Fußball

WM-Countdown (2) Alkohol genießen in vollen Zügen

Ob die Stimmung auch nach 42 Stunden Zugfahrt noch gut ist? Kommt auf die Getränke an!

Ob die Stimmung auch nach 42 Stunden Zugfahrt noch gut ist? Kommt auf die Getränke an!

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Was macht man als Fußballfan in Russland, wenn man fast 42 Stunden Zugfahrt vor sich hat? Man trinkt sie sich schön, mit offiziellem Segen der russischen Eisenbahn. Heikel ist allerdings, was es dazu zu essen gibt.

Was sollen wir trinken, sieben Tage lang? Nein, halt, das ist unfair. So lange dauern die Zugfahrten vom einen WM-Austragungsort zum anderen nun auch wieder nicht. Höchstens mal einen Tag oder zwei - wer zum Beispiel von Moskau den Fan-Zug zum Spiel zwischen Deutschland und Schweden in Sotschi nimmt, der ist nach offizieller Zählung 41 Stunden und 59 Minuten unterwegs. Es könnte schlimmer sein. Es könnte 42 Stunden dauern.

Die Frage, was man da trinkt, ist nicht ganz uninteressant. Alkoholkonsum an öffentlichen Plätzen ist in Russland verboten; schon dass es während der Weltmeisterschaft im Stadion Bier gibt ist eine Ausnahme, damit die Unternehmensleitung von WM-Sponsor Budweiser nicht jeden Abend ihr Kopfkissen nass weinen muss. Nun ist auch so ein Bahnhof und vor allem ein Zug ein öffentlicher Ort, weshalb man auch da keinen Alkohol trinken darf.

Offiziell ist die einzige Ausnahme der Speisewagen, inoffiziell scheint auch die komplette Business Class als Speisewagen definiert zu sein: Neulich, auf der Heimfahrt von St. Petersburg nach Moskau, gab es nur noch Business-Karten, wodurch man in den Genuss eines am Platz servierten warmen Essens kam, um Längen besser als auf jedem Flug. Mit Eis zum Nachtisch und, wenn man wollte, Wein. Um den Passagier nicht um die Mindestausschankmenge zu betrügen, die garantiert irgendwo festgeschrieben ist, bekam einfach jeder direkt zwei der sehr kleinen, aber standfesten Weingläschen. So kann man es sich gefallen lassen, ein paar Stunden aus dem Fenster zu gucken und in die große Russland-im-Sommer-Sentimentalität geschaukelt zu werden. Hach, ne Birke. Hach, noch eine. Hach, ein See. Mit Birken.

Unsere Kolumnistin

Katrin Scheib ist Journalistin, Schalke-Fan und kommt aus dem Rheinland. Als die deutsche Mannschaft 2014 in Brasilien Fußball-Weltmeister wurde, war sie gerade nach Moskau gezogen. Seitdem bloggt sie unter kscheib.de über ihren Alltag und informiert mit ihrem "Russball"-Newsletter jede Woche über den Fußball und die WM-Vorbereitungen in Russland. Und nun schreibt sie für n-tv.de den Countdown, bis das Turnier am 14. Juni beginnt.

Ein Gläschen für die Zugbegleiter, bitte

Nun gab es für die WM-Züge, in denen Besitzer einer Fan-ID kostenlos mitfahren dürfen, die Überlegung, das mit dem Alkohol komplett zu verbieten. Nicht realistisch in der Umsetzung vielleicht, aber doch nachvollziehbar als Wunsch. Doch nun kam die offizielle Erklärung: Getränke bis 16,5 Prozent Alkohol wird es auch in den Fanzügen geben, also sicherlich Bier und Wein, theoretisch ginge auch Sherry oder ein leichter Eierlikör, wer weiß, Russland überrascht einen ja immer mal wieder. Kollektives Aufseufzen bei den Fans, jedenfalls bei denen, die diese Diskussion mitbekommen hatten.

Was übrigens direkt mit bekanntgegeben wurde: Welches Essen in den Fan-Zügen serviert wird. Ein fahrender Zug, dessen Insassen eisern bis zum Zielbahnhof sitzen bleiben - da sah ein kluger Mensch die Chance, ausländische Gäste mit russischer Küche zu konfrontieren. Schtschi steht also auf dem Speiseplan, das ist Kohlsuppe, und Soljanka - auch das eine Suppe, in der zwischen Fleisch und Gurken gerne mal Kohl drin schwimmt. Fanzug-Fazit also: Es gibt Alkohol, es gibt Essen dazu, das die Verdauung beschleunigt, und es gibt Passagiere, die ein, zwei Tage lang in der entsprechenden Atmosphäre marinieren. Da wird sicher auch das Bahn-Personal das ein oder andere Gläschen brauchen, um diese Fahrt durchzustehen.

Alle Folgen des WM-Countdowns finden Sie hier

Quelle: n-tv.de