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Sexismus-Debatte Barley beschwert sich über Merkel

Bei Sexismus gehe es um Macht; daher müsse sich das "Machtgefälle zwischen den Geschlechtern" in Deutschland ändern, sagt Familienministerin Katarina Barley.

Bei Sexismus gehe es um Macht; daher müsse sich das "Machtgefälle zwischen den Geschlechtern" in Deutschland ändern, sagt Familienministerin Katarina Barley.

(Foto: dpa)

Frauen auf der ganzen Welt posten unter #MeToo ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt. Familienministerin Barley berichtet von eigenen Erfahrungen und fordert härtere Gesetze für körperliche Übergriffe. Die Kanzlerin sei "leider nicht an der Seite der Frauen".

Familienministerin Katarina Barley hat sich in die Debatte über Sexismus in der Gesellschaft eingeschaltet. "Sexismus ist Alltag, in der einen Branche mehr als in der anderen. Deshalb ist die Debatte, die durch #MeToo ausgelöst wurde, immens wichtig", sagte die SPD-Politikerin der Funke Mediengruppe. "Andererseits finde ich es auch frustrierend, weil wir das Thema Sexismus immer wieder diskutieren und sich nicht viel ändert."

Die Ministerin forderte härtere Gesetze: "Was körperliche Übergriffe angeht, wie Hand aufs Knie legen, sollten wir juristisch schärfer werden." Außerdem beklagte sie, dass das von der SPD geplante Gesetz gegen sexistische Werbung keine Mehrheit gefunden habe. Barley betonte, bei Sexismus gehe es nicht ums Flirten, sondern immer um Macht. Daher müsse sich das "Machtgefälle zwischen den Geschlechtern" in Deutschland ändern. "Das hat auch etwas mit fehlender Lohngerechtigkeit zu tun, mit dem Frauenanteil in den Parlamenten, mit einem Frauenanteil in Führungspositionen in Unternehmen", sagte sie. "All das muss kommen, damit sich die gönnerhafte, anmaßende, abwertende, übergriffige Einstellung vieler Männer ändert."

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"Er packte besonders fest zu"                                                      

Die Ministerin kritisierte Kanzlerin Merkel, die "wenig aktiv für Frauen" mache. "Immer, wenn es darum geht, die 21 Prozent Lohnlücke zwischen Frauen und Männern auszugleichen oder eine starke Frauenquote einzuführen, ist sie leider nicht an der Seite der Frauen", sagte sie. "Das macht es nicht unbedingt leichter für uns."

Barley berichtete von eigenen negativen Erfahrungen. So gebe es bei offiziellen Fototerminen "schon den einen oder anderen, der bei der Umarmung oder wenn man eng beieinander steht, seine Hand mal länger auf der Taille lässt oder fester zugreift", sagte sie. "Einen gab es, sehr viel älter als die meisten, der packte besonders fest zu. Wegen seines Alters habe ich das aber abgetan."

Frauen stünden oft im inneren Konflikt, ob sie sich gegen Sexismus öffentlich wehren sollten. "Außenstehende wiederum denken manchmal, die spielt mit ihren körperlichen Reizen, die zieht sich schön an, die schminkt sich, um vorwärts zu kommen." So denke Barley morgens oft darüber nach, wie ihre Kleidung im Umfeld wahrgenommen werde. "Diese Gedanken ärgern mich. Aber trotzdem wird mein Aussehen und meine Kleidung oft hervorgehoben, ob jetzt von männlichen Kollegen oder den Medien."

Quelle: n-tv.de , hny/dpa/AFP

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