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"Tor gegen den Faschismus" Türkische Regierung lobt "Bruder Mesut"

Özil bekommt Zuspruch von Teilen der türkischen Regierung.

Özil bekommt Zuspruch von Teilen der türkischen Regierung.

(Foto: dpa)

Der laute und meinungsstarke Rücktritt von Nationalspieler Mesut Özil kommt bei der türkischen Regierung um Präsident Recep Tayyip Erdogan gut an. Sie feiert den Deutschen für seine Entscheidung und spricht von einer "ehrenhaften Haltung".

Die türkische Regierung hat den Rückzug von Mesut Özil aus der deutschen Nationalmannschaft und die Verteidigung seines Fotos mit Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan gelobt. "Wir unterstützen von ganzem Herzen die ehrenhafte Haltung, die unser Bruder Mesut Özil gezeigt hat", twitterte Sportminister Mehmet Kaspoglu.

Der Sprecher von Erdogan, Ibrahim Kalin, teilte ebenfalls per Twitter mit: "Ein herausragender Fußballer hat eine völlig überzeugende Begründung für sein Treffen mit Präsident Erdogan geliefert." Aber man müsse sich auch den Druck vorstellen, unter dem er seine Aussage gemacht habe. "Welch eine traurige Angelegenheit für diejenigen, die behaupten, tolerant und multikulturell zu sein."

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"Für mich ging es bei dem Foto mit Präsident Erdogan nicht um Politik oder Wahlen", so Özil. Er habe damit vielmehr "das höchste Amt im Land meiner Familie respektiert". Bei dem Gespräch mit Erdogan sei es im Übrigen um Fußball gegangen: "Mein Beruf ist Fußballspieler und nicht Politiker."

Özil habe mit seinem Ausstieg ein "wunderschönes Tor gegen das Virus des Faschismus" geschossen, lobte derweil Justizminister Abdulhamit Gül den Mittelfeldspieler des FC Arsenal.

Der Fußballer hatte seinen Rücktritt verkündet und dies mit einem Gefühl von Rassismus und Respektlosigkeit begründet. Özil und sein ebenfalls in England spielender Nationalmannschaftskollege Ilkay Gündogan hatten sich im Mai kurz vor der Präsidentschaftswahl in der Türkei mit Erdogan getroffen und ihm Trikots von ihrer jeweiligen Vereinsmannschaft überreicht.

Gündogan widmete es "seinem Präsidenten". Dies war in Deutschland scharf kritisiert worden, unter anderem als Wahlkampfhilfe für Erdogan, dem ein autoritärer Kurs und Missachtung von Menschenrechten vorgeworfen wird. Nach dem deutschen Ausscheiden bei der WM schon in der Vorrunde hielt die Kritik an. Der Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), Reinhard Grindel, gab Özil einen großen Teil der Schuld am Aus der Mannschaft.

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"Wenn Du verlierst, dann bist Du Migrant"

Die Entscheidung von Fußballprofi Mesut Özil zum Ausscheiden aus der deutschen Nationalmannschaft hat eine Diskussion über Rassismus entfacht. "Es ist ein Alarmzeichen, wenn sich ein großer, deutscher Fußballer wie Mesut Özil in seinem Land wegen Rassismus nicht mehr gewollt und vom DFB nicht repräsentiert fühlt", so Bundesjustizministerin und SPD-Politikerin Katarina Barley. Unionspolitiker forderten nach Özils Rückzug ein Bekenntnis zur freiheitlichen Ordnung. "Niemand muss oder soll Wurzeln verleugnen, freilich wünsche ich mir schon auch ein deutliches Bekenntnis für das neue Heimatland", sagte Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl der "Bild"-Zeitung.

NRW-Integrationsstaatssekretärin Serap Güler, die selbst türkische Wurzeln hat, sagte dem Blatt, Verbundenheit mit dem Heimatland der Eltern und Kritik an der Regierung würden sich nicht ausschließen. "Man kann ja auch bei uns kritisch gegenüber der Bundesregierung sein und Deutschland trotzdem lieben", so die CDU-Politikerin. Diesen Punkt scheine Özil aber "nicht verstanden zu haben".

Allerdings könnte diese Kritik nicht bei Özil halt machen. Sie müsse auch für andere Vertreter des Fußballgeschäfts gelten und deren Umgang mit autoritären Herrschen, wie Russlands Präsident Wladimir Putin. Konkret müssten sich der DFB und noch mehr die Fifa, die mit solchen Herrschern Geschäfte machten, dieser Frage stellen. Wenn Özil sich beklage, dass in seinem Falle mit zweierlei Maß gemessen werde, "dann hat er recht", sagte Özdemir. Zudem habe der Fußball-Spieler ebenfalls mit Recht angeführt: "Wenn Du Erfolg hast, bist Du Deutscher, wenn Du verlierst, dann bist Du Migrant". Mit dieser Feststellung spreche Özil vielen Migranten aus dem Herzen. Richtig sei aber auch, dass er mit seinem Erdogan-Foto seine Vorbildfunktion für viele junger Menschen nicht erfüllt habe.

Quelle: n-tv.de , sgu/rts

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