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Fernando Torres sagt Adios Das Raubtier mit dem Kindergesicht

Gewohntes Bild - Torres jubelt.

Gewohntes Bild - Torres jubelt.

(Foto: imago/Cordon Press/Miguelez Sports)

Heute verabschiedet sich einer vom Spitzenfußball, der alles gewonnen hat. Zur selben Zeit, was einmalig ist. Nun bietet das Europa-League-Finale für Fernando Torres die Möglichkeit eines weiteren Triumphes. Höchste Zeit für ein paar warme Worte.

Die Geschichte beginnt in Fuenlabrada, Madrid. 29 Jahre später ist Fernando José Torres Sanz Weltmeister, Europameister, Champions-League- und Europa-League-Sieger. Im Profifußball. Und alles zur selben Zeit. Inklusive Karriereknick, was die Sache noch einmaliger machen dürfte. 34 Jahre später verabschiedet sich "El Niño" von der ganz großen Bühne. Heute bestreitet er mit Atlético Madrid das Finale der Europa League (20.45 Uhr gegen Olympique Marseille). Neben der Europameisterschaft mit Spanien hat der Angreifer somit die Möglichkeit, auch diesen Titel gleich zweimal zu gewinnen. Am Ende der Saison ist dann bei seinem Herzensverein Schluss.

Aber der Reihe nach. Torres wächst inmitten von Real-Fans auf, denn alle seine Freunde fiebern für den großen Stadrivalen. Nur Fernandos Opa nicht. Der glüht für "Atleti". Es dauert nicht lange, da glühen sie zu zweit. Mit sechs Jahren spielt Torres in der Jugendmannschaft von Atlético Madrid und schießt dort Tore wie am Fließband. Und so geht es jahrelang weiter - inklusive vieler Auszeichnungen. Und vermutlich einem Satz roter Ohren, denn der Junge ist fast krankhaft schüchtern. Mit gerade einmal 17 Jahren feiert Torres dann sein Debüt in der Profimannschaft von Atlético. Wegen seines jugendlichen Aussehens erhält er den Spitznamen "El Niño" - das Kind. Mit 21 ist er Kapitän. Viele weitere Tore folgen. Und die Mechanismen des Marktes greifen.

Keine hohle Geste - Torres liebt sein Atleti.

Keine hohle Geste - Torres liebt sein Atleti.

(Foto: imago/Cordon Press/Miguelez Sports)

Desaster an der Themse

2007 wechselt Torres zum FC Liverpool nach England. Und er rockt die Reds. Wird Publikumsliebling und reift auf der Insel zum Weltklassestürmer. Fernando furios. Hier holt er sich die nötige Robustheit, die neben seinem Instinkt und seinen technischen Fähigkeiten maßgeblich dazu beiträgt, dass er gemeinsam mit der spanischen Nationalmannschaft Europa-, Welt- und wieder Europameister wird. Im EM-Finale 2008 gelingt ihm der Siegtreffer zum 1:0 gegen Deutschland. Bei der EM 2012 wird er Torschützenkönig.

Was umso bemerkenswerter ist, als dass Torres sich in diesen Jahren verwechselt hat und seine Karriere auf Vereinsebene eigentlich schon fast beendet schien. Denn 2011 folgt er dem Ruf des Geldes und geht zum FC Chelsea. Ein Desaster. Trotz Champions- und  Europa-League-Siegen. Torres findet sich inmitten des Londoner Star-Ensembles nicht zurecht. Trifft das Tor nicht mehr. Wird Ersatzspieler und von den Fans verspottet. Fernando fatal. Im Rückblick gibt Torres preis, dass er sich in dieser Zeit als Spieler selbst nicht leiden konnte. Nach drei Jahren ist Schluss an der Themse, nur um beim AC Mailand für ein Jahr genauso glücklos weiterzukicken.

Nein, nicht Fernando, sondern einer von vielen Fans.

Nein, nicht Fernando, sondern einer von vielen Fans.

Dann vor drei Jahren die Erlösung: Torres kehrt nach Hause zurück, zu Atlético Madrid. Bei seiner Vorstellung im heimischen Estadio Vicente Calderón wird er von 50.000 Menschen begeistert empfangen. Hier lieben sie ihn, und er liebt sie. Und er startet wieder durch. Gemeinsam mit seinem Freund und Angriffspartner, dem genialen Franzosen Antoine Griezmann, mischt er auch die spanische Liga auf. Atlético hat sich indes vom Chaos- und Skandalclub zu einer etablierten Größe im spanischen und internationalen Fußball gemausert.

Ohne Pomp und Pose, aber mit Pomade

Wenig verändert hat sich hingegen Fernando Torres. Im besten Sinne. Noch immer schleicht er mit der Eleganz einer Großkatze mit leicht gesenktem Kopf über den Platz, um wenig später zu explodieren. Mit Griezmann einen Konter zu fahren oder einfach wieder am richtigen Ort zu sein und eiskalt zu vollstrecken oder aber eine Vorlage zu geben. Denn Torres war nie nur Torjäger, sondern auch Mannschaftsspieler. Vor allem aber ist er Vollblutstürmer, der alleine durch seine Anwesenheit auf dem Platz gegnerische Abwehrreihen in eine Herde Gnus verwandeln kann. Denn die wittern das Raubtier in ihm. Seinem Spitznamen zum Trotz.

Torres ist nach wie vor treffsicher.

Torres ist nach wie vor treffsicher.

(Foto: imago/Marca)

Privat ist Fernando Torres ein zurückhaltender und sympathischer Mann geblieben. Er ist mit seiner Jugendliebe verheiratet und hat mit ihr drei Kinder. Pomp und Pose war nie seine Sache, Pomade hingegen schon. Es muss an seiner Schüchternheit liegen, dass er trotz seines guten Aussehens, den obligatorischen Tätowierungen und den entsprechenden Frisuren kein Interesse daran hatte, sich als globale Werbefigur und Posterboy das Gehalt aufzubessern. Torres war und ist vor allem Profi.

Und als solcher hat er die Zeichen der Zeit erkannt und seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag nicht verlängert. Obwohl ein entsprechendes Angebot vorlag. Schließlich haben seine Konkurrenten im Sturm ein paar Jahre weniger auf dem Tacho. So musste sich Torres zuletzt auch damit begnügen, nur noch als Einwechselspieler zum Einsatz zu kommen - was er klaglos hingenommen hat. Beenden will er seine Karriere hingegen nicht, möchte weiter Fußball spielen. Vermutlich in China, Japan oder den USA, womit dann auch die Altersvorsorge seiner künftigen Ururenkel gesichert ist.

Aber dies wird ihn heute Abend nicht interessieren. Schließlich gilt es, mit seinem "Atleti" den ersten großen Titel zu gewinnen. Fernando finale. Tränen wird es dann geben. Entweder aus Freude oder eben Enttäuschung. Und wegen des Abschieds. Denn nicht nur Atlético Madrid muss sich von einer Vereinsikone verabschieden, sondern auch Torres von seinem geliebten Klub. Und der internationale Spitzenfußball von einem Ausnahmekönner. Zeit für feuchte Augen also.   

Quelle: n-tv.de

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