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Rede auf Bundesparteitag SPD-Chef bittet um Entschuldigung und will Neustart

Schulz wirbt um Vertrauen

Schulz wirbt um Vertrauen

(Foto: REUTERS)

SPD-Chef Schulz übernimmt zu Beginn seiner Rede auf dem Parteitag die Verantwortung für die Niederlage bei der Bundestagswahl. Zugleich bittet er um das Mandat für einen Neubeginn.

Der SPD-Vorsitzende Martin Schulz hat seiner Partei nach dem Debakel bei der Bundestagswahl einen umfassenden Neubeginn versprochen. "Wir müssen schonungslos die letzten 20 Jahre aufarbeiten. Nicht um uns (...) in rückwärtsgewandten Debatten zu verlieren, sondern um aus unseren Fehlern zu lernen", sagte er beim Bundesparteitag in Berlin. Es gelte eine Vision zu entwickeln, die die Menschen begeistere, einen Gesamtentwurf für das Land, zu zeigen, wofür die Sozialdemokratie im 21. Jahrhundert stehe.

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"Wir haben nicht nur diese Bundestagswahl verloren, sondern die letzten vier. Wir haben nicht nur dieses Mal 1,7 Millionen Stimmen verloren, sondern 10 Millionen seit 1998 - die Hälfte unserer Wählerschaft", betonte der SPD-Chef vor rund 600 Delegierten. Deshalb genüge es nicht, nur auf das Jahr 2017 zu blicken. "Wir müssen schonungslos die letzten 20 Jahre aufarbeiten."

Schulz übernahm persönlich Verantwortung als Kanzlerkandidat bei der Wahl, die der SPD mit 20,5 Prozent das schlechteste Ergebnis in der Geschichte der Bundesrepublik beschert hatte. Er wandte sich an alle, die der SPD vertraut und an sie geglaubt haben: "Bei all diesen Menschen bitte ich für meinen Anteil an dieser bitteren Niederlage um Entschuldigung."

Weiter will er, dass die rund 440.000 Parteimitglieder bei der Entscheidung über das Spitzenpersonal mitbestimmen können. "Ich finde den Vorschlag gut, dass wir Mitglieder nicht nur bei Sach-, sondern auch bei Personalentscheidungen beteiligen." Nötig sei notfalls die Änderung des Parteienrechts - in anderen europäischen Ländern hatten solche Entscheide und entsprechende Debatten Parteien wieder lebendiger gemacht. "Die SPD muss wieder die Partei des Mutes sein." Schulz hatte bereits nach der verlorenen Bundestagswahl eine Direktwahl des Parteichefs ab 2019 ins Spiel gebracht, andere Spitzengenossen hatten dies aber zurückgewiesen.

Die Delegierten sollten am Nachmittag über die Aufnahme ergebnisoffener Gespräche mit der Union entscheiden und Schulz erneut zum SPD-Vorsitzenden wählen. Er habe privat und politisch schon "so manches Auf und Ab" hinter sich, sagte Schulz. "Aber so ein Jahr kann man nicht einfach abschütteln. So ein Jahr steckt in den Knochen." Er wisse, wie enttäuscht und wütend viele Menschen seien. "Ich kann die Uhr nicht zurückdrehen, aber ich möchte als Parteivorsitzender meinen Beitrag dazu leisten, dass wir es besser machen."

Quelle: n-tv.de

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