Politik

Bislang unbekannter V-Mann Verfassungsschutz war an Amri dran

20. Dezember 2016: Der Lkw-Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz hinterlässt eine Schneise der Verwüstung.

20. Dezember 2016: Der Lkw-Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz hinterlässt eine Schneise der Verwüstung.

(Foto: picture alliance / Bernd von Jut)

Hätten die deutschen Behörden den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz verhindern können? Einem Zeitungsbericht zufolge gab es im Umfeld des islamistischen Attentäters Amri einen weiteren, bislang unbekannten Informanten.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte einem Medienbericht zufolge einen eigenen V-Mann im Umfeld des Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri. Die Bundesbehörde habe "mindestens" eine Quelle in der von Amri besuchten islamistischen Moschee "Fussilet 33" in Berlin-Moabit gehabt, berichtet die "Welt".

Die Verfassungsschützer wollten sich der Zeitung gegenüber nicht dazu äußern. Der V-Mann soll laut "Welt" erst nach Amris Anschlag befragt worden sein und berichtet haben, dieser sei öfter in der Moschee gewesen und habe dort gar als Imam agiert.

Video

Neu ist, dass auch die Bundesbehörde so nah an dem späteren Attentäter dran war. Bekannt war bisher bereits, dass das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen über einen eigenen V-Mann mit Kontakt zu Amri verfügte. Die Berliner Kriminalpolizei überwachte zeitweise die Kommunikation des als potenziellen Terroristen eingestuften jungen Mannes.

"Nicht mehr diese Gefährlichkeit"

Abgehörte Telefongespräche und Chats lieferten der Polizei im Jahr 2016 jedoch keine Hinweise auf einen geplanten Terroranschlag des späteren islamistischen Attentäters Anis Amri. Das zumindest erklärte ein früherer Sachbearbeiter bei der Berliner Kriminalpolizei Anfang Mai im Berliner Untersuchungsausschuss zu dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt.

Bei der Auswertung der abgehörten Kommunikation Amris seien im Sommer 2016 keine Punkte zum Thema Terrorismus festgestellt worden, sagte der Zeuge. Allerdings habe die Polizei zunehmend bemerkt, dass Amri salafistischen, also radikalislamistischen, Ideen anhänge. So habe Amri damals über einen Mitbewohner gesagt, dass der kein echter Muslim sei, schilderte ein LKA-Mitarbeiter. Außerdem habe er immer wieder zwei islamistische Moscheen besucht.

Zwölf Menschen auf dem Gewissen

Die elektronische Überwachung Amris habe zudem viele Hinweise zu dessen Drogenhandel geliefert, sagte der Zeuge. "Aufgrund dieser Ermittlungen wurde davon ausgegangen, dass er nicht mehr diese Gefährlichkeit hatte", hieß es.

Amri hatte am 19. Dezember 2016 einen Lastwagenfahrer erschossen und anschließend dessen Fahrzeug in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gesteuert. Zwölf Menschen starben. Der Attentäter wurde später auf der Flucht in Italien von Polizisten erschossen. Mehrere Untersuchungsausschüsse befassen sich mit möglichem Behördenversagen in dem Fall, darunter auch ein eigener U-Ausschuss im Bundestag.

Quelle: n-tv.de , mmo/dpa

Mehr zum Thema