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Das Buch des "Schleimballs" "Trump ist wie ein Waldbrand"

Fox-News-Moderator Sean Hannity hat Comey vorgeworfen, mit dem Buch seinen "Hass auf Trump" zu Geld zu machen.

Fox-News-Moderator Sean Hannity hat Comey vorgeworfen, mit dem Buch seinen "Hass auf Trump" zu Geld zu machen.

(Foto: dpa)

Der damalige FBI-Chef Comey wurde rund vor einem Jahr entlassen. Nun veröffentlicht er ein Buch zu seiner Zeit mit US-Präsident Trump, in dem er diesen als Menschen ohne Moral beschreibt. Trump reagiert mit wilden Tweets.

Kurz vor dem Ende der Amtszeit Barack Obamas trifft FBI-Chef James Comey den scheidenden Präsidenten noch einmal im Weißen Haus. Der Republikaner Comey sagt in dem Vier-Augen-Gespräch zu Obama: "Ich fürchte die nächsten vier Jahre." Donald Trump ist da bereits als Nachfolger gewählt. Obama verabschiedet sich mit warmen Worten von seinem Geheimdienstchef und lobt dessen "Integrität und Können". Comey ist bewegt, "den Tränen nah", wie er in seinem Buch "Größer als das Amt" schreibt. Es wird an diesem Dienstag veröffentlicht, aber es gibt bereits Vorabkopien.

Trump reagierte auf die ersten Medienberichte zu Inhalten des Buches mit einer über Tage verteilten Tweet-Tirade gegen Comey, die noch weitergehen dürfte. Trump schrieb in seinen Nachrichten, der ehemalige Geheimdienstchef sei ein "Schleimball" und Lügner, er gehöre ins Gefängnis, er sei der schlechteste FBI-Direktor der Geschichte. "Es war mir die größte Ehre, James Comey zu feuern!" Trump hatte ihn nach nur vier Monaten im Amt im Mai 2017 entlassen. Der Grund dafür waren möglicherweise Comeys Ermittlungen zu Trumps Russlandverbindungen. Wirklich klar ist das aber bis heute nicht.

Was steht noch in dem Buch? Es enthält Details darüber, wie Comey das erste Mal Trump traf. Wie uninteressiert der neue Präsident mit den Informationen über die russischen Versuche der Wahlbeeinflussung in den USA umging. Wie das berüchtigte Dinner im Weißen Haus ablief, als Trump von ihm eine Loyalitätserklärung einforderte. Wie er Comey erklärte, dass er keineswegs Prostituierte habe auf ein Hotelbett urinieren lassen. Und warum der damalige FBI-Chef kurz vor der Wahl die Ermittlungen gegen Clinton öffentlich machte.

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"Ich lachte hörbar"

Als er Trump über das berüchtigte Steele-Dossier informierte, das mutmaßliche Verbindungen von ihm nach Russland beinhaltet, habe Trump wie besessen angefangen, von den Frauen zu reden, die ihm sexuelle Angriffe unterstellen. Um das Thema zu beenden, habe Comey gesagt, gegen Trump werde nicht ermittelt. In dem Dossier ist unter anderem davon die Rede, Trump habe bei der Miss-Universe-Wahl 2013 Prostituierte auf ein Bett in einem Moskauer Hotel urinieren lassen, in dem zuvor Obama geschlafen hatte. Irgendwann rief Trump ihn deshalb an und sagte, er habe eine Keimphobie und niemand in seiner Nähe könne sich gegenseitig bepinkeln. "Ich lachte hörbar", erinnert sich Comey. "Ich ging davon aus, dass die Präsidentensuite im Moskauer Ritz-Carlton groß genug für einen Keimphobiker ist, um mit sicherem Abstand bei solchen Aktivitäten zuzugucken."

Als Comey den angehenden Präsidenten im Weißen Haus davon unterrichtete, dass Russland versucht hatte, die Wahl zu seinen Gunsten zu beeinflussen, hätten Trump und dessen Berater nichts über den Angriff eines anderen Staates wissen wollen. Stattdessen hätten sie über die politischen Folgen und Medienstrategien diskutiert, um in der Öffentlichkeit nicht schlecht dazustehen. "Ich hatte das Gefühl, der zukünftige Präsident versuchte uns alle zu einer Familie zu machen", schreibt Comey, und vergleicht die Situation mit der Mafia, gegen die er früher ermittelte.

Ähnlich beschreibt Comey ein Einzelgespräch mit Trump im Oval Office, bei dem der Präsident hinter seinem großen Schreibtisch sitzenblieb, während George W. Bush und Obama sich bei solchen Treffen auf einen anderen Stuhl oder eine Couch gesetzt hätten. Trump habe nicht aufgehört, zu reden. Die Situation habe ihn wieder an seine berufliche Vergangenheit als Ermittler gegen die Mafia erinnert. "Die stille Zustimmung. Der Chef in totaler Kontrolle. Die Treueschwüre. Die 'Wir gegen die'-Weltsicht. Die Organisation über Moral und Wahrheit zu stellen."

Während des Wahlkampfs im Juli 2016 hatte Comey die Öffentlichkeit bei einer Pressekonferenz darüber informiert, dass es keine Ermittlung in der Affäre um die ungeschützten E-Mails von Trumps demokratischer Gegenkandidatin Hillary Clinton gibt, ihr Verhalten aber "extrem fahrlässig" gewesen sei. Kurz vor der Wahl sei er dann von den E-Mails auf dem Computer von Clintons Mitarbeiterin Huma Abedin informiert worden. Es öffentlich machen oder schweigen, das waren die schlechten Optionen. "Wir waren in einer Zwickmühle", schreibt Comey. Er informierte den Kongress elf Tage vor der Wahl per Brief, weil er davon ausging, dass Clinton ohnehin gewinnen würde. Im Umfrageschnitt lag Clinton zu diesem Zeitpunkt 4,6 Prozent vor Trump. Nachdem der Brief bekannt wurde, schrumpfte der Vorsprung in wenigen Tagen auf 1,6 Prozent.

Die Entlassung

Als Comey im Mai 2017 aus dem Fernsehen von seiner Entlassung erfuhr, rief ihn der damalige Heimatschutzminister John Kelly an und sagte, er werde nun zurücktreten. Er wolle nicht für ehrlose Menschen arbeiten, die jemanden so behandeln. "Ich drängte Kelly, es nicht zu tun, weil das Land prinzipientreue Personen um diesen Präsidenten braucht. Besonders dieser Präsident." John Kelly ist inzwischen Stabschef im Weißen Haus, seine Position gilt allerdings als geschwächt. Berichten zufolge hat er auch im neuen Job bereits an Rücktritt gedacht.

Comey beschreibt Trump in seinem Buch als eine Person, die sich nicht um Moral, Wahrheit oder institutionelle Werte schert. Die Präsidentschaft sei "wie eine Waldbrand", bei dem Normen und Traditionen Schaden nähmen. Damit zahle das Land für die Wahl 2016 einen hohen Preis.

Quelle: n-tv.de

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