Politik

Studie zum Umgang mit NS-Gräueln Den "Schuldkult" gibt es nicht

Der Studie zufolge hinterlassen Besuche von NS-Gedenkstätten - hier das ehemalige Konzentrationslager Sachsenhausen - den stärksten bleibenden Eindruck bei jungen Deutschen.

Der Studie zufolge hinterlassen Besuche von NS-Gedenkstätten - hier das ehemalige Konzentrationslager Sachsenhausen - den stärksten bleibenden Eindruck bei jungen Deutschen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mehr als 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Erinnerung an diese Zeit nach wie vor lebendig. Laut einer Studie empfinden die meisten Deutschen Verantwortung für den Umgang mit NS-Verbrechen. Die These vom "Schuldkult" ist demnach nicht haltbar.

Die meisten Deutschen empfinden Verantwortung für den Umgang mit den Verbrechen des Nationalsozialismus. Einen sogenannten Schuldkult, von dem unter anderem AfD-Politiker immer wieder sprechen, gibt es nicht, wie aus einer Studie der Universität Bielefeld und der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) hervorgeht. Die Erinnerungskultur der Deutschen sei viel differenzierter.

In Telefoninterviews befragten die Forscher mehr als tausend Bundesbürger zum Thema Erinnerungskultur. Der Anteil derjenigen, die sich schuldig für den Holocaust fühlen, ist demnach gering. Der Aussage "Auch wenn ich selbst nichts Schlimmes getan habe, fühle ich mich schuldig für den Holocaust" stimmte lediglich etwa jeder zehnte Befragte zu. Der behauptete "Schuldkult" sei empirisch nicht haltbar, erklärte der Gewaltforscher Andreas Zick von der Universität Bielefeld.

Grundsätzlich interessiert sich mehr als die Hälfte der Befragten für die deutsche Geschichte. Die Befürchtung, dass sich etwas wie der Holocaust wiederholen könnte, teilt knapp die Hälfte. Mehr als drei Viertel der Befragten (79,2 Prozent) ist daher auch wichtig, dass Schüler Geschichtsunterricht haben. Sie begründen dies vor allem damit, dass die Kinder lernen, welchen Schaden Rassismus anrichten kann und dass eine Rückkehr des Nationalsozialismus verhindert werden kann.

Das Internet spielt als Informationsquelle zum Thema Nationalsozialismus gerade bei Jüngeren eine immer wichtigere Rolle. Rund 94 Prozent der unter 30-Jährigen setzen sich im Netz damit auseinander, zugleich wird diese Informationsquelle aber als wenig prägend erlebt. Der Studie zufolge hinterlassen Besuche von Stätten, die an die Vernichtung von Menschen durch die Nazis erinnern, den stärksten bleibenden Eindruck.

Quelle: n-tv.de , cri/AFP

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