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Pleite in Bremen - "wie verhext" 1. FC Köln demnächst dann öfter montags

"Wie das 2:1 fällt, ist natürlich Wahnsinn": Kölns Torwart timo Horn hadert - hier gemeinsam mit seinem Kapitän Jonas Hector.

"Wie das 2:1 fällt, ist natürlich Wahnsinn": Kölns Torwart timo Horn hadert - hier gemeinsam mit seinem Kapitän Jonas Hector.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Die Konkurrenz im Abstiegskampf der Fußball- Bundesliga patzt und bietet dem 1. FC Köln die Chance auf so etwas wie Hoffnung. Doch dann folgt das alte Lied. Nach der Pleite in Bremen rückt der sechste Abstieg der Klubgeschichte immer näher.

"Montag ist Ruhetag" stand in großen roten Buchstaben auf einem Plakat, das im Bremer Weserstadion in der Fankurve des 1. FC Köln hing. Damit wollten die Anhänger an diesem Abend ihren Unmut über die Ansetzung der Partie bei Werder Bremen am ersten Wochentag kundtun. Doch dieser Montag, dieser 12. März, hätte trotz des Protests der Tag der Kölner werden können. Er hätte es sogar werden müssen. Wenn sie tatsächlich noch Hoffnung im Kampf gegen den sechsten Abstieg hätten schöpfen können, dann an diesem 26. Spieltag.

Die Konkurrenten in der Fußball-Bundesliga hatten alle verloren. Mainz auf Relegationsplatz 16 am Freitag mit 0:1 gegen Schalke. Der Tabellen-15., Wolfsburg, war am Samstag beim 0:3 in Hoffenheim chancenlos gewesen und der 17., der Hamburger SV, beim 0:6 in München regelrecht überrollt worden. Ein Sieg in Bremen also und Köln wäre erstmals seit dem 0:3 in Augsburg am 9. September nicht mehr Schlusslicht gewesen, hätte den letzten Tabellenplatz an den HSV abgegeben und den Rückstand zu Mainz auf fünf Punkte verringern können.

Ruhetag im Weserstadion.

Ruhetag im Weserstadion.

(Foto: imago/Eduard Bopp)

Hätte. Wäre. Der Konjunktiv klang verlockend - doch er ist der harten, rauen Gegenwart gewichen. Köln verlor nach einer viel zu passiven ersten Halbzeit und zwei viel zu leichten Gegentoren im zweiten Durchgang mit 1:3 (0:1). Und während die Bremer mit diesem Sieg nun fünf Punkte zwischen sich und den Relegationsplatz gebracht haben, sind die Kölner nach einem halben Jahr immer noch Ligletzte. "Bitter, jedes Mal bitter. Es ist wie verhext. Was soll ich da noch sagen?", meinte Verteidiger Dominique Heintz. "Heute ist ein schwerer Tag. Es tut weh", ergänzte Trainer Stefan Ruthenbeck. Beide betonten zwar, dass man jetzt nach vorne schauen und sich auf das kommende, schwere Heimspiel am Sonntag gegen Bayer 04 Leverkusen vorbereiten wolle. Dass man nicht aufgeben werde, so lange "rechnerisch noch alles möglich ist". Doch die Gelegenheiten, sie werden eben weniger und weniger. Dis zu Mainz auf Relegationsplatz sind es bei noch acht ausstehenden Partien acht Zähler.

"Und dann ist es das alte Lied"

Da helfen den Kölnern auch nicht die lobenden Worte von Werders Trainer Florian Kohfeldt, der hervorhob, dass es "zwei, drei Situationen gab, in denen das Spiel hätte kippen können. In der zweiten Halbzeit hat uns Köln große Probleme bereitet". Doch wie so oft reagierten die Kölner erst, als sie in Rückstand geraten waren. Milos Veljkovic drosch in der 33. Minute einen Eckball von Zlatko Junuzovic freistehend ins Tor. Der quirlige Milot Rashica hatte kurz vor der Pause gar das 2:0 auf seinem rechten Fuß. Köln hingegen zu brav, hatte keine echte Torchance.

Nach dem Wechsel stellte Ruthenbeck um, beorderte Claudia Pizarro an alter Wirkungsstätte ins Sturmzentrum und brachte mit Leonardo Bittencourt und Salih Özcan zwei belebende Akteure. Es dauerte nur acht Minuten, bis diese offensivere Ausrichtung belohnt wurde. Pizarro passte in den Lauf von Yuya Osako und der Japaner schoss zum 1:1 ins linke Toreck (53.). "Und dann ist es das alt bekannte Lied bei uns, dass es keine fünf Minuten dauert, bis wir uns wieder einen fangen. Das darf einfach nicht passieren", sagte Torwart Timo Horn. In der 58. Minute hatten seine Vorderleute tief in Bremens Hälfte den Ball, doch einen harmlosen Kopfball von Mittelfeldmann Marco Höger fing Werders Florian Kainz ab. Der Österreicher spielte in den Lauf von Rashica und der Kosovare schob den Ball an Horn vorbei ins Tor. "Wie das 2:1 fällt, ist natürlich Wahnsinn - aus einer vollkommen ungefährlichen Situation laden wir die Bremer ein, zu kontern", haderte Horn.

"Solch einen Kopfball hat Claudio schon 100 Mal gemacht - heute macht er ihn nicht."

"Solch einen Kopfball hat Claudio schon 100 Mal gemacht - heute macht er ihn nicht."

(Foto: imago/DeFodi)

Claudio Pizarro vergibt 2:2

Köln gab trotz des Rückstandes tatsächlich nicht auf, spielte gefällig, kombinierte sicher und hatte die größte Ausgleichschance durch den Mann, der mit 104 Treffern immer noch Werders Rekordtorschütze ist - Claudio Pizarro. Marcel Risse hatte von rechts auf den völlig freistehenden Peruaner geflankt, doch der 39-Jährige köpfte den Ball knapp neben das Tor.

"Solch einen Kopfball hat Claudio schon 100 Mal gemacht - heute macht er ihn nicht", konstatierte Ruthenbeck. "Normalerweise muss ich den machen. Ich habe den Ball nicht richtig getroffen", sagte Pizarro, der in der Schlussminute das dritte Bremer Tor von Maximilian Eggestein mitansehen musste.

Ein Unentschieden wäre drin gewesen für Köln und hätte zwar gereicht, um sich auf Platz 17 zu verbessern. Doch im Kampf um den Klassenerhalt wäre selbst ein Zähler wohl zu wenig gewesen. "Ich wünsche dem 1. FC Köln alles Gute und glaube, dass mit der Art, wie er Fußball spielt, noch viel möglich ist", sagte Florian Kohfeldt. Klingt nett, doch den Kölnern wären böse Worte des Bremer Trainers nach einer Heimniederlage lieber gewesen.

Und so ging der FC im 26. Bundesligaspiel zum 17. Mal als Verlierer vom Platz. Der Abstieg ist rein rechnerisch noch abwendbar, realistisch betrachtet aber nur noch eine Frage der Zeit. Und so wird es kaum noch zu vermeiden sein, dass der Montag kommende Saison für die Kölner kein Ruhetag ist, sondern öfter mal ein Arbeitstag sein wird. Denn in der Zweiten Liga wird jede Woche montags gespielt.

Quelle: n-tv.de

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