Schmuck & Fashion

Marina Hoermanseder Inspirativer Exhibitionismus

Durch ihre extravaganten Ideen, Leder zu verarbeiten, ist Marina Hoermanseder auf dem besten Weg, sich in der internationalen Modewelt einen Namen zu machen. Lady Gaga gehört schon zu ihren Kundinnen. Was das für die Jungdesignerin bedeutet, verrät sie im Interview.

Unlängst sorgte Marina Hoermanseder für ein großes Medienecho durch ihre Show bei der Berlin Fashion Week. Die Fachwelt ist auf die in Berlin lebende Wienerin also bereits nach ihrem ersten großen Auftritt aufmerksam geworden. Dabei hat sie erst im vergangenen November ihr eigenes Modelabel gegründet. Das Wissen, ein solches zu führen, sollte sie haben. Nachdem sie zunächst ein Wirtschaftsstudium abschlossen hat, verwirklichte sie im Anschluss ihren lang gehegten Traum und ging nach Berlin, um dort an der esmod, der internationalen Hochschule für Mode, zu studieren. Während des Studiums konnte Marina Hoermanseder innerhalb eines Praktikums bei Alexander McQueen in London wertvolle Erfahrung sammeln. Dabei gelang es ihr auch, ihren ganz eigenen Stil zu entwickeln.

Nachdem ihre Diplomkollektion bereits erfolgreich in Berlin, London und Porto gezeigt wurde, stellte sie nun auch im KitzElite Club im Kitzbüheler Hotel A-Rosa Teile ihrer neuen Kollektion vor. Dort sprachen wir mit der jungen Designerin darüber, was man auf dem Weg zum Erfolg investieren muss, was hinter ihrer Mode steckt und wie man darauf kommt, sich von orthopädischen Orthesen inspirieren zu lassen.

Premium Lounge: Sie stehen am Anfang einer hoffentlich erfolgreichen Karriere als Designerin. Wie viel muss man selbst investieren, um in der Branche erfolgreich zu werden?

Marina Hoermanseder: Alles! Alles was man hat, wird investiert. Sowohl zeitlich als auch nervlich und auch finanziell.

Inspiration für Ihre Kollektionen sind orthopädische Orthesen. Wie kommt man darauf? Weil alles andere schon einmal da war?

Die Idee kam mir während meines Praktikums bei Alexander McQueen. Ich wollte dort zunächst lernen, wie man ein Korsett fertigt und bin dann während meiner Recherche auf eine uralte Grafik von einem orthopädischen Korsett aus dem 18. Jahrhundert gestoßen. Das Handwerk hat mich wirklich sehr beeindruckt. Die aufwendige Verarbeitung von Holz, Metall und Leder, alles mit der Hand gefertigt. Dieses Bild hat mich nicht mehr losgelassen und ich habe mich daraufhin auf eine Reise durch die medizinische Fotografie begeben. Diese Inspiration habe ich dann genutzt, um das Konzept in einen modischen Kontext zu bringen. Ich möchte einfach etwas Schönes aus diesem eher negativ behafteten Produkt schaffen.

Sie geben auch Gehirne und Nacktkatzen als weitere Inspirationsquelle an.

Das stimmt, das ist die Weiterführung meiner ersten Kollektion, gewissermaßen wieder medizinisch inspiriert. Ich finde, das Gehirn lässt sich gut mir Leder umsetzen, sich gut daraus formen. Ich empfand das auch als Herausforderung. Die Nacktkatzen waren mir bei der Farbgebung und aufgrund ihrer Falten, die sie am Kopf haben, sozusagen behilflich. Diese findet man in der 3D-Optik meiner Mäntel wieder, die sind den Falten der Nacktkatzen nachempfunden.

Auch durch diese Inspirationsquellen ist Ihre Mode sehr avantgardistisch. Ist es generell wichtig, mit einem solchen Knalleffekt in die Modewelt zu starten?

Man muss definitiv versuchen, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Wenn ich jetzt beispielsweise nur schwarze Overalls schicken würde, würde wahrscheinlich nichts passieren. Einen gewissen inspirativen Exhibitionismus muss man wahrscheinlich beinhart durchziehen, sonst springt am Ende nichts dabei raus. Und das ist tatsächlich auch das, wovon ich jetzt bereits ein wenig profitiere. Man kann meine Mode offenbar nicht ganz in Worte fassen. Man fragt sich doch: Was ist das? Ist es Fetisch, ist es Avantgarde, ist es Mode?

Wie würden Sie es denn beschreiben?

Was ich in meiner letzten Kollektion gemacht habe, war pure Avantgarde. Die aktuelle Herbst-/Winterkollektion ist aber tragbare Avantgarde. Ich habe bewusst extravagante, untragbare Teile mit kommerziellen, aber trotzdem sehr raffinierten, Kleidungsstücken kombiniert. Diese Mischung, normal und extravagant – und seien es nur kleine Lederschnallen im Ärmel – bringt das zum Ausdruck, was ich vermitteln möchte: Sexy sein, eine gewisse Härte ausstrahlen und dennoch feminin wirken.

Machen Sie auch Männermode?

Ja, auf der Fashion Week in Berlin wurden jüngst meine Entwürfe für Sopopular präsentiert. Ich habe alle Leder-Accessoires für das Label gemacht, alles mit schwarzem Leder umgesetzt. In der Damenmode arbeite ich nie mit schwarz, zu dieser Marke passt es aber sehr gut. Damit das Ganze aber nicht zu sehr in die Fetisch-Ecke abtrieb, haben wir sogar die Schnallen und Nieten ebenfalls in Schwarz gehalten und auf Silber verzichtet.

Jemand, der schon bei Ihnen bestellt hat, ist Lady Gaga. Sie gehört seit kurzem zu Ihren Kundinnen. Kann so etwas bereits den Durchbruch für Sie bedeuten?

Das schwer zu sagen. Es muss natürlich auch getragen werden, sie muss darin fotografiert werden und das wiederum muss veröffentlicht werden, damit es zum Durchbruch werden kann. Allerdings bin ich momentan auch froh, dass ich vielleicht noch ein wenig Zeit habe, mich auf einen größeren Erfolg vorzubereiten. Momentan wird alles noch von mir alleine und von Hand gefertigt. Mit ein wenig Planung und mehr Mitteln kann ich dann hoffentlich bald auch eine größere Kundschaft bedienen.

Zu welchen Anlässen tragen Sie Ihre Mode selbst?

Die tragbaren Teile trage ich auf jeden Fall rauf und runter. Ich werde ja seit neuestem auch fotografiert – das ist für mich ja auch neu – und so kann ich selbst für meine Kollektion werben. Deshalb trage ich heute auch Teile daraus, daheim im Schrank helfen sie niemandem weiter.

Ihre Mode ist auch futuristisch, wo soll es mit Ihnen und Ihrem Label in Zukunft hingehen? Gibt es da konkrete Ziele?

Momentan habe ich viele Bestellungen, sowohl Avantgarde als auch tragbare Stücke. Die ausgefalleneren Stücke machen mir ehrlich gesagt mehr Freude, denn tragbare Mode machen viele andere, das ist auch einfacher. Ich bin selbst überwältigt, wie viel Resonanz ich schon jetzt von stylischen Menschen aus aller Welt bekomme. Das ist unglaublich, wie weite Kreise das ziehen kann. Vor allem wenn man bedenkt, dass das alles auf unserem Küchenboden daheim angefangen hat.

Quelle: n-tv.de