Politik

Fall "Primus" NSU-Akte "vom Hochwasser weggespült"

Blick auf die Kreuzung Kreisigstraße/Moritzstraße in Zwickau. In beiden Straßen soll "Primus" seine Läden betrieben haben.

Blick auf die Kreuzung Kreisigstraße/Moritzstraße in Zwickau. In beiden Straßen soll "Primus" seine Läden betrieben haben.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein V-Mann des Geheimdienstes mit dem Tarnnamen "Primus" soll den mutmaßlichen NSU-Terroristen Mundlos und Zschäpe Jobs in seinen Firmen gegeben haben. Der NSU-Untersuchungsausschuss fordert die Akten dazu an. Doch diese sind offenbar verschwunden.

Eine vom NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages angeforderte Akte über den Neonazi und ehemaligen V-Mann Ralf Marschner ist offenbar verschollen. Es soll 2010 dem Hochwasser in Sachsen zum Opfer gefallen sein.

"Das hat die Staatsanwaltschaft Chemnitz dem Ausschuss mitgeteilt", berichtete die Grünen-Abgeordnete Irene Mihalic. "Dieser Vorgang reiht sich irgendwie ein in den mysteriösen Schwund von Akten im Zusammenhang mit dem NSU-Netzwerk", sagte die Grünen-Obfrau im Ausschuss. "Es ist schon seltsam, dass sich die reißenden Wasser gerade dieses Schriftstück ausgesucht haben."

Marschner war als V-Mann "Primus" bereits Mitte der 1990er Jahre zunächst vom Bayerischen Landesverfassungsschutz angeworben worden. Schon 2012 hatte der Mann, der Marschner sozusagen "entdeckte", bei n-tv.de ausführlich darüber berichtet, wie er den Kontakt zu Marschner aufbaute, festigte und ihn schließlich an den Bundesverfassungsschutz (BfV) übergab. Der Verfassungsschutzmann ist bis heute sicher, dass "die Kölner", also das BfV, mit "Primus" eine Quelle hatten, die fast bis zuletzt ganz nah an der Zwickauer Terrorzelle dran gewesen sein muss. Doch wegen der "problembehafteten Führung" des V-Mannes erfuhr der Verfassungsschutz trotzdem so gut wie nichts. In der jetzt verlorenen Akte geht es um mutmaßliche Straftaten von Marschner, wie das Veruntreuen von Arbeitsentgelt und Insolvenzverschleppung in 2001/2002.

Die beiden mutmaßlichen NSU-Rechtsterroristen Uwe Mundlos und Beate Zschäpe sollen während ihrer Zeit im Untergrund in Firmen Marschners gearbeitet haben. Marschner hatte sogar mehrere Läden und Firmen, ein erfolgreicher Geschäftsmann wurde er trotzdem nie. Möglicherweise bezahlte er aber Mundlos und auch Zschäpe mit Geld, dass er selbst vom Verfassungsschutz bekommen hatte. Angeblich wurde "Primus" 2002 abgeschaltet. 2007 verließ er Deutschland, seit 2009 lebt er in der Schweiz. Zur Aufklärung der Taten des NSU hat er bisher nichts beigetragen.

Quelle: n-tv.de , ppo/sba/dpa

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