Politik

Freund von Boris Beresowski Exil-Russe in London tot aufgefunden

Wenige Tage nach dem Anschlag auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal wird in London ein Russe tot in seiner Wohnung gefunden. Nikolai Glushkov hatte Asyl in Großbritannien erhalten.

Ein Russe mit engen Kontakten zum verstorbenen Oligarchen Boris Beresowski ist tot in seiner Wohnung in London aufgefunden worden. Das meldet der "Guardian" unter Berufung auf den Rechtsanwalt des Toten.

Nikolai Glushkov, ein Freund von Beresowski, wurde dem Bericht zufolge am Montagabend von Angehörigen und Freunden entdeckt. Die Todesursache ist noch unklar. Er wurde 68 Jahre alt.

Glushkov war in den 1990er Jahren stellvertretender Generaldirektor der Fluggesellschaft Aeroflot. Zuvor hatte er als Manager beim russischen Automobilhersteller AutoVAZ gearbeitet, an dem Beresowski Anteile hatte. Auch an Aeroflot war Beresowski beteiligt. Nachdem Beresowski beim damals noch neuen russischen Präsidenten Wladimir Putin in Ungnade gefallen und im Jahr 2000 nach London geflohen war, wurde Glushkov verhaftet. Die Behörden beschuldigten ihn der Geldwäsche und des Betrugs - ein Vorwurf, von dem er nach fünf Jahren im Gefängnis freigesprochen wurde. Verurteilt wurde er lediglich wegen eines angeblichen Fluchtversuchs.

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Beresowksi, Litwinenko, Skripal

Wie Beresowski lebte Glushkov anschließend in London, wo er politisches Asyl erhielt. Im März 2013 wurde Beresowski stranguliert im Haus seiner Ex-Frau in Berkshire westlich von London aufgefunden. Die Polizei ging von Selbstmord aus, der Gerichtsmediziner dagegen schloss Fremdeinwirkung nicht aus.

Glushkovs Tod fällt in eine Zeit, in der ein Anschlag auf einen ehemaligen russischen Doppelagenten die Beziehungen zwischen Großbritannien und Russland belastet. Der 68-jährige Sergej Skripal und seine 33 Jahre alte Tochter Yulia waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie kämpfen seitdem in einer Klinik um ihr Leben. Die Ermittler gehen von einem Anschlag aus.

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Bei dem Attentat auf Sergej und Yulia Skripal war nach britischen Angaben ein in der früheren Sowjetunion produziertes Nervengift verwendet worden. London macht Moskau für den Anschlag verantwortlich. Skripal hatte Dutzende russische Agenten an den britischen Geheimdienst verraten, bevor er 2004 im Moskau inhaftiert wurde. 2006 wurde er zu 13 Jahren Haft verurteilt. 2010 fand er dann in Großbritannien Zuflucht, nachdem er im Austausch gegen russische Spione auf freien Fuß kam.

Schon dieser Anschlag erinnerte an den Fall des russischen Ex-Spions Alexander Litwinenko im Jahr 2006. Litwinenko war in London mit radioaktivem Polonium vergiftet worden. In einem britischen Untersuchungsbericht wurde dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vorgeworfen, die Tat wahrscheinlich persönlich gebilligt zu haben.

Quelle: n-tv.de , hvo/dpa/rts

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