Panorama

Kulturbeitrag aus Deutschland Unesco erklärt Orgel zum Menschheitserbe

Meisterwerke der Klangkunst: In der Leipziger Thomaskirche spielt Organist Ullrich Böhme an einer Sauer-Orgel von 1889.

Meisterwerke der Klangkunst: In der Leipziger Thomaskirche spielt Organist Ullrich Böhme an einer Sauer-Orgel von 1889.

(Foto: picture alliance / dpa)

Jubelrufe an der Orgel: Die Unesco würdigt eine deutsche Tradition als immaterielles Kulturerbe der Menschheit. Die "Königin der Instrumente" ist hierzulande tief verwurzelt. Wer ihrem Klang lauschen will, der kann unter einer der rund 50.000 Orgeln Platz nehmen.

Die Tradition von Orgelbau und Orgelmusik in Deutschland ist in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen worden. Die Entscheidung fiel bei der Tagung des Unesco-Komitees auf der südkoreanischen Insel Jeju.

In Fachkreisen rief die Entscheidung begeisterte Jubeltöne hervor. Der prominente deutsche Orgelsachverständige Michael Kaufmann etwa nahm die Anerkennung des Orgelbaus und der Orgelmusik als Unesco-Kulturerbe mit großer Freude auf. Dies sei ein guter Tag für alle Orgelfreunde, sagte Kaufmann.

Fürsprecher der Orgelkultur: Der Orgelsachverständige Michael G. Kaufmann, hier vor der Klais-Orgel in der Kirche St. Stephan in Karlsruhe.

Fürsprecher der Orgelkultur: Der Orgelsachverständige Michael G. Kaufmann, hier vor der Klais-Orgel in der Kirche St. Stephan in Karlsruhe.

(Foto: dpa)

"Für mich selbst bedeutet der Eintrag bei der Unesco, dass ich wieder eine Zielmarke in meinem Einsatz für die Orgel erreicht habe", fügte er hinzu. "Hinter der Formulierung des Antrags stehen Jahrzehnte der Beschäftigung als Musikwissenschaftler, Organist und Orgelsachverständiger mit dem Instrument, seiner Geschichte und Gegenwart, seiner Technik und seines Klangs", erklärte er.

In Deutschland gibt es derzeit noch mehr als 50.000 funktionsfähige Orgeln. "Jede Orgel ist einzigartig, denn sie wird eigens für den Raum entwickelt, in dem sie später erklingt", sagte der Vizepräsident der deutschen Unesco-Kommission, Christoph Wulf. Seinen Angaben zufolge prägen 400 handwerkliche Orgelbaubetriebe mit etwa 2800 Mitarbeitern, 180 Auszubildenden sowie 3500 hauptamtlichen und Zehntausenden ehrenamtlichen Organisten das Handwerk und die Kunst des Orgelbaus und der Orgelmusik in Deutschland.

Millionen für die Orgelkultur

"Orgelbau und Orgelmusik sind auch heute noch ein wichtiger Teil unseres Musiklebens, sie werden von Generation zu Generation weitergegeben, gepflegt und fortentwickelt", erklärte Kulturstaatsministerin Monika Grütters in einer Mitteilung der deutschen Unesco-Kommission. Durch die Aufnahme in die Unesco-Liste werde die Bedeutung dieses über Jahrhunderte gewachsenen kulturellen Erbes gebührend gewürdigt.

Um die Tradition auch in Zukunft zu stärken, setzt sich die Bundesregierung auch finanziell für die deutsche Orgel-Kultur ein. Grütters zufolge flossen in diesem Jahr rund fünf Millionen Euro an Fördermitteln in die Modernisierung national bedeutsamer Orgeln und den Erhalt wertvoller Instrumente.

Quelle: n-tv.de , mmo/dpa