Politik

Krise nach Journalistenmord Neuer slowakischer Innenminister tritt zurück

Zehntausende Demonstranten forderten in Bratislava den Rücktritt des Polizeichefs.

Zehntausende Demonstranten forderten in Bratislava den Rücktritt des Polizeichefs.

(Foto: dpa)

Seit der Ermordung eines Enthüllungsjournalisten befindet sich die Slowakei in einer schweren politischen Krise. Während Zehntausende Menschen erneut auf die Straße gehen, tritt Innenminister Tomas Drucker zurück. Nach nur 26 Tagen im Amt.

Nach nur dreieinhalb Wochen Amtszeit hat der slowakische Innenminister Tomas Drucker überraschend seinen Rücktritt erklärt. Er reagierte damit auf den Druck Zehntausender Demonstranten, die auch am Wochenende wieder die Aufklärung eines Journalistenmordes und die Absetzung des Polizeipräsidenten Tibor Gaspar forderten.

Er halte es nicht für richtig, den sehr gut arbeitenden Polizeichef allein aufgrund des Drucks der Demonstranten zu entlassen. Er wolle aber die Gesellschaft nicht weiter polarisieren, deshalb trete er lieber selbst zurück, erklärte der parteilose 39-Jährige vor Journalisten in Bratislava.

Slowakischer Innenminister Tomas Drucker zeigt sich solidarisch mit dem Polizeichef Tibor Gaspar und tritt zurück.

Slowakischer Innenminister Tomas Drucker zeigt sich solidarisch mit dem Polizeichef Tibor Gaspar und tritt zurück.

(Foto: dpa)

Der noch nicht aufgeklärte Doppelmord an dem slowakischen Investigativjournalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten am 21. Februar hat das EU-Land in eine schwere innenpolitische Krise gestürzt. Kuciak hatte Kontakte von Regierungsmitarbeitern zur italienischen Mafia und anderen zwielichtigen Geschäftsleuten untersucht. Die beiden 27-Jährigen waren nach Polizeiangaben im Stil einer Hinrichtung erschossen worden.

Die im März unter dem Druck von Massenprotesten erfolgten Rücktritte von Langzeit-Regierungschef Robert Fico und Innenminister Robert Kalinak konnten die Lage bisher nicht beruhigen. Die Hauptforderung der allwöchentlich in Bratislava und anderen Städten des Landes stattfindenden Demonstrationen ist seitdem die Entlassung von Polizeipräsident Gaspar, der dem früheren Innenminister Kalinak nahestehen soll, der selbst unter Korruptionsverdacht steht.

Quelle: n-tv.de , uzh/dpa

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