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Kritik für Kolonialzeit-Aussagen Politiker fordern Nookes Entlassung

Der Afrika-Beauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke, steht unter Druck.

Der Afrika-Beauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke, steht unter Druck.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nach einem umstrittenen Interview steht Günter Nooke unter Druck. Die Opposition wirft dem Afrika-Beauftragten der Bundesregierung Rassismus vor. Das Kabinett solle nun zu dem CDU-Politiker Stellung beziehen, verlangen die Grünen. Politiker der FDP werden deutlicher.

Nach den umstrittenen Äußerungen zur Kolonialzeit des Afrika-Beauftragten von Bundeskanzlerin Angela Merkel haben Politiker von Grünen und FDP eine Klarstellung der Bundesregierung und die Entlassung von CDU-Politiker Günter Nooke verlangt. Ein von Nooke gegebenes Interview "strotzt vor rassistischen Stereotypen", sagte die Grünen-Bundestagsabgeordnete und Afrika-Expertin Kirsten Kappert-Gonther. Wenn die Bundesregierung die Ansichten von Nooke nicht teile, "dann muss sie Nooke entlassen". Auch aus der FDP-Fraktion kam die Forderung nach einer Entlassung Nookes.

Nooke hatte der Zeitung "B.Z." zu den Folgen der Kolonialzeit in Afrika gesagt: "Es gibt schon Nachwirkungen. Schlimm waren die Sklaventransporte nach Nordamerika. Auf der anderen Seite hat die Kolonialzeit dazu beigetragen, den Kontinent aus archaischen Strukturen zu lösen. Experten, auch Afrikaner, sagen: Der Kalte Krieg hat Afrika mehr geschadet als die Kolonialzeit."

Diese und andere Aussagen von Nooke in dem Interview stießen auf scharfe Kritik auch in der afrikanischen Gemeinschaft in Deutschland, bei den Linken und der SPD. Laut "Tagesspiegel" werfen deutsche Afrika-Aktivsten Nooke Rassismus und Geschichtsrevisionismus vor.

Für die Linken sagte demnach Niema Movassat, Nooke gehöre "unverzüglich entlassen". Und auch Christoph Matschie von der SPD-Bundestagsfraktion wurde im "Tagesspiegel" mit den Worten zitiert: "Zu sagen, der Kalte Krieg war schlimmer als die Kolonialzeit, ist absurd."

Nooke selbst versicherte demnach, er habe die Kolonialzeit nicht relativieren wollen. Er habe lediglich ein Zitat des britisch-sudanesischen Unternehmers Mo Ibrahim wiedergegeben. Die Aussage, dass der Kalte Krieg schlimmer als die Kolonialzeit gewesen sei, habe er sich nicht zu eigen machen wollen.

Verbrechen relativiert

Die Grünen-Abgeordnete Kappert-Gonther stellte Anfang der Woche eine Anfrage an die Bundesregierung, um in Erfahrung zu bringen, ob diese die Aussagen Nookes teile. Sie fragte auch danach, ob der alleinige Verweis auf die "Sklaventransporte nach Nordamerika" nicht einer Relativierung der deutschen und europäischen Kolonialverbrechen gleichkomme.

Während der deutschen Kolonialherrschaft im heutigen Namibia hatten deutsche Truppen ein Massaker unter den dortigen Herero und Nama angerichtet. Die Verbrechen gelten als der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts. Eine offizielle Entschuldigung Deutschlands oder eine Entschädigung dafür gibt es bisher nicht.

Kappert-Gonther sagte, durch Aussagen wie die von Nooke würden Verbrechen der Kolonialzeit "massiv relativiert". Zu behaupten, der Kontinent Afrika habe von der Kolonialzeit sogar profitiert, sei "zutiefst geschichtsrevisionistisch".

"Seiner Position nicht würdig"

"Das ist Wasser auf die Mühlen der AfD." Wenn die Bundesregierung Nooke unterstütze, widerspreche dies ihrer erklärten Afrika-Politik. Mit Blick auf den Afrika-Beauftragten sagte Kappert-Gonther: "Dieser Mann ist seiner Position nicht würdig."

Ähnlich äußerte sich der entwicklungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Christoph Hoffmann. Er erklärte: "Die Äußerungen Günter Nookes zeigen, dass er der falsche Mann für die Position des Afrika-Beauftragten ist."

Nooke habe sich "bisher nicht durch Leistung und Ideen ausgezeichnet". Die nötigen Verbesserungen in der Entwicklungszusammenarbeit könnten angesichts der nun geäußerten Haltung nicht gelingen. "Nooke ist daher als Afrika-Beauftragter nicht mehr tragbar und muss entlassen werden."

Quelle: n-tv.de , psa/AFP

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