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Mehr Rechte für Rückkehrwillige Die Brückenteilzeit geht an den Start

Bisher hat der Arbeitnehmer kein Recht darauf, wieder in Vollzeit zurückzukehren.

Bisher hat der Arbeitnehmer kein Recht darauf, wieder in Vollzeit zurückzukehren.

(Foto: imago/CHROMORANGE)

Mehr als 15 Millionen Menschen in Deutschland arbeiten in Teilzeit. Manche von ihnen haben freiwillig ihre Arbeitszeit reduziert. Für diese soll es nun per Gesetz möglich werden, wieder in Vollzeit zurückzukehren. Das sollten Arbeitnehmer jetzt wissen.

Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt: 50 Prozent der Männer und gut 40 Prozent der Frauen würden ihre Arbeitszeit gern um mindestens 2,5 Wochenstunden verkürzen. Aber 17 Prozent der Frauen und 10 Prozent der Männer würden auch gern mindestens 2,5 Stunden pro Woche länger arbeiten.

Innerhalb von 20 Jahren hat sich die Zahl derer, die in Teilzeit arbeiten, fast verdoppelt. Fast 40 Prozent der Arbeitnehmer bekleiden keine Vollzeitstelle mehr. Die Gründe dafür sind vielfältig: beispielsweise Kinder, Pflege von Angehörigen oder ein entsprechendes Freizeit- und Erholungsbedürfnis. Vor allem Frauen arbeiten in Teilzeit, mehr als die Hälfte von ihnen. Aber auch Männer wollen oder müssen kürzertreten, was jedoch besonders in qualifizierten Berufen nicht immer auf das Verständnis der Arbeitgeber stößt. Trotz entsprechendem Rechtsanspruch.

Aber abgesehen davon soll es in Zukunft nicht nur ein Recht auf Teilzeit geben, sondern auch eins auf die Rückkehr in Vollzeit. Ein Gesetzentwurf der SPD zur geplanten Brückenteilzeit wurde heute nach zähem Ringen mit der CDU im Bundeskabinett verabschiedet. Nun muss noch der Bundestag zustimmen.

Als Brückenteilzeit bezeichnet Bundesarbeitsminister Hubertus Heil die Neuregelungen übrigens deshalb, weil sie "eine Brücke von der Teilzeit in die Vollzeit bauen sollen, damit die Arbeit zum Leben passt".

Anbei die wichtigsten Fragen zum Thema:

Wer hat bisher überhaupt Anspruch auf eine Teilzeitstelle?

Nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) jeder Arbeitnehmer, dessen Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate besteht, vorausgesetzt, der entsprechende Arbeitgeber beschäftigt mehr als 15 Mitarbeiter. Auszubildende werden nicht mitgerechnet. Auch betriebliche Gründe, wie zum Beispiel feste Produktionsabläufe bei Schichtarbeit, können zumindest vorübergehend zu einer Ablehnung des Antrags auf Teilzeitarbeit führen.  

Was soll sich ändern?

Bisher hat der Arbeitnehmer kein Recht darauf, wieder in Vollzeit zurückzukehren. Dies soll die neue Brückenteilzeit ermöglichen. Bisher ist dies nur in der Eltern- oder Familienpflegezeit möglich. Hier können Arbeitnehmer auch schon jetzt ihre Arbeitszeit auf 15 bis 30 Stunden reduzieren und im Anschluss daran wieder per Gesetz auf eine volle Stelle zurückkehren. Alle anderen Berufstätigen, die reduziert gearbeitet haben, waren bisher auf die Kulanz des Arbeitgebers angewiesen.

Wer hat Anspruch auf die Brückenteilzeit?

Nach dem neuen Gesetzentwurf jeder Arbeitnehmer, dessen Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate besteht, vorausgesetzt, der entsprechende Arbeitgeber beschäftigt mehr als 45 Mitarbeiter. Für Unternehmen von 46 bis zu 200 Mitarbeitern wird eine Zumutbarkeitsgrenze eingeführt: Hier muss pro 15 Beschäftigten nur jeweils einem Antrag auf befristete Teilzeit entsprochen werden. Unabhängig von der Betriebsgröße wird der Arbeitgeber verpflichtet, den Veränderungswunsch der Arbeitszeit mit dem Arbeitnehmer zu besprechen. Hierzu kann auf Wunsch des Arbeitnehmers der Personal- oder Betriebsrat hinzugezogen werden.

Die Teilzeitphase muss zwischen einem und fünf Jahren liegen. Eine weitere Verkürzung der Arbeitszeit ist in dieser Periode nicht möglich. Betriebliche Gründe, wie zum Beispiel feste Produktionsabläufe bei Schichtarbeit, können zumindest vorübergehend zu einer Ablehnung des Antrags auf Brückenteilzeit führen.  

Äußert ein Teilzeitbeschäftigter den Wunsch, in Vollzeit zurückzukehren, muss der Arbeitgeber beweisen, dass es einen freien zu besetzenden Arbeitsplatz nicht gibt. Oder dass der Teilzeitbeschäftigte nicht gleich geeignet ist wie andere Bewerber. Ein freier zu besetzender Arbeitsplatz liegt vor, wenn der Arbeitgeber die Organisationsentscheidung getroffen hat, diesen zu schaffen oder einen unbesetzten Arbeitsplatz neu zu besetzen.

Ab wann soll es den Rechtsanspruch auf die Wiederkehr in Vollzeit geben?

Ab dem 1. Januar 2019. Auch für jene, die ab diesem Zeitpunkt in Teilzeit gehen. Das Gesetz soll auch für alle diejenigen gelten, die bereits in Teilzeit sind und ihre Arbeitszeit wieder verlängern wollen.

Was gilt für die Antragstellung?

Der Antrag muss mindestens drei Monate vor der geplanten Reduzierung schriftlich gestellt werden. Der Arbeitgeber kann bis einen Monat vor dem genannten Termin schriftlich widersprechen. Ansonsten gilt der Antrag als genehmigt.

Welche Fristen gelten?

Der Antrag muss mindestens drei Monate vor Beginn der gewünschten Veränderung in Textform gestellt werden.
 Wer nach der Teilzeitphase seine Stunden wieder reduzieren will, kann dies frühestens nach einem Jahr.

Gibt es Kritikpunkte?

Arbeitgeberverbände beanstanden hingegen die abnehmende Souveränität bei der Arbeitszeitgestaltung und die erschwerte Personaleinsatzplanung. Der Deutsche Gewerkschaftsbund begrüßte zwar die Zustimmung im Kabinett als "wichtigen Schritt". Der Entwurf enthalte "spürbare Fortschritte, auch wenn er deutlich hinter den gewerkschaftlichen Vorstellungen zurückbleibt". Nötig sei mehr Arbeitszeitsouveränität für alle Beschäftigten.

Quelle: n-tv.de

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