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15-Jähriger monatelang gemobbt Schule will Antisemitismus schnell aufklären

Die John-F.-Kennedy-Schule liegt in Berlin-Zehlendorf.

Die John-F.-Kennedy-Schule liegt in Berlin-Zehlendorf.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ausgerechnet an der internationalen Kennedy-Schule in Berlin gibt es einen antisemitischen Vorfall. Ein Neuntklässler wird von Mitschülern drangsaliert. Die Schule will davon lange nichts gemerkt haben und will jetzt untersuchen, was genau passiert ist.

Wieder schlägt Antisemitismus in Berlin hohe Wellen: Die renommierte deutsch-amerikanische John-F.-Kennedy-Schule steht wegen eines judenfeindlichen Mobbingfalls unter Druck und will das Geschehen unverzüglich aufklären. Man habe am 7. Juni über die Vorfälle gegen einen jüdischen Schüler durch Schulkameraden erfahren. Wie lange der Neuntklässler vorher drangsaliert und beleidigt worden sei, könne er nicht sagen, sagte Steffen Schulz, Leiter der Oberschulsparte. Medienberichten zufolge soll der 15-Jährige monatelang gemobbt worden sein.

Einen Tag nachdem die Schule von dem Fall erfahren habe, habe sie sich mit den Eltern des Opfers in Verbindung gesetzt. "Wir konnten die Familie aber nicht zufriedenstellen", sagte der Geschäftsführende Direktor, Brian Salzer. Daraufhin hätten sich die Eltern an die Medien gewandt. Die beiden Schulleiter betonten, dass sie zuvor von antisemitischen Vorfällen an der Schule nichts gewusst hätten. Man habe Gespräche mit den Eltern der beteiligten Schüler aufgenommen.

Schulkameraden hätten ihrem Mitschüler Rauch aus einer E-Zigarette ins Gesicht gepustet mit der Einschüchterung: "Das soll dich an deine vergasten Vorfahren erinnern". Seitdem die Schulleitung von den Vorfällen erfahren habe, sei der Junge nicht mehr zum Unterricht gekommen. Ein Gespräch mit Mitschülern und Beratern sei für das Opfer zu belastend gewesen, der 15-Jährige habe daran nicht teilnehmen wollen.

"Vorfälle an allen Schulformen"

In einer vorherigen Mitteilung hatte die Schule geschrieben, der Vorfall sei zunächst in Ausmaß und Ernsthaftigkeit unterschätzt worden. "Wir bedauern dies außerordentlich." Neben der offiziellen Meldung der Vorfälle an die zuständige Senatsverwaltung seien sofort Maßnahmen in die Wege geleitet worden, hieß es. Dazu gehörten intensive Gespräche der Mitarbeiter und Schulleitung sowohl mit der betroffenen Klasse als auch mit einzelnen Schülern.

Der Zentralrat der Juden hatte wegen des antisemitischen Vorfalls gefordert, solche Probleme schnell zu melden. Sie dürften nicht vertuscht werden, erklärte der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster. Es handle sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem. "Solche Vorfälle finden an allen Schulformen und überall in Deutschland statt."

Die John-F.-Kennedy-Schule in Berlin-Zehlendorf hat nach eigenen Angaben rund 1700 deutsche, amerikanische und andere internationale Schüler. Sie gilt als renommierte Adresse. In den vergangenen Monaten waren immer wieder Fälle von Judenhass in Berlin bekannt geworden. Zuletzt hatte ein syrischer Flüchtling einen Israeli angegriffen, der auf der Straße eine Kippa trug. Der 19-Jährige wurde zu vier Wochen Arrest verurteilt.

Quelle: n-tv.de , cam/dpa

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