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Nach Abmahnung von Verbraucherschützern Care Energy schraubt an Geschäftsbedingungen

250.000 Kunden beziehen ihren Strom über Care Energy. Verbraucherschützern ist der Billig-Stromanbieter nicht geheuer. Denn nicht nur die Preise sind ungewöhnlich günstig, auch die Vertragsmodalitäten weichen ab von dem, was in der Branche üblich ist. Nun will Care Energy transparenter werden.

Nach einer Abmahnung der Verbraucherzentralen hat der Stromdienstleister Care Energy seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) geändert. In den AGB werde künftig nur noch ein einziges zur Unternehmensgruppe gehöriges Unternehmen als Vertragspartner genannt, teilte Care Energy heute mit. Die Firma "mk-power Ihr Energiedienstleister GmbH" "war und ist" demnach alleiniger Vertragspartner der Kunden. Hinter der Marke Care Energy  steht der Unternehmer Martin Kristek, dessen Initialen sich im  Namen der Unternehmensgruppe mk-power wiederfinden.

Care Energy bietet Ökostrom zum Dumpingpreis. Verbraucherschützer bezweifeln, dass das Geschäftsmodell tragfähig ist.

Care Energy bietet Ökostrom zum Dumpingpreis. Verbraucherschützer bezweifeln, dass das Geschäftsmodell tragfähig ist.

Care Energy versteht sich ausdrücklich nicht als Energieversorger, sondern als Dienstleister oder sogenannter "Contractor". Daraus leitet die Firma eine Sonderstellung ab, etwa bei der EEG-Abgabe. Care Energy zahlt weniger Umlage und  kann deshalb Strom sehr günstig anbieten - aktuell für knapp 20 Cent pro Kilowattstunde. 

Verwirrendes Firmengeflecht

Der Verbrauchzentrale Bundesverband (vzbv) hatte den Energiediscounter Anfang Mai wegen unlauterer Werbung abgemahnt. Der Vorwurf: Es sei nicht klar, von welchem Unternehmen der mk-Gruppe die Care Energy-Kunden mit Strom beliefert werden. Die Auftragsbestätigung nenne zwei verschiedene Unternehmen, in den AGB tauche eine dritte Firma auf und im Impressum der Website seien sieben verschiedene Firmen gelistet. Kunden hätten aber das Recht zu wissen, wer ihr Vertragspartner sei und welche Leistungen ihnen zustünden, so die Verbraucherschützer. Spätestens im Fall einer Insolvenz wird diese Frage wichtig.

Außerdem hatten die Verbraucherschützer eine Vollmachtsklausel im Auftragsformular kritisiert. Sie räumte mk-power laut vzbv "umfangreiche Befugnisse" ein, Verträge im Namen der Kunden abzuschließen und zu kündigen. Care Energy formuliert die AGB nun konkreter. Man werde auch künftig die "branchenübliche Vollmacht verwenden", die es der Firma ermögliche, für den Kunden den Anbieterwechsel zum neuen Versorger durchzuführen. Nun habe man aber klargestellt, dass die Vollmachten mit der Kündigung bei mk-power endeten. Zwar habe Care Energy bereits in der Vergangenheit die Vollmacht nach Vertragsende nicht mehr ausgeübt, teilte das Unternehmen mit. Eine entsprechende Klausel sei nun jedoch "im Interesse der Transparenz für den Kunden ausdrücklich in die AGB aufgenommen" worden.

Auch beim Preiserhöhungsrecht hat Care Energy nachgebessert und Unklarheiten beseitigt. Bei einseitigen Vertragsänderungen von Unternehmen hätten Kunden wie bisher ein Sonderkündigungsrecht, mit dem sie ohne lange Kündigungsfristen aus einem Vertrag herauskämen. Kündige künftig ein Kunde seinen Vertrag und nenne keinen neuen Energieanbieter, falle er "automatisch in die Grundversorgung seines örtlichen Netzbetreibers", erklärte Care Energy.

Verbraucherrechte ausgehebelt?

Die Verbraucherschützer hatten kritisiert, dass Kunden von Care Energy bei Vertragsabschluss durch das Geschäftsmodell des Unternehmens wichtige Rechte abgeben. Demnach übertragen Kunden bei Vertragsabschluss mit der mk-group dem Unternehmen ihren Hausanschluss. Der vzbv befürchtete, dass die Schutzrechte aus dem Energiewirtschaftsgesetz damit für die Verbraucher nicht mehr greifen.

Zu den Schutzrechten aus dem Energiewirtschaftsgesetz gehört der Anspruch auf Ersatz- oder Grundversorgung, wenn etwa ein Energieanbieter pleite geht und seinen Strom nicht mehr durch die Netze der örtlichen Versorger leiten kann. Ein Sprecher von Care Energy erklärte, die nun erfolgten Änderungen der AGB seien "rein textlich zur Verdeutlichung" für die Kunden vorgenommen worden. "Bereits vorher wären alle Kunden im Insolvenzfall in die Grundversorgung gefallen", erklärte der Sprecher.

Care Energy mit seinen 250.000 Kunden steht derzeit wegen seines Geschäftsmodells in der Kritik. Bei der Bundesnetzagentur läuft ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen das Unternehmen. Es bestehe der Verdacht, dass  Care Energy eine "innovative Rechtsauslegung" betrieben und damit seine  gesetzlich vorgeschriebene Pflicht umgangen habe, sich als  Energielieferant zu melden.

Stromanbieter im Vergleich

Quelle: n-tv.de , ino/AFP

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