Panorama

Der ungewöhnliche Absturz des A320 Die wichtigsten Fragen - und Antworten

Aus der Luft sind nur wenige größere Bruchstücke des Wracks zu erkennen.

Aus der Luft sind nur wenige größere Bruchstücke des Wracks zu erkennen.

(Foto: n-tv)

Der Absturz des Germanwings-Flugs 4U9525 wird als "auffällig" bezeichnet, über die Ursachen gibt es nur Spekulationen, viele Fragen sind offen. Hier alles, was man bisher weiß, in Kurzform.

Was macht den Absturz so ungewöhnlich?

Das Wetter über dem Absturzort war gut und ruhig, in den französischen Alpenausläufern schneite es nicht und das Flugzeug hatte die Reiseflughöhe – und damit den sichersten Teil einer Flugreise – bereits erreicht. Dann begann der Sinkflug. Der Flieger verlor schnell an Höhe, ohne dass die Piloten einzugreifen schienen. Weder beendeten sie den Sinkflug noch änderten sie den Kurs. Sie setzten auch keinen Notruf ab. Der Pilot war erfahren, er hatte schon mehr als 6000 Airbus-Flugstunden hinter sich und war seit über zehn Jahren für Lufthansa und Germanwings im Einsatz. Der Flugzeugtyp, ein A320, gehört zu den verlässlichsten Flugzeugtypen überhaupt. Einen Tag vor dem Unglück war die Maschine routinemäßig gewartet worden.

Welche Absturzursachen könnte es geben?

Dem n-tv-Luftfahrtexperten Ralf Benkö zufolge wirken die letzten Minuten vor dem Absturz wie ein kontrollierter Sinkflug. Die Folge könnte laut Benkö ein Druckabfall in der Kabine gewesen sein. Dann aber hätten die Piloten den Sinkflug spätestens bei ungefähr 3000 Meter Höhe beenden müssen – schließlich steuerte die Maschine direkt auf die Alpen zu.
Ein zweites mögliches Szenario wären – so Benkö – eingefrorene Fluglagensensoren. Dieses Problem trat schon vermehrt auf – auch bei Fliegern des Typs A320. Erst im November 2014 hatte eine ähnliche Maschine, ein A321, ein solches Problem: Die Sensoren waren vereist, das Flugzeug leitete daraufhin selbständig den Sinkflug ein. Den aufzuhalten gelang den Piloten damals nur, indem sie das komplette Computersystem an Bord abschalteten. Doch alles, was zur Absturzursache in Südfrankreich im Gespräch ist, ist bislang pure Spekulation.

Video

Wann ist mit ersten Erkenntnissen zur Absturzursache zu rechnen?

Einer der beiden Flugschreiber konnte bereits geborgen werden. Er wird zurzeit in Marseille ausgewertet - in Anwesenheit eines deutschen und eines französischen Staatsanwaltes. Von dieser ersten Blackbox erhofft man sich Hinweise darauf, warum die Piloten beim Sinkflug nicht eingriffen und keinen Notruf absetzten, und genauere Erkenntnisse über den Absturz. Voraussichtlich werden die Ergebnisse schon heute am späten Nachmittag oder morgen bekannt gegeben. Auch von der zweiten Blackbox soll inzwischen schon ein Ortungssignal empfangen worden sein. Die gilt es nun noch zu bergen.

Video

Wer ist jetzt vor Ort im Einsatz?

Hunderte Helfer von Feuerwehr, Gendarmerie und Armee wurden mit Hubschraubern in das Bergmassiv geflogen. 30 Gebirgsjäger der Polizei sind dort. Da das Gelände komplett unwegsam ist, müssen sie sich teilweise abseilen. Es gibt keine Straßen, nicht mal Wanderwege. Über Geröllmassen und Felsen muss man sich zur Unglücksstelle hinunterarbeiten.
65 Mann haben sich zu Fuß auf den Weg gemacht. Außerdem sind 10 Gerichtsmediziner am Absturzort im Einsatz, um die Opfer zu bergen. Nur anhand der DNA wird man die Menschen identifizieren können.
Auch Mitglieder des Deutschen Bundesamtes für Flugunfalluntersuchung sind an der Unglücksstelle. Sie stehen vor einem Puzzlespiel und versuchen herauszufinden, ob das Flugzeug eventuell schon in der Luft auseinandergebrochen ist.

Video

Wer ist unter den Opfern?

Erste Bilder vom Unglücksort ließen jede Hoffnung schwinden. Den Absturz wird niemand überlebt haben. Von den 150 Menschen an Bord des A320 waren 72 Deutsche - 16 von ihnen Schüler aus Haltern, zwei weitere ihre Lehrerinnen. Sie waren im Zuge eines Austauschprogramms in Spanien gewesen. Auch eine Düsseldorfer Opernsängerin der Deutschen Oper am Rhein und ihr Kollegen waren mit der Maschine auf dem Weg zurück in die Heimat. 35 Menschen auf der Passagierliste waren Spanier. Je zwei Opfer stammten nach jüngsten Angaben von Germanwings aus Australien, Argentinien, Iran, Venezuela und den USA. Je ein Opfer sei aus Großbritannien, den Niederlanden, Kolumbien, Mexiko, Japan, Dänemark, Belgien und Israel. Bei einigen Opfern sei die Nationalität noch unklar. Das liege an doppelten Staatsangehörigkeiten.

Video

Wie lang wird die Bergung dauern?

Nach den Angaben des französischen Innenministeriums können sie "Tage oder Wochen" dauern. Die Trümmer liegen über zwei Hektar verteilt. Der Airbus 320 ist in kleinste Teile zerborsten. "Alles ist pulverisiert. Man kann nichts mehr auseinanderhalten", sagte ein Feuerwehr-Leutnant der Zeitung "Le Monde". Es gibt kein einziges intaktes Stück des Flugzeugs mehr. Das größte Trümmerteil an der Absturzstelle ist gerade mal so groß wie ein Kleinwagen.

In aller Kürze: Was war passiert?

Der Airbus 320 war um 10.01 Uhr in Barcelona mit Ziel Düsseldorf gestartet. 150 Menschen waren an Bord. Um 10.45 Uhr erreichte das Flugzeug seine Reiseflughöhe von 11.500 Metern. Da befand es sich noch über dem Mittelmeer, kurz vor der französischen Küste. Eine Minute später begann der Sinkflug. Die Maschine bewegte sich über das französische Departement Alpes-de-Haute-Provonce, verlor immer schneller an Höhe und wurde langsamer. Der Pilot schickte keinen Notruf und beantragte auch nicht, von der vorgesehenen Reiseflughöhe abzuweichen. Um 10.53 Uhr brach der Funkkontakt ab – auf einer Höhe von nur noch 1800 Metern. Einige Berge in dieser Region sind höher. Gut eine halbe Stunde später meldeten französische Medien den Absturz. Die Maschine war in einem Ausläufer der französischen Alpen aufgeschlagen. Unterhalb der Absturzstelle in den kleinen Ort Seyne-Les-Alpes hatten viele Menschen das Flugzeug gehört. "Das Geräusch war nicht normal", erzählt ein Anwohner. "Der Motor, das war alles irgendwie sehr merkwürdig. Und Sekunden, nachdem sie hier rübergeflogen ist, hörte ich eine Explosion. Das war weiter weg, aber sehr gut zu hören." Ob das Flugzeug schon in der Luft auseinandergebrochen ist oder erst am Boden, weiß man bislang nicht.

Quelle: n-tv.de , asc

Mehr zum Thema