tennisist und den Hockeyist gibt, ist der Mann da unten auf dem Platz, der gerade ein Tor geschossen hat, selbstverständlich ein Futbolist. Und man kann nur hoffen, dass weder er noch einer seiner Kollegen einen Anlass geben, ein letztes russisches -ist-Wort zu benutzen: Dopingist.

Alle Folgen des WM-Countdowns finden Sie hier

Quelle: n-tv.de