Musik

"So fucked up wie ihr" Der Rapzilla Eminem greift an

Kam nach Hannover - und 75.000 schauten zu: Eminem.

Kam nach Hannover - und 75.000 schauten zu: Eminem.

(Foto: credit@jeremydeputat)

14 Jahre ist es her, dass Eminem das letzte Mal in Deutschland war. Nun kehrt er für ein einziges Konzert in diesem Jahr zurück. n-tv.de ist bei dem Auftritt in Hannover dabei und stellt fest: Der Rap-Gott hat es immer noch drauf.

Langsam schreitet der Riese durch die Häusergassen, bis er aus Versehen ein Fahrzeug mit dem Fuß erwischt. "Hey, das war mein Auto, du Idiot", beschwert sich ein kleines Männchen und wirft wütend einen Kaffeebecher auf den Riesen. Das ist zu viel. "Fuck you", ruft der Riese und fängt an, wild um sich zu schlagen. Ein Auto fliegt, dann streckt er den Mittelfinger in die Kamera. Der Riese ist Marshall Mathers, besser bekannt als Eminem, und jene Godzilla-ähnliche Actionfilm-Szene das Intro seines Konzerts.

14 Jahre ist es her, dass Eminem das letzte Mal in Deutschland war. Verschwunden ist sein jungenhafter Look, er trägt jetzt Bart und ein bisschen Hüftgold. "Habt ihr uns auch so doll vermisst wie wir euch?", will er vom Publikum wissen. Na klar. Mit 226 Millionen verkauften Tonträgern ist Eminem der erfolgreichste Rapper dieses Jahrtausends - Rapzilla, wenn man so will. Doch der schnelle Ruhm trieb ihn in die Medikamentenabhängigkeit. Seit 2008 ist er clean, hat sich aber auch rarer gemacht. Die Show auf dem Messegelände in Hannover ist seine einzige hierzulande, die 75.000 Tickets waren innerhalb von nur fünf Minuten vergriffen.

Ja, er ist ein bisschen älter geworden.

Ja, er ist ein bisschen älter geworden.

(Foto: credit@jeremydeputat)

Wortsalven voller Energie

Entsprechend aufgeheizt ist die Stimmung, als Eminem den Abend mit "Medicine Man", einem Stück seines Entdeckers Dr. Dre, eröffnet. Dazu gibt's direkt mal ein Feuerwerk. Wozu kleckern, wenn man klotzen kann. Nach nur wenigen Zeilen ist klar: Eminem, in blauem Trainingsanzug und mit Kapuze über der Cap, ist immer noch ein brillanter Rapper, seine Wortsalven stecken voller Energie. Von seinen letzten Platten kann man das nicht unbedingt sagen. Für sein im Dezember veröffentlichtes Album "Revival" bekam Eminem vernichtende Kritiken: Zu viele Gastbeiträge, zu viele Musikstile. Zum Glück stehen die neuen Songs an diesem Abend nicht im Vordergrund.

Begleitet wird Eminem von einer 13-köpfigen Live-Band inklusive fünf Streichern und DJ. Auch Rapper Kon Artis alias Mr. Porter von der HipHop-Crew D12 ist den ganzen Abend an seiner Seite. Schade, dass sie viele Songs nur halb spielen. Vielleicht hat Eminem später noch etwas vor? Jedenfalls rappt er sich im Eiltempo durch insgesamt 28 Songs - der Abend wirkt fast wie eine Medley seines Schaffens. Hinter ihm, auf der Leinwand, wird es in der Stadt, die Rapzilla anfangs verwüstet hat, im Laufe des Abends immer dunkler und düsterer. Ein Amboss mit der Ziffer 313 hängt über der Bühne - der Area Code von Detroit, wo Eminem aufgewachsen ist. Als er drei Monate alt war, haute sein Vater ab, seine damals erst 17-jährige Mutter war drogenabhängig und gewalttätig. Im Rap fand Eminem als Teenager ein Ventil.

Eminem gab viele seiner Hits zum Besten.

Eminem gab viele seiner Hits zum Besten.

(Foto: credit@jeremydeputat)

Detroit in Trümmern

Es sind zweifellos die Songs aus seiner frühen Karrierephase, die den Abend besonders machen. "You Don't Give A Fuck", bei dem 75.000 Mittelfinger in die Luft gereckt werden, "The Way I Am" oder "Kill You". Was hat dieser Mann für ein Vermächtnis. Songs wie "Monster” vom Album "The Marshall Mathers LP 2", "Cinderella Man" und "Love The Way You Lie" von "Recovery" oder "Walk On Water" von seiner aktuellen Platte, bei dem Beyoncé von Skylar Grey ersetzt wird, können da einfach nicht mithalten. Der Song handelt ironischerweise von den Erwartungen der Fans an ihn und seine Musik. "Why are expectations so high?", fragt Eminem darin. Weil wir halt wissen, was er draufhat?

"Seit ich auf die Bühne gekommen bin, habe ich mir das Publikum angeschaut", sagt der 45-Jährige zum Ende der knapp eineinhalbstündigen Show. "Und ich stelle fest, da stehen viele Leute, die auf irgendwelchen Drogen oder besoffen sind. Können wir euch mitnehmen in die Zeit, in der wir so fucked up waren wie ihr?" Es folgen "My Name Is", "The Real Slim Shady" und "Without Me" am Stück weg und danach als Zugabe "Lose Yourself" - jener Song, der damals als Soundtrack für Eminems semi-autobiografischen Film "8 Mile" diente und ihm einen Grammy und einen Oscar einbrachte. Detroit liegt hinter ihm mittlerweile in Trümmern, der Amboss hängt schief. Das passiert, wenn man sich mit Rapzilla anlegt.

Quelle: n-tv.de

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