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Millionen verpulvert US-Lottogewinner wird zum Bankräuber

Mit diesen Fotos suchte das FBI über Monate nach dem sogenannten "PT Cruiser Bandit".

Mit diesen Fotos suchte das FBI über Monate nach dem sogenannten "PT Cruiser Bandit".

(Foto: FBI)

Jim Hayes aus Kalifornien knackt den Jackpot und führt ein Leben auf der Überholspur - mit Luxusautos, teuren Reisen und verschwenderischem Glücksspiel. Doch dann gerät sein Luxusleben durch mehrere Schicksalsschläge aus den Fugen.

Jim Allen Hayes ist 55 Jahre alt, als er 2017 zum ersten Mal eine Bank überfällt. Es ist die Montecito Bank & Trust in seinem Heimatort Carpinteria, einer kleinen Küstenstadt im US-Bundesstaat Kalifornien. Alles, was es für einen solchen Raub brauche, seien "cojones", sagt er.

"Es ist, als sitze dir ein Teufel auf der einen und ein Engel auf der anderen Schulter", erzählt Hayes dem US-Newsportal Daily Beast. "Der Engel sagt: 'Tue es nicht. Du könntest für 20 oder mehr Jahre ins Gefängnis kommen.' Der Teufel aber meint: 'Es ist Freitag. Du bist pleite. Wie willst du das ganze Wochenende ohne Drogen überstehen, du Verlierer?'" Also fasst sich Hayes ein Herz, betritt die Bankfiliale und entschuldigt sich bei der Frau am Schalter mit den Worten: "Sorry, ein familiärer Notfall."

Keine drei Minuten später sitzt er auch schon wieder in seinem VW Jetta, mit 3300 US-Dollar in der Tasche. In den folgenden fünf Monaten überfällt der heroinabhängige Hayes zehn weitere Banken in der Gegend rund um Los Angeles und Santa Barbara. Die Medien geben ihm den Spitznamen "PT Cruiser Bandit", inspiriert durch das Auto, mit dem er jedes Mal vorfährt. Ein Auto, das er sich als Erstes von dem geraubten Geld gekauft hat. Insgesamt erbeutet Hayes etwa 40.000 Dollar, ehe das FBI ihn schnappt.

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Was zunächst wie die Story eines klassischen Kriminellen und Drogenabhängigen klingt, hat eine außergewöhnliche Vorgeschichte. Denn dass Hayes zum Bankräuber wurde, verdankt er einem beachtlichen Lotto-Gewinn. 20 Jahre vor den Ereignissen von 2017 knackte er den Lotterie-Jackpot von 19 Millionen US-Dollar. Nach Abzug der Steuern blieben im fast 14 Millionen Dollar, die er sich mit 684.000 US-Dollar pro Jahr über zwei Dekaden auszahlen ließ.

Scheidung, Kaufrausch und Drogen

Heute sagt Hayes, er habe nie vorgehabt, das Geld zu verpulvern. Doch genau das tat er. Obwohl er die Hälfte des Gewinns nach der Scheidung an seine Ex-Frau verlor, gab er die andere mit vollen Händen aus. Irgendwann besaß er 17 Luxuskarossen, darunter Lamborghinis, Bentleys, Porsches, Ferraris und Corvettes. Er war umgeben von Schauspielern und Sport-Stars, verzockte eine Menge Geld beim Glücksspiel in Las Vegas.

Doch eines Tages bekam Hayes Rückenprobleme und musste mehrfach operiert werden. Die Ärzte verschrieben ihm starke Schmerzmittel wie Vicodin, Norco und Oxycontin, die allesamt hochgradig abhängig machen. Schon bald musste Hayes die Dosen immer weiter erhöhen, zahlte die Medikamente irgendwann aus eigener Tasche. Sein jährliches Einkommen aus dem Lotteriegewinn belief sich inzwischen auf 300.000 US-Dollar, doch das reichte schon lange nicht mehr.

2007 galt Hayes offiziell als pleite. Er zog in einen Apartmentkomplex, in dem er als Manager arbeitete und sich so die Miete sparte. 2017 brannte das Haus beinahe vollständig nieder und Hayes verlor alles, was er zu diesem Zeitpunkt noch besaß. Krank und mittellos zog er in die Garage eines Freundes. Weil er nicht mehr so einfach an seine Tabletten kam, wechselte er zum Heroin, das er recht problemlos auf der Straße kaufen konnte. "Ich war pleite, drogenkrank, sauer auf die ganze Welt, lebte in einer Garage - mit meiner geliebten Katze, die mich jeden Tag hungrig ansah." Es war der 27. April 2017, als Hayes beschloss, bewaffnet durch die Tür der Montecito Bank & Trust zu treten. 

Am 26. September desselben Jahres war der Spuk dann wieder vorbei. Als Hayes an jenem Morgen aus seiner Garage kam, standen mehr als ein Dutzend FBI-Agenten davor. Scharfschützen richteten ihre Waffen auf ihn. Das Gericht konnte Hayes vier Banküberfälle nachweisen und verurteilte ihn zu drei Jahren Haft. Am 23. Februar 2020 wird er mit fast 60 Jahren entlassen. Dann möchte er unter dem Titel "Lottery to Robbery" seine Memoiren verfassen.  

Quelle: n-tv.de , nan

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