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"Das Böse stirbt tatsächlich" Kinder schocken mit ehrlichem Nachruf

Seine Kinder erinnern sich an einen gewalttätigen Mann.

Seine Kinder erinnern sich an einen gewalttätigen Mann.

(Foto: dpa)

Ein 75-Jähriger zweifacher Vater stirbt an Krebs. Doch die Trauer um ihn hält sich in Grenzen, das macht seine Familie mehr als deutlich.

Über Tote nur Gutes, ist eine der altmodischen Maximen, die die meisten Menschen noch immer beherzigen.  Deshalb werden in Todesanzeigen liebevolle, großzügige und warmherzige Menschen betrauert. Nun weiß natürlich jeder, dass es nicht nur diese Menschen gibt. Angesichts des Todes werden die Schwächen eben einfach verschwiegen.

Gegen diese Lösung entschied sich jedoch die Familie von Leslie Ray Charping, der am 30. Januar im US-Bundesstaat Texas an Krebs gestorben war. Charpings Kinder verabschiedeten in ihrer Traueranzeige ihren "bösen Vater", dessen Tod 29 Jahre länger gebraucht habe, als erwartet und viel länger, als er es verdient habe.

In der Anzeige, die auf der Webseite eines örtlichen Bestattungsinstituts veröffentlicht wurde, zeichneten die Verwandten des 75-Jährigen das Bild eines gewalttätigen, drogenabhängigen Mannes, der auch mit psychischen Problemen zu kämpfen hatte. Demnach hinterließ Charping "zwei erleichterte Kinder", sechs Enkelkinder sowie "unzählige andere Opfer, einschließlich einer Ex-Frau, Verwandten, Freunden, Nachbarn, Ärzten, Krankenschwestern und zufälligen Fremden".

"Schätzen Sie ihre guten Eltern"

"Schon in jungen Jahren war Leslie ein Musterbeispiel für schlechte Elternschaft, kombiniert mit psychischer Erkrankung und einem ausschließlichen Interesse für Alkohol, Drogen und Frauengeschichten." In dem Nachruf, der inzwischen entfernt wurde, steht auch, dass der Tote "überraschend intelligent" war. Es habe ihm jedoch jeglicher Ehrgeiz gefehlt, außer dafür "rücksichtslos und verschwenderisch, besonders mit den Familienersparnissen" zu sein. Das Leben von Charping habe keinen Sinn gehabt. "Er trug nichts für die Gesellschaft bei oder diente irgendwie der Gemeinschaft." Außerdem habe er keinerlei Qualitäten besessen, außer dem schnellen Sarkasmus, "der während seiner nüchternen Tage amüsant war".

Eine Beerdigung werde nicht stattfinden. Mit seinem Tod werde Charping nun für all die Dinge vermisst, die er nie war: Ein liebevoller Ehemann, Vater und guter Freund. Sein Tod beweise, dass das Böse tatsächlich stirbt.

Nachdem mehrere US-Medien über den außergewöhnlichen Nachruf berichtet hatten, verteidigte sich die Familie gegen Kritik an ihren offenen Worten. "Ich freue mich für alle, die das einfach nicht verstehen. Das heißt: Sie hatten gute Eltern, bitte schätzen Sie das", wurde eine Tochter des Verstorbenen vom Sender ABC zitiert. Ihre Todesanzeige solle dazu beitragen, das Schweigen über häusliche Gewalt ein wenig mehr aufzubrechen.

Quelle: n-tv.de , sba

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