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Tenhagens Tipps Muss man die Amazon-Karte haben?

Wer es eigentlich auf eine günstige Kreditkarte abgesehen hat, sollte sich anderweitig umschauen.

Wer es eigentlich auf eine günstige Kreditkarte abgesehen hat, sollte sich anderweitig umschauen.

(Foto: imago/Ikon Images)

Das fehlte gerade noch: Der Internet-Handelsriese Amazon bietet seinen Prime-Kunden nun auch eine kostenlose Visa-Kreditkarte an und lockt obendrein mit noch ein paar Vorteilen. Ob Kunden tatsächlich von dem neuen Angebot profitieren, weiß Finanztip-Chef Tenhagen.

Das fehlte gerade noch: Der Internet-Handelsriese Amazon bietet seinen Prime-Kunden nun auch eine kostenlose Visa-Kreditkarte an und lockt obendrein mit noch ein paar Vorteilen. Ob Kunden tatsächlich von dem neuen Angebot profitieren, weiß Finanztip-Chef Hermann-Josef  Tenhagen.

n-tv.de: Amazon macht das Shoppen mit seiner "Amazon.de Prime Visa Karte" jetzt sogar rentabel. Stimmt doch, oder, Herr Tenhagen?

Hermann-Josef Tenhagen: Na ja, wenn man shoppt, gibt man ja erst mal Geld aus. Und wenn man hinterher irgendeinen Bonus bekommt, ist das zwar schön, aber man hat das Geld ja trotzdem ausgegeben. Wer allerdings sowieso viel bei Amazon einkauft, kann mit der Karte als Prime-Kunde einen Bonus mitnehmen. So eine Prime-Mitgliedschaft gibt es für 69 Euro.

Wie viele Bonuspunkte gibt es denn?

Im Rahmen der Kartenzahlung gibt es drei Prozent Nachlass auf Amazon-Einkäufe in Form von Bonuspunkten, die dann wiederum bei dem Online-Händler eingelöst werden können. Für Einkäufe außerhalb des Angebots von Amazon gibt es 0,5 Bonuspunkte. Außerdem ist es möglich, die Karte auch ohne Prime-Mitgliedschaft bei Amazon-Einkäufen einzusetzen. Dann bekommen Kunden aber nur einen Cashback von zwei Prozent in Form von Bonuspunkten.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Wo liegen die Tücken?

Die größte Tücke ist, dass es sich um eine Revolving-Card handelt. Da muss man ordentlich aufpassen, um nicht ordentlich Zinsen zu zahlen.

Erklären Sie mal - was ist denn eine Revolving-Card?

Die klassische Kreditkarte ist eine Charge-Card. Das heißt, ich gebe mit ihr Geld aus und einmal im Monat zu einem bestimmten Termin wird mit dem Betrag, den ich via Karte ausgegeben habe, zum Beispiel mein Girokonto belastet. Bis dahin habe ich Kredit. Im günstigsten Fall werden derart keine Zinsen berechnet. Der angefallene Betrag wird dann komplett beglichen.

Bei einer Revolving-Card kaufe ich zunächst genauso ein, allerdings wird zum Stichtag nicht der gesamte Betrag getilgt, sondern beispielsweise nur 10 Prozent davon. Es wird also nur eine Teilzahlung fällig. Der Rest bleibt auf der Karte stehen. Und hierfür fallen dann Zinsen an. Im konkreten Fall sind das bei der Amazon-Karte 14,98 Prozent. Kartennutzer sollten also tunlichst darauf achten, dass sie die Revolving-Funktion abschalten, was auch bei der Prime Visa möglich ist.

Gibt es weitere Nachteile?

Ja, wenn die Karte zum Geldabheben genutzt wird, kostet das drei Prozent Gebühren beziehungsweise mindestens 7,50 Euro. Fürs Zahlen oder Abheben in fremden Währungen verlangt die Bank 1,75 Prozent. Wird die Karte als Charge-Card genutzt, muss sich auf dem zu belastenden Konto auch ein Guthaben befinden, welches dann aber kostenlos abgehoben werden könnte.

Aber umsonst ist die Karte doch wenigstens?

Jein. Wenn man sie als Prime-Mitglied beantragt, ist ein Startguthaben von 70 Euro für Amazon-Einkäufe inklusive. Mit der Gutschrift zum Start bekommt man also die Mitgliedschaft für ein Jahr umsonst, womit der Konzern sicherlich auch Kunden ködern möchte. Ab dem zweiten Jahr werden 19,99 Euro je Hauptkarte berechnet, was jedoch für Prime-Mitglieder auch dann vollständig entfällt.

Ihr Fazit?

Wer sowieso viel bei Amazon einkauft und ohnehin Prime-Kunde ist, der kann die Boni gut mitnehmen und dadurch einen kleinen Rabatt bei seinen Einkäufen ergattern. Wer es jedoch eigentlich auf eine günstige Kreditkarte abgesehen hat, sollte sich anderweitig umschauen.

Und, welche Kreditkarten können Sie stattdessen empfehlen?

Wir empfehlen dann die von Santander, DKB, Barclaycard, ING-Diba und Consorsbank. Allerdings mit der Einschränkung, dass auch bei Santander und Barclay auf das Abschalten der Revolving-Funktion geachtet werden muss, um nicht doch Gebühren zu zahlen.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de ,

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