Politik

Vor Trump-Kim-Gipfel Experte: keine völlige atomare Abrüstung

Nordkoreas Machthaber Kim und US-Präsident Trump sind bereits in Singapur, wo in Kürze das historische Gipfeltreffen stattfinden wird. Die Erwartungen sind hoch. Ein Nordkorea-Fachmann aus den USA hält eine komplette atomare Abrüstung in Korea jedoch für illusorisch.

Der renommierte US-Politikprofesser und Nordkorea-Experte Bruce Cumings hält eine vollständige nukleare Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel für kaum machbar. "Ich glaube nicht, dass irgendeine Führungsfigur in Pjöngjang sich komplett seiner hart erkämpften Fähigkeiten entblößen will", sagte Cumings. Frieden im atomaren Zeitalter bedeute unter anderem gegenseitige Abschreckung. Eine Restunsicherheit stehen zu lassen, versetze Nordkorea auch in die Lage, einen Plan B zu entwickeln, falls die Vereinbarungen mit den USA platzen sollten. Nordkorea habe 15.000 unterirdische Einrichtungen unter dem Siegel der Nationalen Sicherheit.

Cumings war Leiter der historischen Fakultät an der Universität Chicago und hat sich auf moderne koreanische Geschichte und internationale Beziehungen spezialisiert. Er gilt als einer der führenden Nordkorea-Experten in den USA. "Die USA haben Atombomber, die können im Mittleren Westen abheben, Nordkorea treffen und zurückkehren, ohne jemals zu landen", sagte Cumings. Mit Atomwaffen bestückte US-U-Boote könnten jederzeit in der Region patrouillieren. Auf der anderen Seite sei es praktisch unmöglich, das Wissen der nordkoreanischen Atomwissenschaftler zu beseitigen.

"Soll man sie alle auf eine einsame Insel schicken und ihnen die Telekommunikation verweigern?", stellte Cumings als rhetorische Frage in den Raum, um die Unmöglichkeit dieses Verhandlungsziels zu unterstreichen. Cumings zufolge dürfte es schon als Erfolg für die USA zu werten sein, wenn es beim Gipfel in Singapur zu einem ein Moratorium für Tests von Raketen und Atomwaffen käme. "Es wäre noch besser, wenn man es schaffen würde, Nordkorea in den Vertrag über das umfassende Verbot von Atomtests zu bekommen", sagte Cumings. "Aber wir werden nie wissen, ob wir jede einzelne Atombombe erfassen können." Er halte den Begriff Denuklearisierung für falsch.

Hinsichtlich eines künftigen Friedensabkommens mit Nordkorea zeigte sich Cumings optimistisch. "Es könnte sein, dass Trump in der Lage ist, hier einen echten Durchbruch zu erzielen", sagte der Professor. Die USA hätten über Jahrzehnte auf ernsthafte Versuche in diese Richtung verzichtet, weil sie auf einen Kollaps des Systems in Pjöngjang gehofft hätten und eine Anerkennung Nordkoreas hätten verhindern wollten. "Trump hat Recht, wenn er das beschämend nennt."

Trump und Kim wollen über Frieden sprechen

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un wird staatlichen Medien zufolge mit US-Präsident Donald Trump bei dem geplanten Gipfeltreffen über Frieden und Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel sprechen. Unter anderem werde es um einen "dauerhaften und beständigen Mechanismus zur Friedenssicherung" gehen, hieß es in einer Meldung der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA.

Ein weiteres Thema sei die atomare Abrüstung sowie andere Bereiche des gegenseitigen Interesses. Kim werde von Außenminister Ri Yong Ho, Verteidigungsminister No Kwang Chol und seiner Schwester Kim Yo Jong begleitet.

Trump und Kim befinden sich seit Sonntag in Singapur. Beide Politiker könnten bei ihrer für Dienstag geplanten Begegnung auf der Insel Sentosa einen Durchbruch im Streit über die Atomwaffen Nordkoreas erzielen. Trump hatte sogar eine Friedenserklärung ins Gespräch gebracht - 65 Jahre nach dem Ende der Kampfhandlungen im Korea-Krieg. Das Treffen soll um 09.00 Uhr (Ortszeit, 03.00 Uhr MESZ) beginnen.

Quelle: n-tv.de , wne/bad/dpa/rts

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