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Beihilfe zum tausendfachen Mord Justiz klagt Auschwitz-Wachmann an

"Arbeit macht frei", der Leitspruch der Nazis in den Konzentrationslagern.

"Arbeit macht frei", der Leitspruch der Nazis in den Konzentrationslagern.

(Foto: picture alliance / Andrzej Grygi)

Als 19-Jähriger heuert ein Mann im KZ Auschwitz an. Heute ist er 94 Jahre alt und soll sich vor Gericht verantworten. Spätestens nach seiner Ausbildung habe er die "Vernichtungsaktionen" unterstützt, so die Staatsanwaltschaft. Der Mann widerspricht.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Anklage gegen einen ehemaligen Wachmann des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz erhoben. Der 94-Jährige soll sich wegen Beihilfe zum Mord vor dem Landgericht Mannheim verantworten, wie die Behörde mitteilte. Als 19-Jähriger soll er demnach ab Oktober 1942 als Wachmann in Auschwitz tätig gewesen sein.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, spätestens nach Abschluss seiner Grundausbildung von Dezember 1942 bis Ende Januar 1943 durch seinen Wach- und Bereitschaftsdienst "den Lagerbetrieb und damit die Vernichtungsaktionen unterstützt" zu haben. Der Angeklagte habe über seine Verteidigerin erklärt, dass ihm "die Hintergründe, die Zielrichtung und der Ablauf des Tötungsgeschehens" nicht bekannt gewesen seien.

In dem Zeitraum, für den sich der 94-Jährige vor Gericht verantworten soll, kamen laut Staatsanwaltschaft mindestens 15 Eisenbahntransporte in Auschwitz an. Dabei seien mehr als 13.000 Menschen als nicht arbeitsfähig eingestuft und in den Gaskammern ermordet worden.

Prozess vor der Jugendkammer

Das Landgericht Mannheim ist für den Fall zuständig, weil der Angeklagte dort wohnt. Der 94-Jährige soll sich dort vor der Jugendkammer verantworten, weil er zur Tatzeit 19 Jahre alt war und deshalb juristisch als Heranwachsender gilt. Das Landgericht muss nun entscheiden, ob es zu einem Prozess gegen ihn kommt.

Ähnliche Fälle wurden erst in den vergangenen Jahren vereinzelt vor deutschen Gerichten verhandelt. Als wegweisend galt der Fall des inzwischen verstorbenen Auschwitz-Buchhalters Oskar Gröning, den das Landgericht Lüneburg im Jahr 2015 zu einer vierjährigen Haftstrafe wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300.000 Fällen verurteilte. Das Urteil wurde vom Bundesgerichtshof bestätigt. Gröning starb im März im Alter von 96 Jahren kurz vor einem möglicherweise bevorstehenden Haftantritt.

Quelle: n-tv.de , chr/AFP

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