Politik

Härterer Umgang mit Sexualstraftätern Kanzler unter Beschuss

Die Forderung von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nach einem härteren Umgang mit Sexualstraftätern stößt weiterhin auf Ablehnung.


Der Direktor der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden, Prof. Dr. Rudolf Egg, unterstrich in einem Gespräch mit n-tv.de, dass Sexualstraftäter eine ausgesprochen heterogen zusammengesetzte Tätergruppe seien. Nicht jedes Sexualdelikt ziehe eine Therapie nach sich, und nicht jeder Sexualstraftäter sei therapiegeeignet. "Ein gewisser Rest bleibt übrig", bei dem jegliche Therapie versage. In solchen Fällen erhöhe eine lebenslange Haftstrafe die Sicherheit in der Gesellschaft.

Der Deutsche Kinderschutzbund hatte gestern hervorgehoben, dass in der überwiegenden Mehrheit der Fälle von Kindesmissbrauch der Täter aus der Familie oder dem direkten Umfeld komme.

Die frühere Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) betonte, es sei für einen Regierungschef unverantwortlich, sich derartig zu äußern. Bedenklich sei vor allem, dass Schröder den Eindruck genährt habe, Gutachter der Justiz nähmen die Sorgen der Bürger nicht ernst, sagte Leutheusser-Schnarrenberger im Deutschlandfunk. Damit habe Schröder dem Anliegen geschadet, Vertrauen in den Rechtsstaat zu schaffen.

Bayern will unterdessen die Ernsthaftigkeit der Schröder-Aussage im Bundesrat auf die Probe stellen. Am Freitag stünden in der Länderkammer auf der Tagesordnung Anträge zur nachträglichen Sicherheitsverwahrung für besonders gefährliche Straftäter und mehr Möglichkeiten bei der Anwendung von DNS-Tests, sagte Bayerns Justizminister Manfred Weiss am Montag. Wenn es dem Kanzler ernst sei mit seinem Vorschlag, müsse er auf die SPD geführten Länder Einfluss um deren Zustimmung üben, sagte der CSU-Politker

Schröder hatte sich vor dem Hintergrund des ungeklärten gewaltsamen Todes der achtjährigen Julia in Hessen für eine härtere Bestrafung von Sexualstraftätern ausgesprochen. Erwachsene Männer, die sich an kleinen Mädchen vergingen, seien nicht therapierbar. Deswegen könne es nur eine Lösung geben: "Wegschließen - und zwar für immer!", hatte er der "Bild am Sonntag" gesagt.

Quelle: n-tv.de

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